Das erste, was die zurückgekehrten Keßler in Angriff nahmen, war die Wiederherrichtung ihrer Häuser und Gärten. Überall wird seitdem gehämmert und geklopft. Leider sind viele Wohnungen nach der Freigabe durch die Franzosen nicht immer in einem bezugsfertigen Zustand. Das Mobiliar fehlt oft vollkommen. Fenster müssen eingesetzt und Fußböden erneuert werden. Die paar Schränke und Stühle, die inzwischen wieder angeschafft wurden, stehen solange auf der Straße. „Von Kehl ist es noch weit bis Straßburg“, meint einer der Rückkehrer, „hier spürt man noch wenig von dem Geist, der alle Europäer unter einen Hut bringen soll!“ Aber so ist es nicht immer. Ein anderer Kehler fand seine Wohnung sauber und aufgeräumt vor. Auf einem Zettel bedankte sich der französische Vorgänger für das gewährte Obdach.

Die Freigabe Kehls hat sich indessen nicht so schnell durchführen lassen, wie viele es erwartet hatten. Die Schwierigkeiten waren zu groß. Von der für das Jahr 1949 vorgesehenen Quote wurde kaum ein Drittel erreicht. Je nachdem für die französische Bevölkerung Wohnraum geschaffen werden kann, geht die Räumung vor sich. Es ist eine nahezu „frontgerechte“ Absetzbewegung, die sich in Kehl vollzieht, wobei jene Wohnungen, die im Zentrum der Stadt frei werden, weil ihre Besitzer nach Frankreich abwandern, von denjenigen Franzosen bezogen werden, die aus den Wohngebieten an der Peripherie zurückgezogen werden. Wie lange dieser Prozeß noch in Anspruch nehmen wird, kann nicht vorausgesagt werden. Ein Kehler sagte: „Vielleicht Jahre...“

Im „deutschen Kehl“ ist man also an die Arbeit gegangen. Im Verhältnis zu der geringen Ausdehnung des freigegebenen Gebietes ist die Bautätigkeit enorm. Inzwischen bereiten der Landrat des Kreises Kehl, der in Renchen residiert; die Gemeindeverwaltung und der Pfarrer, die in dem Vorort Sundheim untergebracht waren, ihre Übersiedlung vor. Neben, der Kirche, die wiederhergestellt werden soll, steht die ehemalige Luftschutzschule, die das Bürgermeisteramt aufnehmen wird. Kurz, man hat wieder Hoffnung.