DIE ZEIT

Das geht zu weit

Im Dritten Reich war es üblich, aus Mangel an Zivilcourage, Kritik in der Weise an den Mann zu bringen, daß es hieß: ich habe dies oder das in der Bahn gehört.

Die Konferenz von Colombo

Die Konferenz von Colombo, zu der die Außenminister des britischen Commonwealth in der vergangenen Wo ehe zusammengekommen waren, ist mit einer Resolution abgeschlossen worden, in der zwar von den Problemen des Fernen Ostens ganz allgemein und von denen der südasiatischen Staaten im besonderen die Rede ist, in der aber das Wort China nicht vorkommt.

Schuman in Deutschland

Der französische Außenminister Robert Schuman war zu Besuch bei der Deutschen Bundesrepublik. Er kam, um uns zu informieren und um durch uns informiert zu werden, zu einem Meinungsaustausch also und nicht zu Verhandlungen.

Und Pieck schweigt...

Behutsam und andeutungsweise beginnen die Regierungsstellen der „Deutschen Demokratischen Republik“ uns darauf vorzubereiten, daß die Rückführung der Kriegsgefangenen und Verschleppten aus Sowjetrußland ihrem Ende entgegengehe.

Gesetzlicher Mord

Daß die Sowjetunion die Todesstrafe wieder eingeführt hat, ist charakteristisch für das Land des roten Terrors. Im Mai 1947 war sie abgeschafft worden, und weithin hatten Stalins Propagandisten diesen „fortschrittlichen Beweis humaner Gesinnung“ verkündet.

Wie wird der Engländer wählen?

Es wird oft vom Engländer behauptet, er stimme bei Wahlen nicht für, sondern gegen etwas. Allerdings muß man schon sehr genau hinhören, um den Unterschied zwischen alltäglichem Mißmut und grundsätzlicher Ablehnung zu erkennen.

Geheimnis der Wasserstoffbombe

No comment!“ – Kein Kommentar! Mit diesen Worten brach der sonst so zugängliche Präsident Truman kürzlich eine Pressekonferenz im Weißen Haus jäh ab.

Giuseppe Saragat

Das sechste Kabinett de Gasperi wird in wenigen Tagen sein offizielles Debüt auf der weltpolitischen Bühne geben, ohne sich wesentlich von seinen Vorgängern zu unterscheiden.

DIE WOCHE

Die kommunistische Regierung Chinas Beschlag nahmte das Gebäude des amerikanischen Generalkonsulats in Peking. Das State Department hat gegen diese Maßnahme Protest eingelegt und die Abberufung des gesamten offiziellen amerikanischen Personals aus Rot-China angeordnet.

Abschied und kein Aufwiedersehen

Alexander Marai war als Journalist in seiner ungarischen Heimat ebenso bekannt, wie er in ganz Europa als Romanautor und Essayist beliebt ist.

Der Südweststaat

Die Stellungnahme Frankreichs zur Frage der Südweststaates wurde durch die Äußerungen des französischen Außenministers in Bonn zum erstenmal klar und genau abgegrenzt.

Wo die Liebe noch regiert

In einem Augenblick, da die Kunde von einem geplanten „Schund- und Schmutzgesetz“ im Bereich der Deutschen Bundesrepublik Diskussionen hervorruft, ist ein Blick auf Frankreich interessant.

Zweierlei Sowjetpolitik

Seit sich die Pieck-Regierung mit dem von Gerhart Eisler gelenkten „Amt für Informationen“ ein eigenes Propagandaministerium geschaffen hat, werden die Phasen der Sowjetisierung der Ostzone deutlicher als zuvor.

Kultur in Görlitz

Daß das Kulturleben im deutschen Osten keineswegs so einseitig „ausgerichtet“ ist, wie man sich das im Westen vielfach vorstellt, daß es sich vielmehr durchaus farbig zu entfalten vermag, das zeigt vielleicht am besten ein Blick in die Neißestadt Görlitz.

Neue Musik in Wien

Gemessen an der Vielzahl der Konzerte – man zählte in der ersten – Wiener Saisonhälfte allein fünfzehn Orchesterkonzerte innerhalb vier Wochen mit allerdings nur sieben verschiedenen Programmen – ist der Ertrag an neuer Musik gering, wenngleich, absolut gesehen, noch immer beachtenswert.

Polonisierung jenseits der Oder

Das tatkräftigste und wirkungsvollste Instrument polnischer Kulturpolitik ist heute der schon im Jahre 1922 ins Leben gerufene „Polnische Westverband“.

Notizen

Die Kunstwerke der ehemaligen deutschen Botschaft werden jetzt in Rom versteigert. Die Einrichtung des Botschaftsgebäudes, der Villa Wolkonsky, war nach der Besetzung Roms als feindliches Eigentum beschlagnahmt worden.

Protest als Prophylaxe

Das Schund- und Schmutzgesetz des Ministers Külz hat dem Ansehen der Weimarer Republik nicht genützt. Weniger deswegen, weil es ein schlechtes Gesetz war oder weil es schikanös gehandhabt wurde, sondern eher deswegen, weil man, nachdem es einmal verkündet war, nichts mehr von ihm hörte.

Philosophie der Furcht

Deutsche Philosophen sollten wissen, daß Mut die Mitte ist zwischen Verwegenheit und übergroßer Vorsicht. Sie scheinen aber, wie ein Beschluß der letzten Wochen beweist, über den Anwendungsbereich des Mutes seltsame Auffassungen zu haben.

André Gide im Service der Zenta

Ich glaube nicht, daß in den anspruchsvollenCafe-Hallen, die so aussehen wie mehrere kombinierte Sitzecken aus den neuen Ministerbüros, klügere und nettere Dinge gesagt werden als in den traulichen Kaffee-Buden, wo die Kellnerin Zenta heißt und das Spucken auf den Boden ausdrücklich verboten werden muß.

Johann Sebastian – der immer gültige Maßstab

Vor zweihundert Jahren, am 28. Juli 1750, starb zu Leipzig ein Musiker, der sehr viel mehr als nur der bedeutendste dortige Thomaskantor gewesen ist: der herrlichste Organist aller Nationen, und als Tonsetzer einer der größten aller Epochen, vielleicht oder sogar wahrscheinlich der mächtigste überhaupt.

Dirigenten-Wettkampf

In Hamburg, wo die Stelle des Generalmusikdirektors immer noch vakant ist, hat man, wie man hört, das Mittel jetzt gefunden, die Dirigentenfrage zu lösen: Joseph Keilberth und Fritz Rieger, die in den Konzerten dieses milden Winters offenbar am besten abschnitten, sollen in der kommenden Saison sich in die Leitung des Philharmonischen Orchesters teilen.

Wunderkind Jean-Paul Sartre

Unter den Briefen an den französischen Komödiendichter Georges Courteline, die dessen Witwe einem Pariser Schriftsteller zur Veröffentlichung übergab, hat sich ein Brief vom 6.

Das Liebesgeheimnis der Mamocica

Der Verfasser dieser Erzählung – Radu Tudoran – gehört zur jungen rumänischen Schriftstellergeneration (geboren 1911). In Deutschland wurde er durch seinen Roman „Ein Hafen im Osten“ bekannt.

Nicht Grünewald-aber wer?

In der Nähe von Marburg wurden in der Abfallgrubeeines Hauses Handzeichnungen gefunden, die der Finder, Kunstmaler Brinckmann, und der erste wissenschaftliche Prüfer, Professor Kippenberger vom Marburger Museum, für Arbeiten des großen Malers Matthis Nithardt-Gothardt, genannt Grünewald, halten, da Beziehungen zu dessen Werk und Art offensichtlich vorliegen.

Das Land, wo man’s ernst nimmt

Auf einer Autofahrt in Nordindien fragt der Hinduchauffeur den deutschen Indologen Helmuth von Glasenapp, ob es wahr sei, daß man in Deutschland die Bhagavad Gita lese.

Kurs-Strategie

Die Paritäten sind nach wie vor starr – wenn auch auf niedrigerer Ebene als vor der Abwertung, Die Devisenkontrollsysteme nehmen ihnen jede Eigenbeweglichkeit und Eigengesetzlichkeit.

Kreislaufstörungen

Der Europamarkt der 275 Millionen Verbraucher und Erzeuger wird kommen, Man würde die Amerikaner schlecht kennen, traute man ihnen nicht zu, dieses Nah- und Teilziel des Marshall-Plans durchzusetzen.

Europa-Devise auch für Deutschland?

Wenn die Verwandlung Westeuropas in einen „Binnenmarkt“ (das wesentliche Ziel der Marshall-Hilfe) erreicht werden soll, so gehört dazu auch eine einheitliche Binnen-Währung.

Gesetz 75 „auf deutsch“

Der „Economist“ meint: „Die Bestimmungen des Gesetzes Nr. 75 werden unter Umständen niemals durchgeführt werden“ (Ausgabe vom 7.

Ruhrbehörde wird aktiviert

Über die zu Anfang dieses Jahres in Frankfurt geführten Besprechungen der Alliierten zu Fragen der Ruhrkontrolle und der Eisen- und Stahlindustrie ist bisher offiziell nicht viel gesagt worden.

Bunte Wände

In Zusammenarbeit des Bauhauses in Dessau mit der Hannoverschen Tapetenfabrik Gebr. Rasch & Co., Bramsche waren im Jahr 1928 die Bauhaustapeten entwickelt worden, die sich schnell durchsetzten, Die zurückhaltende und trotzdem moderne Musterung erreichte es, daß die Bauhaustapete auch nach der im Jahre 1933 beginnenden Verfemung des Bauhauses den führenden Platz nicht verlor! Auf der Kölner Werkbund-Schau und anderen Ausstellungen wurden der deutschen Öffentlichkeit nun zum erstenmal Figurinen-Tapeten gezeigt, die ihre Entstehung amerikanischen Einflüssen verdanken.

Wir essen mehr Fisch

Für NV c cdeut b l n u s Fiwu schah und die Hocbstefischer war 1949 em Jahr bedeutsamer Veianderungen.

Weitere Reise-Abkommen

Kürzlich tagten die Hoteliers aller westdeutschen Länder einschließlich Berlins in Köln und gründeten die in dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband e.

Wenn Geld neutral wäre...

Gegensätze ziehen sich an – es kommt selten vor, aber hier ist es einmal der Fall. Professor Erhard (mit seiner komplexen Auffassung von der Wirtschaft) hat sich mit Max Hielscher (dem in Geldneuordnungsdingen sehr temperamentvollen Münchner Stadtkämmerer freiheitlich-sozialistischer Schule) und Max Schönwandt (dem eigenwilligen Schriftsteller-Geldpraktiker mehr betriebswirtschaftlicher denn volkswirtschaftlicher Prägung) verbündet.

Neuer Start bei Opel

Die Adam Opel AG. setzte nunmehr hinter die vielen Gerüchte über ein neues Wagenmodell einen Schlußpunkt und vor die Augen der Öffentlichkeit den fertigen Wagen, Olympia 1950 heißt er, setzt also die Tradition des 1935 herausgekommenen ersten Olympia-Wagens fort der allein eine Auflage von mehr als 80 000 Fahrzeugen erlebte.

HO hinkt nach

Die„sozialeGeldreform“ vom Sommer 1948 einerseits und die dadurch zusammengebrochene „Schnapspolitik“ der Sowjets anderseits hatten die Voraussetzung zur Schaffung der sowjetdeutschen HO (liess Handelsorganisation) gebildet, die eine Verbesserung der Versorgung für die „werktätigen Massen“ garantieren sollte Daß ihre astronomischen Oberpreise noch heutedie sowjetischen Besatzungskosten sichern, weiß inzwischen jedes Kind.

UKW-Vorbereitungen

Einer sehr, dankenswerten Aufgabe hat sich die „Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Rundfunk-Wirtschaft“ unterzogen: zur Unterrichtung der Hörer über den neuesten Stand der Rundfunktechnik, über Wellenpläne und die in Vorbereitung befindlichen Ultrakurzwellensendungen läßt sie in Westdeutschland ein nicht nur für Fachkreise interessantes Vortragsprogramm durchführen.

Die unsterbliche Verschwörung

In den Überlegungen darüber, ob sich das Tito-Regime werde halten oder nicht, werden meist nur die außenpolitischen Elemente, nämlich der Konflikt mit der Sowjetunion und die Unterstützung des Westens beachtet; die Spannung der Inneren Kräfte Jugoslawiens beachtet man hingegen kaum.

Am Vidov-Tag in Sarajewo

Gavrilo Princip, ein Kleinbauernsohn aus dem bosnischen Dorf Grachowa, war ein stiller, fast scheuer Mann. Ich sah ihn nur selten.

Der Königsmord im Konak

Man fand ihn blutüberströmt mit mehreren Schußwunden an der gesprengten Tür liegen. Die Morgendämmerung, der Feind jeder Verschwörung, begann heraufzuziehen und das Chaos in den Zimmern des Schlosses zu erhellen, als ein Paar grobe Küste den Bewußtlosen ins Leben zurückrüttelten: „Der König ist geflüchtet, wir sind verloren“, riefen mehrere Stimmen auf Apis ein.

Die Sorgen der unverehelichten Mutter

Dies ist immer noch ein heikles Thema: das Recht der unverehelichten Frau auf Kinder. Vilma Sturm spricht hier aus eigenem Erleben, gebührend hoffnungsvoll und gebührend skeptisch, zugleich in aller Offenheit aus, was viele bewegt.

Aus dem Harem in die Politik

Stimmrecht für die Frau und Verbesserung der häuslichen Lebenshaltung sind die zwei wichtigsten Ziele der neuen Bint-el-Nil-(Tochter-des-Nils-)Partei, der ersten Frauenrechtlerinnenpartei in Ägypten und im Nahen Osten.

Der Stein am Bein

Großes Aufsehen erregt neuerdings der schwedische Arzt Dr. Henrik Vorträge der in vielen Teilen Skandinaviens Vorträge über die psychologischen Probleme und die seelischen Schwierigkeiten unserer Zeit hielt und dies alles auf eine prägnante, leicht verständliche Formel brachte: Schuld daran ist nur die Frau.

Eherecht und Ehetragik

Die hohe Zahl der Scheidungen zeigt, daß die ehelichen Bindungen gelockert sind. Dies läßt sich sowohl auf die schwierigen Verhältnisse der Nachkriegszeit als auch auf ein charakterliches Versagen der Menschen zurückführen.

S’il vous plait

Als vor gut fünfzehn Jahren auf einem Fest in Paris der Wein ausging und man (es war schon nach Mitternacht) trotz vieler Mühen keinen neuen heranschaffen konnte, beschlossen die Festteilnehmer, eine Einrichtung zu schaffen, die in solchen Gelegenheiten den Menschen aus der Verlegenheit hilft.

Die Mädchen aus der Todeszelle

Morgens um halb sieben standen, vom Regen ganz durchweicht, zwei Mädchen vor meiner Haustür, die ich bisher nur als Nummer neun und zehn kannte.

Schiffspassagen für D-Mark

Mehr als bescheiden sind die Fortschritte, die die zerschlagene deutsche Seeschiffahrt im Jahre 1949 machen konnte. Hier und da wurden einige gesunkene Schiffe (um das Wort „Schiffchen“ zu vermeiden) gehoben, repariert und wieder in den Dienst gestellt.

Zur Kenntnis genommen

Tiefsee-Expedition. Der junge dänische Wissenschaftler Niels Arley – er arbeitet im Institut für Atomforschung in Kopenhagen – verhandelt zur Zeit mit britischen und schwedischen Firmen über die Herstellung einer besonders druckfesten Metallkugel, die, mit Instrumenten versehen, in die Tiefsee hinabgelassen werden soll.

Sanierung der Rentenversicherung

In dem folgenden Aufsatz, dem noch zwei weitere Artikel des gleichen Verfassers folgen werden, beginnt Dr. Wolfgang Sachs (Düsseldorf) eine kritische Untersuchung über die Lage der gesetzlichen Rentenversicherung.

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