DIE ZEIT

Zur Kenntnis genommen

Ohne richterlichen Haftbefehl. Enteignete und in die Westzonen geflüchtete Kaufleute berichten, daß in der Sowjetzone sogenannte Justiz arbeitslager eingerichtet wurden, in denen wegen Wirtschaftsvergehen verurteilte Betriebsunternehmer ihre Haft verbüßen müssen.

Bekennende Kirche

Es gibt in Berlin keine Deutschen mehr“, sagte Pastor Niemöller in einer Predigt in Wiesbaden am letzten Sonntag, „es gibt nur Amerikaner und Russen, und wer sich nicht zu den Amerikanern bekennt, gilt als Russe.

Briefgeheimnis

Eine Farmersfrau aus Ostafrika erzählt, ihr habe sich beim Eintritt in die Küche ein sonderbares Bild geboten: Da saß der Hausboy auf einer Kiste, hielt sich die Ohren zu, und las stockend aus einem Stück Papier vor, das auf seinen Knien lag.

Getreidepreis muß steigen

Liberalisierung von Wirtschaft und Handel,des ist der wirtschaftspolitische Schlachtruf der Bonner Regierung. Und niemand kann objektiv bestreiten, daß das System des freien Wettbewerbs viele, bisher selig schlummernde Kräfte wachgerüttelt hat.

Noch einmal: Die Saar

Daß der Versuch, zwischen Frankreich und Deutschland ein europäisches Gespräch auf gleicher Basis und mit dem gleichen Willen zur Verständigung zustande zu bringen, in seinen Anfängen – wir wollen hoffen: nicht in seinen Folgen – so offenbar mißglückte, sollte diejenigen nicht entmutigen, die in einer Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland die einzige Möglichkeit sehen, Europa gegen den Ansturm des Bolschewismus zu verteidigen.

Wirrwarr in der Dekartellierung

Die Schweiz ist das kartellreichste Land in Europa. Diese Tatsache sollte all denen zu denken geben, die Kartelle grundsätzlich für machtpolitische, freiheitsfeindliche und letzten Endes undemokratische Institutionen halten.

DIE WOCHE

Der amerikanische Hohe Kommissar für Deutschland, John J. McCloy, traf zur Berichterstattung in Washington ein. Er hatte Besprechungen mit Präsident Truman und Außenminister Acheson, in denen sowohl die Saar als auch die deutsche Wiederaufrüstungsfrage eine bedeutende Rolle spielten.

Dumping in Urlaubsfreuden

Die Deutschen sind also doch nicht gekommen...“ Es klingt Sorge in dieser Feststellung mit, begreifliche Sorge, denn die österreichischen Gasthöfe und Berghotels hatten sich nicht ohne finanzielles Wagnis auf die Wintersaison 1950 vorbereitet.

Finnlands Staatschef

Juho Kusti Paasikivi ist ein sehr alter Mann, diesem Jahr wird er achtzig. Sein kurzgeschnittenes Haar, dessen Frisur an Hindenburg erinnert, hat die Farbe des Eises, seine Schultern sind gebeugt und seine Hände zittern.

Lenin und die nationale Front

Im „Neuen Deutschland“ dem Parteiorgan der SED, wird der 26. Todestag Lenins mit einem ausgedehnten Artikel von Anton Ackermann begangen: „Der Leninismus und die Nationale Front des demokratischen Deutschland“, Ackermann, der heute als Staatssekretär im ostzonalen Außenministerium den CDU-Außenminister Dertinger kontrolliert, ist mit Fred Oelsner der führende Theoretiker der sozialistischen Einheitspartei, Sein Fehltritt, der nach seiner hierorts üblichen Selbstbezichtigung darin besteht, daß er einige Zeit nach 1945 die Theorie vom jeweils „nationalen Wesen des Kommunismus“ vertreten hatte, hat sich heute in die erstaunliche Variation verwandelt, den Leninismus als die unmittelbare Quelle für den östlich-kommunistischen Propagandagedanken der „Nationalen Front“ zu preisen.

Sowjetische Invasion in Hamburg

Der „Hamburger Arbeitskreis für gesamtdeutsche Fragen“ hat im Hörsaal A der Universitzt zu Hamburg seinen ersten Vortragsabend organisiert.

Alte Oper umfrisiert

Für eine neue Oper eine Bühne zu gewinnen, ist heute so schwierig, daß man angesichts mancher hin und wieder doch noch stattfindenden Uraufführungen fragen muß: Warum werden Mühe, Material und Kosten nicht an wirklich Neues, sondern ausgerechnet an frische Aufgüsse bereits erprobter, nur vergessener Opernerfolge gewandt? Als vor einiger Zeit in Wuppertal eine Raimund-Oper (nach „Alpenkönig und Menschenfeind“) von Ottmar Gerster („Das verzauberte Ich“) auf die Bühne kam, machte Leo Blech (damals noch aus Schweden) in einer Zuschrift an „Die Zeit“ auf seine eigene Bearbeitung desselben Stoffes aufmerksam.

Die Häupter, nicht die Glieder

Wenn das Programm des Nordwestdeutschen Rundfunks auch nur halb so interessant wäre wie seine Skandale, dann könnten die Hörer zufrieden sein.

Jalta rächt sich

Die Opposition in den USA gegen die Ostasienpolitik der amerikanischen Regierung ist unerwartet stark und heftig. Um unseren Lesern einen Begriff von ihr zu geben, veröffentlichen wir den folgenden Artikel der bedeutenden amerikanischen Journalistin Dorothy Thompson.

Not in Südostasien

Südostasien braucht Lebensmittel und Kleidung in erster, Maschinen und technische Anleitung zu ihrer Verwendung in zweiter Linie.

Notizen

„Im Namen der Freiheit“ – ein Schauspiel von Arthur Müller – wurde mit dem Literaturpreis für das Jahr 1948/49 des Süd westdeutschen Autorenverbandes ausgezeichnet.

Odysseus im Kabarett

Wie es heißt, haben sich 108 Freier um Penelope beworben, Nicht viel weniger Autoren dürften es sein, die sich um eine künstlerische Neuformung der Heimkehr des Odysseus bemüht haben, Aber wie es den Freiern durchweg nicht um Penelope, sondern um die Ländereien ihres Gatten ging, haben wohl auch viele Dramatiker den Sagenreichen Stoff „bearbeitet“, um der eigenen Einfallsarmut aufzuhelfen.

Schutz vor Schmutz

Mit den Eumeniden in Giraudoux’ „Elektra“ haben die neuerdings stark ins Gerede gekommenen Druckwerke, die sich ja Wort und Bild der Pflege des Schmutzes oder zumindest des Schundes befleißigen, eines gemeinsam: sie wachsen vor unsern Augen ins Gigantische, Der Umsatz gewisser Magazine, schon vorher in Millionen-DM-Beträgen beziffert, habe sich, sagt man, verdoppelt oder gar verdreifacht, seit besorgte Leute so unvorsichtig waren, das Problem öffentlich zu besprechen, Im Rheinland soll sogar schon ein Plakat an irgendwelchen Verkaufsbuden gehißt worden sein mit der herausfordernden und schon im voraus triumphierenden Frage: „Wo bleibt es denn, das Schmutz- und Schundgesetz?“ Man sieht, die Wackeren, die mit so zweifelhaften Dingen Geschäfte machen, wissen die unbezahlte Reklame, die da für sie gemacht wurde, nach Gebühr zu schätzen.

Wahrheit in der Mitte

Toynbeebat gezeigt, daß „Herausforderung“ und „Antwort“ das Kräftespiel der Weltgeschichte bilden. Kein Zeitalter ist homogen; jedes kennt auch die „unzeitgemäße“ Gegenströmung.

Bündisches

Kein Rundfunkhörer hat es mehr nötig, unwillig in den Bart zu murmeln, wenn ihm eine Sendung mißfällt. Er braucht sich auch nicht mehr bei seinem Sender zu beschweren und über dessen höfliche Antworten zu ärgern.

Das Weltbild Albert Einsteins

Kopernikus entthronte die Erde und: setzte die Sonne in den Mittelpunkt der Welt. Welch einer Welt? Immer noch der endlichen, begrenzten Welt des Altertums, umschlossen von dem Gewölbe aus Kristall, an dem die Fixsterne wie Diamanten angeheftet sind.

Der Weg zurück

Leónidas Barletta, der bekannte und beliebte argentinische Autor, erhielt für eine seiner Kurzgeschichten den kubanischen „Hernàn-Catá-Preis“ 1947, die höchste Auszeichnung Lateinamerikas für diese Literaturgattung.

Lesen mit der Wünschelrute

Stellen Sie sich vor, Sie lesen den Roman einer weltbekannten Autorin, in dem es hoch hergeht. Ein aparter Seeräuber waltet in dem Herzen einer adligen Dame seines schlimmen Amtes, und es kommt zu einem wilden Kampfgetümmel um den Seeräuber.

Andacht vor Bildern

Franz Marcs Bilder sind nicht so sehr ‚Bilder‘ als bildnerische Gleichnisse eines Empfindungsraumes. Es ist der Empfindungsraum einer geistigen Religiosität, die in sich nicht christlich oder andersartig festgelegt ist, die vielmehr aus Mitleid und Mitfreude die religiöse Ebene des schicksalhaften Einverständnisses mit der Schöpfung im Akt des Schaffens gewinnt.

Das Neue zuerst

Hannover hatte ein großes künstlerisches Ereignis: das Landesmuseum (das frühere Provinzialmuseum) eröffnete wieder seine Abteilung neuerer Kunst von 1800 bis zur Gegenwart.

Der Mensch als Thema

Was der Mensch ist, sagen ihm seit alters her die Dichter. Am Anfang der abendländischen Geschichte steht Homer. Aber so alt wie die Dichtung ist auch der Verdacht gegen sie.

Heil im Unheil

Wer als Gesunder – auch wenn er Facharzt für Neurologie ist – Hirn verletzten gute Ratschläge gibt, setzt sich leicht dem Vorwurf aus, „er habe gut reden“.

Wiedersehen mit Büchern

Gerhart Hauptmann: „Die Insel der großen Mutter. Eine Geschichte aus dem utopischen Archipeligus“. Roman. 115. Tausend. 322 S.

Abschied vom Amt

Der ehemalige Generalsekretär des Zonenbeirates der britischen Zone, Dr. Weisser, scheidet als Ministerialdirektor des Finanzministeriums von Nordrhein-Westfalen aus.

Auch hier: rationalisieren!

Wir setzen im folgenden die Ausführungen von Dr. Sachs (Düsseldorf) zum Thema „Sanierung der Rentenversicherung“ fort, die wir in der letzten Ausgabe der „Zeit“ unter dieser Überschrift begonnen hatten.

Aus der Soforthilfe-Praxis

Von den Beteiligten sehnlichst erwartet, wurde nach monatelangen Erörterungen am 8. Aug. 1949 das Soforthilfegesetz (SHG) endlich verkündet, und die Ämter und Ausschüsse für Soforthilfe können nunmehr auf eine fast sechsmonatige Tätigkeit zurückblicken.

ECU-Sorgen

Vor der Auslandswissenschaftlichen Gesellschaft in Hamburg hat Vizekanzler Blücher knapp, klar und nicht ohne eine gewisse Tiefe die deutschen Sorgen bei der Gestaltung des Europa-Clearings (noch nicht Europa-Währung!) vorgetragen.

Frei von Tageseinflüssen

Die Diskussion über die zukünftige Stellung der Bundesbank (Art. 88 Grundgesetz) gewinnt an Umfang. Das ist zu begrüßen, denn ehe auf diesem Gebiete etwas geschieht, ist es wohl notwendig, die Problematik nach allen Seiten so zu ergründen, daß eine spätere Gesetzgebung nur die natürliche Konsequenz einer im Theoretischen bereits abgeschlossenen Klärung ist.

Liquidationsstop!

Im vergangenen Jahr sind in einzelnen lateinamerikanischen Ländern bemerkenswerte Erleichterungen für die beschlagnahmten deutschen Vermögen erfolgt.

Woll-Spitzenpreise

Nach 16 Jahren fand in Paderborn erstmals wieder eine freie Wollversteigerung statt. Angebot wie Nachfrage rechneten zwar mit Preisanstieg, das Resultat war aber doch überraschend: man bot und trieb die Preise bis zu Spitzen die der deutsche Wollhandel bisher nicht gekannt hat Die Auktion wurde somit ein Erfolg für die Schafzucht und brachte andererseits sichtliche Verstimmungen bei den Käufern.

Ausland verlangt Mercedes

Westdeutschlands Automobilindustrie ist auf dem 33..........................................................................

Der Mensch im Betrieb

Maschinen werden mit Sorgfalt beschafft und gepflegt – dasselbe, „nicht mehr, aber auch nicht weniger“ ist für die Menschen im Betrieb zu fordern.

Essener Gas-Tagung

Das Essener „Haus der Technik“ das auf dem Gebiet der Energie-Tagungen einen guten Ruf besitzt, hat sich mit der Veranstaltung der Gas-Tagung am 17.

Die Hinrichtung

Die Nacht ist hell und warm, genau wie die vor 14 Jahren, als der damalige Hauptmann Dimitrijewitsch-Apis mit seinen Mitverschworenen in den Belgrader Palast eindrang, um den König mit seiner Draga zu vernichten.

Die unsterbliche Verschwörung

Der Weltkrieg, der dem Mord von Sarajewo folgte, war ganz im Sinne dessen, was die Verschwörer der „Schwarzen Hand“ mit der Beseitigung der Dynastie Obrenowitsch in Serbien und mit dem Balkankrieg gewollt hatten.

Das farbige Lichtbild

Eine „ehebrecherische Mischung“ nannte Baudelaire „Künstlertalent und Photographie“, als ihm vor rund 100 Jahren die ersten Aufnahmen des Franzosen Daguerre vorgelegt wurden.

Der Dolmetscher des Dritten Reiches

Eine Menge Memoiren-Literatur ist in letzter Zeit angefallen. Kein Wunder, daß die große Konjunktur das wirklich Trächtige und Bleibende bisweilen überdeckt.

Kranzler, Horcher, schwarze Hüte

In Bonn wird Anlauf genommen, der Hauptstadt allmählich einige besonders attraktive hauptstädtische Lichter aufzustecken. Das Berliner Café Kranzler hat am Endbahnhof der Rheinuferbahn Köln–Bonn, also nur einige hundert Meter vom Bonner Hauptbahnhof entfernt, im umgebauten Keramag-Haus seine Tore mit livriertem Pförtner und allem Zubehör der Gastronomie bereits geöffnet.

Paradies der Kinder

Es gibt nicht wenige in Bayern, die behaupten: es würde noch immer viel zuviel geschossen und gerauft ... Zu Nürnberg stellten im November zwei Zivil-Amerikaner einen Spaziergänger und veranstalteten ein lustiges Wettschießen auf ihn, so daß er sich nur durch „volle Deckung“ schützen konnte.

Reisenotizen

Die „Berge von Formularen und die leidige Zahlungsbilanz beeinträchtigen die Reisefreudigkeit ihrer Landsleute, erklärten holländische und schwedische Journalisten nach einer Rundreise durch Süddeutschland.

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