Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als sei bei diesem Ringen die Initiative ganz beim Kreml, als wäre der Kampf nur von ihm offensiv geführt worden. China wurde in einem mächtigen Ansturm der roten Armee Mao Tse Tungs für den Kommunismus erobert, Immer schneller wurd der Siegeslaufs Ende April fiel Nakig, Anfang Juni wurde Schanghai besetzt. Zwei Monate später war fast ein Drittel des chinesischen Staatsgebietes unter kommunistische f Kontrolle. Ina Oktober wurde Tschiaag Kai Shöks Hauptstadt Kantou erobert. Er verlegte Regierung und Hauptquartier nach Tschungkihg, jener Stadt in Szetschuan, von der aus ef den Widerstand gegen die lapaner lange Jahre geleitet harte. Anfang Dezember endlich mußte er auch diese seine letzte Hauptstadt aufgeben und sich nach der lese! Fortncsa zurückziehen. Seitdem beschränkt SJ€ü sda Kampf gegen Rotchina auf eine Blockade der chinesischen Häfea darch die nationalchinesische Flotte. Ob er diesen Widerstand ohne Be UnterStützung der USA, ja gegen den Willen der festmachte, die die Blockade für völkerrechtfach ungesetzlich erklärt haben, lange wird fortsetzen können, dürfte zweifelhaft sein. Gerechte, daß die USA versuchen werden, Formosa, dos in Jalta der Regierung Tschiaug Kai Sheks zugesprothen worden war, Jktrch Vertrag zu erwerben und zu einem militärischen Stützpunkt auszubauen oder aber einer UNO Treuhänderschalt z unterstellen, klingen sehr unwahrscheinlich, Washington wird vermutlich nichts unternehmen, was den ausgeprägten Nationalismus der Chinesen, der sich wiader in einem starken Fremdenhaß äußert, noch veiter reizen könnte. Ein solches Verfahren ände jedenfalls ia völligem Gegensatz z der sonstigen asiatische Politik des State Department. So dürfte der Widerstand Tschiaag Kai Sheks bald bedeutungslos werden, Der Marschall hatte Buch im Sommer versucht, seine militänsche_Position durch ein politisches Bündnis au verstärken. Mit dem Präsidenten der Philippinen, Qumno, und dem Präsidenten von Südkorea, Syngman Rbee, hatte er Besprechungen geführtem dem Ziel, als Gegenstück zum Atlantikpakt einen antikommunistischea Pazifikpakt zu propagieren, Doch gaben sogleich Staatssekretär Acheson für die USA wie Pandit Nehru für Isadien zo erkennen, sie hätten an einem solchen Projekt kein Interesse, die USA, weil sie ihr Ansehen nicht einbißsn wollten, Vorkämpfer des Selbstbestnnmungsrechtes für die asiatischen Völker au sein, Paadit Nehru, weil es Grundsatz seiner Politik ist, Asien den Asiaten vorzubehalten und in Fragen asiatisch Politik die Westmächte soweit wie möglich auszuschalten. Damit war diese diplomatische Aktion Tschiang Kai Sheks gescheitert, Den letzten Versuch, wenigstens die Anerkennung von Mao Tse Tung zu verhindern, ließ der Marschall dann noch auf der Tagung der UNOVollversammlung im Dezember dar A seinen Delegierten unternahmen. Die Anwesenden hörten sich die Anklagen, in denen Material zusammengetragen war über das Eingreifen russisch Plugzeuge und rassischer Artillerie in die Schlachten des Bürgerkrieg, schweigend an und verwiesen den Antrag zur weiteren Behandlung an das Ständige Koiahee, das aber bekanntlich von der Sowjetunion ignoriert wird. Eine bindend Zusage, daß der Westen Mao Tse Tuwgaicfat anerkennen werde, korinte dr Delegierte nicht erreichen. Welch ein Weg von der Konferenz in Kai, auf der Churchill und Rooseveit ihre Poli " tik mit Marschall Tschiang Kai Shek abstimmten, bevor sie zu ihren Gesprächen mit Stalin ach Teheran weiterreisten, bis 20 diesem Ende! Der Führer der Kommunistischen Partej Chinas, Mao Tse Tung, ist Jetzt unbestritten Herrscher über das chinesische Reich. Die allgemeine, Anerkennung meines Regimes r— and zwar nicht u? wuf sich warten lassen. Burma ist als erster nicht kommunistische; Staat bereits vorangegangen. Das britische Commonwealth wird die Frage in den nächsten Wochen auf der Konferenz in CoIpmbo erörtern und zweifellos im positiven Sinne ntscheiden, Zu grpß sind- immer noch d ie Vermögenswerte Englands in China, von denen es durch eine rechtzeitge Anerkennung einige 2 fetten hofft. Auch drängt Pandit Nehm 2u einer Politik der Anerkennung, weil es Angelegenheit läer asiatischen Völker und nicht die des Westens tei, die Regierungsf orm zu bestimmen, unter, der, sie leben wollen. Auch Washington dürfte kaum lange zögern. Das State Department hat bisher äwar erklärt, man habe in cBeser Präge noch keinen Entschluß gefaßt, doch deuten die Besprechungen, die Sonderbotschafter Jessup demnächst mit den amerikanischen Diplomaten des Pernen Ostens in Bangkok abhalten soll, darauf; fein, daß man dk Entscheidung, nicht mehr lange wfschiebea wird. Nur Frankreich hat bisher eine deutliche Abneigung gezeigt, das kommunistisch Regime in China anzuerkennen mit Rücksicht auf üe immer noch andauernden Kämpfe in Französisch Indochka, atn also den eigenen kommtf istischen Aufständischen in Vietnam nicht moralisch den Rücken zu stärken, Dam aber ist die Frage aufgeworfen, wie überhaupt der ßoraae Machtzüwachs des Kommunismus sich auf die asiatischen Völker auswirken wird.

Drei Länder, die im Südosten Asims an China grenzen, sind einem vordringenden Kommunismus gegenüber gefährdet; Französisch Indochina, Thailand and Burma. Im Norden ladochiaas, in Vietnam, ist der Aufstand, gegen den die französischen Truppen seit drei Jahren vergeblich ankämpfen, noch immer in vollem Gaige, Die ursprünglich in erster Linie nationalistisch eingestellten Insurgenten sind unter der Führung des in M oska geschulten Ho Shi Minh völlig radikalisiert worden und ins kommunistische Fahrwasser geraten Dk Ernennung des früherer. Kaisers von Annam, Bao Dai, zum Ministerpräsidenten Deines vergrößerten Vietnam hat ebensowenig beruhigend gewirkt wie die Ausrufung eines unabhängige! indochinesischen Staates innerhalb des französischen Empire. Als Maos Truppen üe nördliche Grenze von Vktnam erreichten und damit die Verbindung mit den aufständischen Kräften her stellten, war in Paris die Besorgnis groß, die rotchinesischen Soldaten könnten die Grenze überschreiten und in Vietnam einfallen, was zu sehr ernsten internationalen Verwicklungen hätte führen müssen. Doch ist dies nicht geschehen. Die Streitkräfte haben sich korrekt verhalten. Es kann aber kein Zweifel sein, daß die Aufständischen haben werden — sie hatten ihn bisher allerdings aaich bei den Nationalchinesen geaaJbt, IBJ Ge= biet der Kolonialmächte gehen eben Kommunismus und Nationalismus im Kampf gegen die westlichen Unterdrücker Hand in Hind. Stärker noch gefährdet als ladochiaa ist Burma, Die Regierang des milde sozialistischen Thafcin Nu ist außerordentlich sdwa ch. Gegen sie besteht eine sehr bunt zusammengesetzte kampflustige Opposition. Zu ihr gehören Mitglieder der kriegerischen Karenstämme, die eine eigene primitive Kultur haben, eine eigene Sprache sprechen und atrf Unabhängikeit dängen; doch ist dieses Begehren schwer zu erfüllen, da sie kein geschlossenes Siedlungsgebiet bewohnen, Ferne gehören dieser Opposition marodierende Räuberaaden an s die ein Erbteil des großen Krieges sind, sowie endlich auch die burmesischen Kommunisten. Infolgedessen reicht die Gewalt der Regiefang nicht weie über die größeren Städte 1hinaus, und auf dem Lande herrscht praktisch TÖllige Gesetzlosigkeit.

Das dritte der angrenzenden Länder im Südosten ist Thailand, Sein Ministerpräsident, der rechtsstehende, energische Pibul Songgram, der während des Krieges mit den Japanern zusammenarbeitete, hält das Land unter strenger Kontrolle. Seine Hauptstadt Bangkok ist jedoch zugleich der Sitz des asiatischen Kominform, und drei Millionen von den "17 Millionen Einwohnern sind eingewanderte Chinesen. Sie bilden das aktivste Element in der Bevölkerung and könnten, wenn sie sich für Rotchina entschließen sollten, leicht einen Aufstand gegen die heutige Regierung erregen, Zu einem Gefahrenherd könnte schließlich auch Korea werden. Der industrielle Norden, das Gebiet nördlich jenes 50. Breitengrades, der dt Insel in zwei Teile zerschneidet, das ehemals von dn Russen besetzte Gebiet also, steht heute bereits unter kommunistischer Herrschaft. Der in erster Linie landwirtschaftlich genutzte Süden wird — nicht unbedingt nach demokratischen Regeln — regiert von dem reaktionär kapitalistischen Syngman Rhee, dessen hartes Regiment nicht sonderlich populär ist. Die sowjetrussische Besatzung hat ihre Zone nicht eher verlassen , bevor sie nicht eine kommunistisch geschulte und geleitete Trappe ausgebildet hat. Grenzzwischenfälle zwischen Norden und Süden sind seitdem an der Tagesordnung, Doch haben auch die Amerikaner im Süden eine koreanische Armee aasgebildet und bewaffnet, der es bisher gelungen Ist, einfallende nördliche Verbände zurückzuschlagen und auch komnrunistische Aufstände im Süden zu unterdrücken, Per nordkoreanisdie Staat hat nun kürzlich in entern Schreiben an die UNO gedroht, die "beiden Teile Koreas aus eigener Kraft 20 vereinig?", und hat damit offiziell kundgetan, daß er nicht gewillt sei, den Plan, ganz Korea komirrarmusch zu machen, aufzugeben. Daß hierb i Moskau und Peking leicht eine hilfreiche Hand leihen köimen, ergibt sich aus der geographischen Lage Koreas.

Di Kraft des Kommunismus in Asien ist beute bereits gewaltig, Sowjetrußland) das immer mehr zu einem asiatischen Staat wird, zählt rund 200 Millionen Einwohner. Stalin hat jetzt in Mao Tse Tung einen jüngeren Partner gewonnen, dem 450 Millionen Chinesen gehorchen. Würde s dem Kommunismus gelingen, auch die drei gefährdeten südöstliches ! Staaten Asiens, Burma Thailand and Französisch Indodhina, zu erobern , so würden EU dieser riesigen Bevölkerungszahl och weitere 61 Millionen hinzukommen und weitere Länder, die trotz der Dichte ihrer Bevölkerung vor dem Krieg einen agrarischen Oberschuß hatten und die wichtige Rohstoffe bergen. Das politische Reservoir, au dem die Sowjets bei einer möglichen Eroberung oder Durchdringung dieser Länder schöpfen können , sind soziales Elend, resultierend aus Mißwirtschaft und Krieg, und feindliche Gefühle gegen cfen Westen. Die Erinnerung an eine generationenlange Ausbeutung mk kolonialen Methoden hat Haß und Nationalismus gezüchtet. Gepaart mit der Armut der Bevölkerung; sind diese Gefühle die besten Schrittwacher für den Siegesmarsch des Kommunismus.

Man hat also allen Grund, die Bedrohung Südostasiens durch den Kommunismus ernst z nehmen. Aber sieht man von Korea ab und schließlich von Tibet, dessen zwölfjähriger Pantschen Lama Chinas Herrscher Mao Tse Tung gebeten hat, das — ihm im übrigen gar nicht unterstehende — Land zu befreien, so dürfte hiermit auch, auf absehbare Zeit jedenfalls, die Grenze gesetzt sein, die einer Ausbreitung des Kommunismus in Asien gezogen ist. Denn um 4iese asiatischen Staaten zieht sich eine Kette anderer, die dem Einfbfi des Kommunismus entzogen sind, Diese Kette, die von Japan ober die Philippinen, Indien, Pakistan, Iran bis zur Türkei reichts hatte bisher ein schwaches GHedä Indonesien.

s