m Juli 1947 erschien in der amerikanischen Vierteljahresschrift "Foreign Affäirs" unter der Überschrift "The Sources of Soviel Conduct" der Aufsatz eines Mr. X, der für eine unnachgiebige "Politik des Eindämmens" gegenüber den sowjetischen Expansionstendenzen eintrat "Es ist klar", so hieß es damals, "daß die USA nicht annehmen können, sich in absehbarer Zeit enger politischer Beziehungen zur Sowjetunion zu erfreuen. Die Vereinigten Staaten müssen die Sowjetunion weiterhin als Rivalen, nicht als Partner in der politischen Arena betrachten" —. Zweieinhalb Jahr später, während der Kalte Krieg auf Rednertribünen und in Schlagzeilen scheinbar immer schärfere Formen annimmt, legt jener Mr. X seinen Posten als Generalstabschef der amerikanischen Außenpolitik nieder. Am schen Planungsabteilutig im State Department, George Frost Kennan offiziell zurücktreten. Die 1 ftombinationett über eirien Kurswechsel dei amerikanischen Außenpolitik haben neue Nahrung erhalten.

Es war seit Ende des zweiten Weltkrieges Immer deutlicher geworden, daß der amerikanische Außenminister unmöglich alle laufenden Arbeiten erledigen und außerdem noch eine Politik auf lange Sicht entwerfen konnte. Aus dieser Erkeantnis heraus rief Marshall 1947 den poIky planning board ins Leben. Er sollte eine lang term policy ausarbeiten. Es galt — ohne sich den Blick durch die Ereignisse der Tagespolitik trüben zu lassen —, die unzähligen n , zusammenhängenden Geschehnisse der Politik 7 Mosaik zusammenusftrai, um daraus — ohne zu akademisch zu werden — mit Hilfe des Philosophie so gut wie der Statistik Pläne von weltweitem Ausmaß zu formulieren. Die "Planer" in ihren schalldichten Zimmern des fünften Stocks wurden zum "brain tm" des State Department. An ihrer Spitze stand, von Anfang an bis beute, George F. Kennan.

So bildete der erst Fünfundvierzigjährige — der dennoch auf nahezu ein Vierteljahrhundert diplomatischer Tätigkeit zurückblicken kann — zusammen mit dem jeweiligen Außenminister und dessen Unterstaatssekretär die "DreierHierarchie des State Department, Seit jeher : liebte er es, anonym zu bleiben; stets scheint er. praktisch und philosophisch zugleich zu denken, Seine Logik ist brillant, seine Konzeption glasklar. Er glaubt, auf Grund einer seltenen. Kenntnis der sowjetischen Mentalität, deren. Funda s ment er während eines siebenjährigen Aufenthaltes in. Rußland gelegt hat, an einen. Erfolg dej amerikanischen Politik nur dann, wenn sie dem Kreml mit "unverrückbarem Gegendruck" begegnet "Dafürhalt er "die Bildung" einer engen englisch amerikanischen Union und den- Vorrang des Wiederaufbaus Deutschlands in Europa für unbedingt notwendige Voraussetzungen. Nun legt dieser "Chef Planer" seia Amt nieder, um, wie verlautet, sich an Stelle des kleinen Regierungsgehaltes ein größeres privates Einkommen zu sichern, sich historischen und literarischen Studien zu widmen und um im Rahmen seiner zunächst noch beibehaltenen Funktion als Bester Achesons die Möglichkeiten der Beilegung der Kolonialdifferenzen zwischeo den Westmädhten zu untersuchen. Diese Begründung für Kennans Rücktritt klingt so diplomatisch wie das bei Diplomaten Demissionen anscheinend ssln muß. Er der die Politik mit der Leidenschaft des: Geiste betreibt, wird nicht seinem. Bankkonto und wissenschaftlichen Arbeiten zuliebe auf das große Spiel verzichten. Und Acheson hätte auf die in Zukunft zweifellos eine große Rolle spielende Kolottialfrage bestimmt nichtausgerechnet und kurzfristig den versiertesten Sowjetexperten Washingtons angesetzt, wenn ei mit dessen KURS wirklich restlos einverstanden wäre. Man darf vielmehr als sicher annehmen, daß der für Jutii nächsten Jahres angekündigte mehrmonatige Urlaub Kennans den Schlußstrich untei seine Beteiligung an der gegenwärtigen Phase der amerikanischen Weltpolitikziehen wird.

Kennans Nachfolger als Leiter der Planungsabtetlnng wurde sein ehemaliger Wirtschaftssachvefständiger Paul Nitze. Wer Jedoch seinen Platz als "einflußreichste Persönlichkeit im StateDepartement" rmiehmea wird, ist noch nicht sicher. Vieles spricht für Professor Philip Jessup, Mit anderen Worten: An dteSteüe eines Mannes, der für die Politik" der Unnachgieblgksit plädierte, wird eventuell ein Diplomat treten, den seine Erfahrungen und — fraglosen — Erfolge auf dem Gebiet der ost westlichen Veimittktngsaktiocea ?u einem Exponenten des Ausgleichs "haben 1