Viele, die gekommen waren, um „Gilda“ zu sehen, waren von Neugier und romantischen Gefühlen getrieben, denn es war doch überall so sensationell und prickelnd zu lesen gewesen von der Liebesromanze des einstigen „Gl glamour girl number one“ der USA-Truppen und dem Prinzen und Nachfahren Mohameds Ali Khan. Nach der Episodenrolle in Duviviers „Sechs Schicksalen“ war Rita Hayworth nun in Hamburg (Esplanade-Theater) als „Gilda“ zu sehen, Rita, dieses Ebenbild der Venus von Milo, deren Körpermaße nur um lumpige paar Millimeter differieren, diese Beleidigung des amerikanischen Weibstums und aller dezenten Frauen in aller Welt“, wie die Central Federation of Women’s Club in USA und das englische Blatt People ihr mit selbstbewußter Prüderie attestierten. Der Film „Gilda“ ist schon reichlich alt und einer von jenen, die man schon vergessen hat, wenn man kaum aus dem Kino heraus ist: mit Gangstern und Spielhölle, mit der Haßliebe eines anrüchigen Paares und sentimentalem Happy-End, Rita aber, die Frau mit dem heavenly body, zeigt freigebig, über welche Mittel sie verfügt. Marlene Dietrich „gehottet“, ohne berlinischen Intellekt, aber mit ganz heißem Theaterblut. „Sie ist so erotisch, daß man das Publikum in Eis packen sollte, damit es nicht wegschmilzt“, schrieb eine amerikanische Zeitung. Toll geschminkter Mund, sündig verwühlte Haarmähne, sinnliche Stimmme, kindliche Träne, aufreizende Tänze. „Perlendes Weibstum“ nannte man das in der einschlägigen Literatur der Jahrhundertwende, Die charmante Rita verdiente damit Millionen Dollars und wurde in der Mitte des neuen Jahrhunderts Märchenprinzessin, EM,