Der Bundeswirtschaftsminister hatte keine glückliche Hand, als er auf dem Verordnen swege mit Wirkung vom 1. Januar 1950 den Benzinpreis auf 60 Dpf. je Liter festsetzte. Staatsrechtlich wurde angezweifelt, ob er diesen Preis überhaupt „setzen“ durfte. Bundestags-politisch hätte er für eine solch unpopuläre Maßnahme wohl kaum eine Mehrheit gefunden Der Kraftverkehr ging auf die Straße und protestierte vernehmlich. Die Bundesbahn wurde verdächtigt, sie hätte ihre Hand im Spiel, um einen lästigen Konkurrenten beim Transport hochtarifierter Güter, die das Geld erbringen abzuschütteln.

Was berechtigt zu solchen Verdächtigungen und Kombinationen? Nun, die Fachverbände konnten nachweisen, daß der Importpreis bei 14.6 Dpf. liegt. Hinzu kommen staatliche Abgaben und Zölle mit 21,3 Dpf., Inlandsfracht mit 3,7 Dpf., Verwaltungsgebühren mit 11 Dpf., Benzolzuschlag mit 2 Dpf. und Umschlagskosten mit 1 Dpf Das ergibt 53.6 Dpf. je Liter. Diesen Preis hätte man akzeptiert. Daß aber der Staat nach rein fiskalischen Grundsätzen noch weitere 6,4 Dpf. verlangt, das ging den Autofahrern zu weit

Die Angelegenheit kam vor den wirtschaftspolitischen Ausschuß des Bundestages. Bevor man sich mit ihr aber auch nur informatorisch befassen konnte, beschloß die Regierung. Rationierung wie Preiskontrolle für Benzin aufzuheben. Das kann zwei Gründe haben: entweder fürchtet man eine politische Niederlage im Bundestag, der man zuvorkommen wollte, indem man mit erlaubten Mitteln der unerquicklichen Situation eine Wendung gab, oder man glaubt, wirtschaftlich verantworten zu können, nun wirklich Marktfreiheit für Benzin zu gewähren Wie dem auch sei – die Hohen Kommissare erhoben Einspruch. Dr. Adenauer wurde von Sir Brian Robertson gebeten, erst eine Klärung der Marktlage abzuwarten. Das Benzin kostet also vorläufig weiterhin 60 Dpf.

jetzt kursieren Gerüchte, in Bonn sei interveniert worden, um die englischen Wahlen nicht zu stören. Denn im Kampf zwischen den Tories die für Benzin-Freigabe sind, und der Labour-Party, die dagegen ist, bedeute die Aufhebung der Rationierung im geschlagenen Deutschland eine einseitige Belastung der Labour-Regierung. Ein anderes Gerücht besäet, daß es ausländische Kreise gäbe, die am Fortbestehen des Schwarzmarktes in Benzin interessiert seien Nicht, daß man solche Mutmaßungen beweisen könnte ... sie zeigen aber, wohin es führt, wenn die Regierungs-Routine offenkundig fehlt.

Es steht fest, daß die Freigabe des Benzins, hinter der man in Bonn einen „Husarenritt“ des Professor Erhard gegen eine Bastion des Schwarzmarktes vermutet, auch von den Kreisen, die am schärfsten gegen die weitere Rationierung sind, nicht vor Sommer erwartet wurde. Sie argumentieren, daß Treibstoff auf dem Schwarzen Mark? praktisch unbegrenzt für 80 Dpf. je Liter zukaufen wäre. Die offiziellen Kontingente, über deren Preisgestaltung der ganze Streit geht, reichen gerade für ein Monatsdrittel Zudem seien Sonderkontingent-Inhaber so gut versorgt, daß sie ihre Benzinmarken schwarz verkauften. Der illegale Markt sei also weitaus besser versorgt als der legale. Eine bisher nicht angezweifelte Rechnung des Vereins der Automobilindustrie besagt, daß – vorsichtig gerechnet – der Steuer jährlich durch Schwarz-Benzingeschäfte 332 Mill DM entgehen. Bei Freigabe sei folglich nicht nicht mit einem Preis-Chaos zu rechnen, die Preise würden sich nach geringer Übergangszeit auf dem gewünschten Niveau von 53 Dpf je Liter einspielen.

Politisch mag die Aufhebung der Benzin-Rationierung gefährlich sein. Wirtschaftlich ist das noch nicht bewiesen, auch wenn die offiziellen Einfuhr ren nicht erhöht würden, wie das von amerikanischer Seite verlautete, W-n