E. G., London, Ende Dezember

Eine Währungsberichtigung im Zeichen der Vollbeschäftigung ist wohl zum ersten Male mit der Pfundabwertung vom September 1949 versucht worden. Man wollte nicht das Hindernis zu hoher Exportpreise allgemein aus dem Wege räumen, um eine Erhöhung der gesamten Ausfuhr zu erreichen. Man wollte vielmehr die Richtung für einen Teil der Exporte ändern. Der Anlaß dafür war der erhebliche Dollarbedarf für die Einfuhr – jetzt und noch mehr nach Ablauf der Marshall-Hilfe. Das Mittel mußte nicht nur sein, die Abnehmer in Dollarländern, sondern auch die Produzenten in Großbritannien und im Commonwealth an dieser Richtung der britischen Exporte zu interessieren.

Wie sieht der Erfolg bisher aus? Von den konkreten Ergebnissen darf man in der kurzen Zeit nicht zu viel erwarten. Wenn die britischen Dollarerlöse, die im Monatsdurchschnitt für 1948 rund 46,4 Mill. $ und im zweiten Quartal 1949 monatlich 39,9 Mill. $ betrugen, sich nach der Abwertung im Oktober auf 33,5 und im November auf 41,4 Mill. $ beliefen, so besagt das noch nicht viel.

Sehr viel ernster dagegen muß man die schlechte Beurteilung des Pfundes in New York und Zürich werten. Die Abschläge für blockierte Pfunde (die selbstverständlich nicht völlig zu vermeiden sind, solange Verwendungsbeschränkungen für verschiedene Arten von Pfundguthaben bestehen) haben sich in den letzten Wochen recht bedenklich erhöht. Der „Vertrauensvorschuß“, den vor allem die amerikanische Wirtschaftswelt den Engländern aus Anlaß der (von Amerikanern bekanntlich lange vorher warm empfohlenen) Abwertung eingeräumt hatte, verflüchtigt sich also viel schneller als erwartet. Man muß daher außerhalb Englands Befürchtungen hegen, daß die Briten sich trotz Abwertung nicht oder doch nicht rasch genug dem gesteckten Ziele nähern, dem Ziele ausgeglichener Dollarbilanz.

Wo sitzt der Haken? Die Abwertung erlaubte Senkung der Preise in Dollar oder Erhöhung der Erlöse in Pfund aus Verkäufen gegen Dollar oder eine Mischung aus beiden. Entweder erzielte man (etwa aus dem Export von Whisky, der knapp ist) weiterhin 1000 $, die jetzt 360 £ statt vorher 250 £ einbringen, oder man senkte den Preis für einen reichlich angebotenen Artikel von 1000 auf 700 $ und erzielte weiterhin wie bisher 250 £. Diese Alternative ist riskant; denn man muß dabei erstens die Exportmenge um 30 v. H. erhöhen, um die gleichen Dollarerlöse wie bisher zu erzielen und muß außerdem den Sterlingpreis stabil halten können, auch wenn sich aus der Verteuerung der Einfuhren aus Dollarländern die Kosten erhöhen.

So liegt denn in der Regel der neue Dollarpreis für britische Exporte zwischen den beiden Extremen. Die britische Autoindustrie etwa gewährte den Abnehmern in den USA zwei Drittel des Abwertungs vorteils. Aus 1000 $ wurden 800 8, aus 250 £ wurden 285 £. Aber wurde aus einem USA-Absatz von 100 Kraftwagen auch einer von 125 Kraftwagen, um den Dollarerlös für England wenigstens konstant zu halten? Hier liegtdie erste Schwierigkeit: Der USA-Markt „versagt“; man konnte zwar den Rückfall im letzten Sommer aufholen, jedoch nicht einmal ganz den Vorjahrsstand in der Zahl der verkauften Kraftwagen wieder erreichen.

Die zweite Schwierigkeit ersieht man aus der Klage der Autoindustrie, daß der Kraftwagenempört in die USA zum Verlustgeschäft geworden ist. Das ist zunächst überraschend angesichts des in Sterling erhöhten Erlöses, und ganz läßt sich die Vermutung nicht unterdrücken, daß auch schon vor der Abwertung ein Dumping vorlag, Doch auch die Kosten sind tatsächlich gestiegen, so z. B. die Reifenpreise. Ihre Erhöhung um 5 bis 12,5 v. H. wurde kürzlich mit der Verteuerung von Gummi um 22, Baumwolle um 25 und sonstige Rohstoffe um 36 v. H. seit der Abwertung begründet.