Am 4. April 1949 wurde der Atlantikpakt durch die Bevollmächtigten von zehn europäischen Staaten gemeinsam mit den Vertretern der USA und Kanadas unterzeichnet. Vierzehn Tage später sagte der amerikanische Außenminister Acheson: „Wir nähern uns jetzt dem Zeitpunkt, da wir unter gleichen Voraussetzungen mit den Mächten verhandeln können, die nicht mit uns übereinstimmen. Diese Besprechungen können dann nicht nur im freundschaftlichen Geiste, sondern auf der Grundlage gleicher Stärke geführt werden.“ Und zwei Monate darauf erklärte der amerikanische Verteidigungsminister Johnson, der Atlantikpakt und die den europäischen Mächten gewährte Militärhilfe gäben den USA Strategische Positionen in die Hand, von denen aus sie in der Lage seien, einen künftigen Krieg zu führen.

In Moskau, rühmte sich der Kreml nicht minder seiner Stärke. Am 6. November verkündete Malenkow bei seiner Festrede zum Gedächtnis der russischen Revolution, die Sowjetunion habe den Krieg nicht zu fürchten. Der erste Weltkrieg habe dem Kommunismus die Herrschaft in Rußland eingebracht, der zweite habe ihm die osteuropäischen Volksdemokratien und China unterworfen. Nach einem dritten Weltkrieg werde die ganze Welt. sowjetisch sein. Die UdSSR, so führte er weiter aus, werde in Zukunft „den Kampf um den Frieden“ mit gesteigerter Intensität führen. Und als fast zwei Monate später Stalin seinen 70. Geburtstag mit dem Pomp eines asiatischen Gottkönigs feierte, da gehörte zu den Vertretern tributärer Völker, die in Moskau anbetend aufwarteten, auch Mao Tse Tung, der Präsident der neuen chinesischen Volksrepublik.

Zwischen den zukunftsicheren Reden der amerikanischen Minister und den triumphierenden Ansprachen und Festen der Sowjetrussen aber lag ein wichtiges Datum des Kalten Kriegs, der 23. August, an dem Präsident Truman bekanntgab, in der Sowjetunion habe eine Atomexplosion stattgefunden. Allerdings, so lautet die Ansicht amerikanischer Gelehrter, werde Moskau noch zwei Jahre brauchen, um einen Vorrat von Atombomben zu sammeln, der es ihm erlauben könnte, sich mit den Vereinigten Staaten zu messen. Nicht weniger Zeit jedoch hatte auch der Generalstab der Atlantikpaktstaaten für erforderlich gehalten, um die Grundlagen für eine Verteidigung Europas zu schaffen. Beide Gegner sind daher zur Zeit eifrig bemüht, neben den militärischen auch die politischen Stellungen auszubauen und zu festigen, am sich für Verteidigung und Angriff so stark wie möglich zu machen. So ist praktisch die ganze Welt in den Streit. der beiden großen Mächte einbezogen, und diese Bemühungen waren es, die den großen politischen Schachzügen des Jahres 1949 zugrunde lagen.