Dreihundertfünfzig Jahre holländischer Regierung sind in diesen Tagen zu Ende gegangen, und Indonesien ist ein selbständiger Staat und ein gleichberechtigter Partner mit dem ehemaligen Mutterland unter der gemeinsamen holländischen Krone geworden. Sein erster Staatspräsident, Soekarno, hatte nach der Einnahme Insulindes durch die Japaner mit den Eroberen zusammengearbeitet. Er war die Seele des Widerstandes gegen die englischen Truppen gewesen, die nach der Niederringung Japans das Inselreich Indonesiens besetzen wollten. Er leitete von Djokjakarta aus den Kampf gegen die holländische Kolonialmacht, die versuchte, die Zustände so wiederherzustellen, wie sie vor dem Kriege gewesen waren, ungeachtet der Tatsache, daß es schon damals Aufstände und Individualterror gegeben hat.

In den erbitterten Kämpfen hielten zunächst Kommunisten und Nationalisten einheitlich zusammen. Als die Kommunisten allerdings sahen, daß ihnen in diesem Kampfe die Führung nicht zufallen werde, versuchten sie vor etwas mehr als einem Jahre einen Aufstand gegen Soekarno zu erregen. Die Unruhen wurden sehr blutig niedergeschlagen. Der kommunistische Führer, ein besonderer Vertrauter Moskaus, kam dabei um. ... Es waren in erster Linie, die Vereinigten Staaten, die zusammen mit Englands Außenminister Bevin darauf drangen, daß die Holländer nachgeben und Indonesien, den Status eines unabhängigen Landes verleihen, sollten. Auf ihre Veranlassung wurde der Streitfall der UNO unterbreitet; die Sowjetrussen, damals noch ja der Hoffnung, Indonesien werde kommunistisch werden, stimmten zu. Man ging in Washington so weit, die Niederlande wissen zu lassen, man werde ihnen die Marshall-Hilfe sperren, wenn sie sich nicht entschließen würden, nachzugeben.

Es war gewiß ein sehr schwerer Entschluß für das niederländische Parlament und die niederländische Regierung, auf die Fortsetzung einer 350jährigen Herrschaft, unter der vieles Gute für den Aufbau des beherrschten Landes geschaffen worden war, zu verzichten, ohne irgendein gesichertes Versprechen für eine dauernde weitere Zusammenarbeit. Noch immer gibt es extreme nationalistische Gruppen in Java, die am liebsten alle Verbindungen mit den Niederlanden zerreißen würden, es ist auch immer noch eine kommunistische Bewegung vorhanden. Doch ist durch das holländische Nachgeben zweifellos im letzten Augenblick noch die Vereinigte Republik Indonesien für die antikommunistische Welt gerettet worden. Das beweisen die beiden Vetos, die Moskaus Vertreter Tsarapkin im Sicherheitsrat einlegte – es waren das 42. und 43. sowjetische Veto –, als Kanada beantragte, man möge erstens der Indonesien-Kommission der UNO und den am Haager Abkommen beteiligten Ländern zu ihrem Erfolg gratulieren und ferner die UNO-Kommission beauftragen, ihre Tätigkeit bei der Durchführung des Abkommens fortzusetzen. Der erzürnte Kreml hat auch durchblicken lassen, er würde, falls im nächsten Jahr der Antrag gestellt werden sollte, Indonesien in den Kreis der Vereinten Nationen aufzunehmen, ein neues Veto einlegen.

Moskau – dies zeigt sich – ist noch nicht bereit, die Niederlage kampflos hinzunehmen. Die USA ihrerseits haben den Fehdehandschuh sofort aufgenommen und der neuen Regierung in Batavia unverzüglich eine Anleihe von 36,5 Millionen Dollar aus Marshall-Geldern zur Bestreitung der dringendsten Bedürfnisse gewährt. Es ist zu erwarten, daß eine weitere große Anleihe folgen wird. Sie muß jedoch, da die Indonesische Republik als selbständiger Staat nicht mehr zu den ursprünglichen Marshall-Plan-Ländern gehört, noch von Senat und Repräsentantenhaus bewilligt werden.

Versucht man nun ein Fazit aus den gegenseitigen Manövern auf dem asiatischen Scham platz zu ziehen, so darf man wohl sagen, daß die USA in dem Kalten Krieg mit dem Kreml sich in Asien auf eine Stellung zurückgezogen haben, in der sie mit einer gewissen Sicherheit den weiteren Vorstoß des Kommunismus abwarten können. Sie haben China aufgegeben und damit zugleich 3 Milliarden Dollar, die sie nach und nach an Tschiang Kai Shek in seinem Krieg gegen Mao Tse Tang gezahlt haben. Hier hat sich eine Politik gerächt, die in Stalin einen guten alten Mann sah und in den chinesischen Kommunisten biedere Landreformer. Um so höher muß man es bewerten, daß Washington, nachdem es seine Niederlage in China erkannt hatte, sich mit Erfolg darangemacht hat, die Kette antikommunistischer Staaten um das verlorene Gebiet durch das Glied Indonesien zu schließen.

Auf dem zweiten großen Kampfplatz des Kalten Krieges, in Europa, waren die Anstrengungen, die die USA vollbrachten, um die Front der nichtkommunistischen Staaten zu kräftigen, noch größer. Zu Beginn des Jahres 1949 gab es noch keinen Atlantikpakt, keine Militärhilfe, keinen Europarat und keine Deutsche Bundesrepublik. Im Laufe eines glücklicherweise milden Winters war die Blockade Berlins durch die Sowjetrussen noch in vollem Gänge. Die Seele des Widerstandes auf alliierter Seite war der amerikanische Militärgouverneur General Clay. Britische und amerikanische Flugzeuge brachten pausenlos Lebensmittel, Kohle, Benzin und Rohmateralien nach Berlin. Die Sowjetrussen versuchten, die Transporte der Luftbrücke durch Flugmanöver im Flugkorridor zu stören. Die Alliierten verloren die Nerven nicht, auch als es zu einem Zusammenstoß kam. Stalins Angebot vom Februar, einen Friedenspakt mit den USA zu erörtern, wurde von Acheson kühl zurückgewiesen: Friedensgespräche könnten nur mit allen beteiligten Mächten gleichzeitig geführt werden. Zwei Monate später wurden die Bedingungen des Atlantikpaktes veröffentlicht.

Wie seinerzeit beim Marshall-Plan, versuchte der Kreml wieder, durch diplomatischen Druck einzelne Länder daran zu hindern, diesem Verteidigungsbündnis beizutreten. Finnland gab sofort. nach und erklärte öffentlich, es werde dem Pakt fernbleiben. Gleichzeitig wandte es sich an Schweden, man möge dort seinem Beispiel folgen, da Rußland sonst Repressalien gegen Finnland ergreifen werde. Schweden, schon von sich aus einer vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäßen Neutralitätspolitik huldigend, gab diesem Wunsch nach und versuchte, auch Dänemark und Norwegen zu der gleichen Politik zu bekehren, indem es ihnen ein selbständiges skandinavisches Verteidigungsbündnis vorschlug, für den Fall, daß beide Staaten außerhalb des Atlantikpaktes blieben. Der Kreml witterte eine günstige Gelegenheit und bot Norwegen – nicht ohne einige Drohungen – einen Nichtangriffspakt an. Norwegen aber blieb fest und bekannte sich zu der Allianz mit den Westmächten, der Atlantikpakt wurde perfekt und trat am 24. Juli in Kraft. Die mit ihm verbundene Militärhilfe der USA an die europäischen Mächte wurde erstmalig im September in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar vom Kongreß bewilligt. Zehn europäische Länder, Großbritannien, Frankreich, Italien, Norwegen, Island, Dänemark und die drei Beneluxstaaten, gehören dem Pakt an, gemeinsam mit Kanada und den USA. Die Politik des Kremls, die das Zustandekommen dieses Paktes verhindern wollte, war gescheitert.