Santiago, im Dezember

Am 27. November wählte Kolumbien seinen neuen Staatspräsidenten Laureano Gomez, Über das Land war der Kriegszustand verhängt. Auf den Straßen standen die einsatzbereiten Truppen. Jedes Wahllokal war besonders durch Soldaten geschützt. Am Tage vor dem Wahlgang war eine Demonstrantengruppe mit dem liberalen Präsidentschaftskandidaten Dario Echandie und seinem Bruder; Vicente an der Spitze durch die Straßenvon Bogota gezogen, um gegen die Behinderung der Wahl durch die Regierung zu protestieren. Es war zu einem Zusammenstoß mit der Polizei gekommen, bei dem Vicente Echandia erschossen worden war.

Unter diesen Umständen hatten sich sowohl die Liberalen wie auch die Kommunisten von der Wahl zurückgezogen und ihren Anhängern Stimmenthaltung; empfohlen. So blieb Laureano Gomez, der Führer der Konservativen, als einzigerKandidat übrig, und es kam entscheidend darauf an, wie groß die Wahlbeteiligung sein, würde. UmWahlmißbrauch zu verhindert, wurde bei der Stimmenabgabe ein Finger jedes-, Wählenden in schwerlösliche Tinte getaucht, die mindestens-für dieseh Tag nicht entfernt werden konnte. Denn angeblich verdanken die Liberalen alle ihre früheren Wahl er folge der Fälschung von Wahlausweisen. Laureano Gomez erhielt bei seiner Wahl rund 950 000 von 1,4 Millionen Stimmen, was einen bemerkenswerten Erfolg der Konservativen darstellt. Wer ist nun dieser neue Präsiden?

Für dieLiberalen bedeutet Gomez die Reaktion schlechthin. Geboren am 20. Februar 1889 in Bogota besuchte er, das Jesuiten-Kolleg von San Bartolome, wo er Literatur und Philosophie studierte. Er ging dann früh in die Politik, wobei er die konservative Hochburg, das Departement von Cundinamaroa vertrat. Als Diplomat weilte er in Chile, Argentinien und in Berlin. Im Jahre 1936 gründete er die Zeitung „El Siglo“. Unter seinem Vorgänger, dem Präsidenten Ospina Perez,war er Außenminister und bereitere als solcher die Panamedkanische Konferenz vor, die dann Zeuge der schweren Unruhen und der Einäscherung von halb Bogota wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde nicht nur das Privathaus von Gomez, sondern auch seine Zeitung „El“ Siglo“ angezündet und niedergebrannt. Daraufhin, verließ Gomez das Land und ging ins freiwillige Exil, von dem er diesen Juni zurückkehrte. Wenn wir so wollen, gehört Gomez zu den „Ausgebombten“ des Kalten Krieges. Und das ist kein Zufall, denn es, wird wenige Politiker geben, die von ihren Feinden derart gehaßt werden wie er.

Nach seiner Wahl hat Gomez eine Erklärung abgegeben, er würdenach seinem Amtsantritt sich bemühen, möglichst viel ausländisches Kapital, insbesondere nordamerikanisches, ins Land zu ziehen. Die Konservative Partei, könne den ausländischen Kapitalisten Ruhe und Ordnung versprechen, eine klare und vorsichtige Wirtschaftspolitik und die Sicherheit, die Zinsen aus dem Lande abziehen zu können Jede Mißwirtschaft werde er bekämpfen. Wenn der liberale Kongreß ihm die Gefolgschaft verweigert, so will er imZeichen des nationalen Notstands bis zu den nächsten Parlamentswahlen regieren, die er bestimmt zu gewinnen hofftt. Werden die Vereinigten Staaten sich mit ihm verständigen können?

Für den Präsidenten Roosevelt wäre das vielleicht nichtleicht gewesen. Auch für Truman ergeben sich gewisse Schwierigkeiten... Hingegen wird Gomez sehr gut mit den großen Unternehmungen und dem Großkapital in Wallstreet auskommen. Er bezeichnet sich gern als den Mann der Ordnung, und unter diesem Stichwort sind die meinen seiner politischen Ansichten zu Verstehen.Die Liberalen haben erst 1930 wieder die Regierung in Kolumbien angetreten, nachdem vorher die Konservativenfast ein halbes Tahrhundertlang an der Macht waren. In den anderthalb Jahrzehnten haben die Liberalen eine tiefgehende Unruheerzeugt. die schließlich zu den blutigen Vorgängen 1948 in Bogota führte – nichtzuletzt deswegen, weil sie sich in verschiedene Gruppen spalteten. Die Herrschaft von Gomez über die Konservative Partei ist niemals angezweifelt worden, so daß man in Zukunft mit mehr Stabilität in Politik und Wirtschaft rechnen kann.