Die Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer hatte zu ihrer zweiten Arbeitstagung nach Wiesbaden eingeladen, auf der neben Professor Eucken-Freiburg, der über „Wettbewerb, Monopol und Unternehmer“ sprach, und Professor Böhm-Frankfurt, der das Problem der Kartelle und Monopole behandelte, auch Wirtschaftsminister Erhard über die „Freiheit“ des Unternehmertums und Staatsminister a. D. Hoepker Aschoff über „Steuer und Selbstfinanzierung“ sprechen sollten. Beide Referenten waren aber nicht erschienen – ebenso der für die Eröffnungsansprache vorgeseheneMinisterpäsident D.Prof. Geiler-Heidelberg. So kristallisieren sich die Referate um die–wie immer – ausgezeichnet formulierten Vorträge von Professor Eucken, dessen Hauptthese die Notwendigkeit des freien Unternehmers in der Wettbewerbswirtschaft war, und von Professor Böhm, der mit einem Preisausschreiben über die Frage aufwartete, ob und wie die Freiheit des Menschen in der modernen Wirtschaft gewahrt werden könne.

Zum wesentlichen – dem Aufgabengebiet der Arbeitsgemeinschaft stieß dann Dr. Winschuh vor, der von der Journalistik zum selbständigen Unternehmer hinübergewechselt ist. In nicht immer sehr glücklichen Formulierungen entwickelte Winschuh ein Bild des heutigen deutschen Unternehmertums, das von einer westöstlichen „Zangenbewegung“ bedroht, in der Gefahr sei, entweder dem östlichen Managertum oder dem westlichen Pensionierungszustand eines wohltemperierten Wohlfahrtsstaats anheimzufallen. Im Materiellen geschwächt durch die Denazifizierung als „bewußt“ Schwächung des Unternehmertums (?), durch die damit verbundene Dekapitalisierung“ und im ideellen mit Minderwertigkeitskomplexen behaftet, habe das deutsche Unternehmertum die Chance, mit dem ihm durch das Bundestagswahlergebnis gegebenen Pfunde zu wuchern und damit den Testfall der Bewahrung durchzustehen. Dazu gehöre aber nicht nur die Aufgabe der „Revision des Bildes der Unternehmer vor sich selbst und in der Öffentlichkeit, sondern vor allem die Existenzsicherung, der sich – besonders, für den Bereich der Mittelbetriebe und der Personalgesellschaften – die Arbeitsgemeinschaft besonders annehmen volle, Reform der staatlichen Finanz- und Sozialpolitik sei, daher die erste konkrete Aufgabe. Ein weiteres Augenmerk sei auf die Kartellprobleme gerichtet, wo das neue Gesetz bereits auf Anregung der Arbeitsgemeinschaft den Kontrahierungszwang für Monopolbetriebe aufgenommen habe. Der Kontakt mit dem Ausland und die Pflege der menschlichen Beziehungen im Betrieb seien weitere Programmpunkte der Arbeit. Die Arbeitsgemeinschaft wolle weder die übrige Front der Unternehmerverbände aufspalten noch in Konkurrenz oder Opposition dazu treten, sondern eine Lücke ausfüllen in der Betreuung der selbständigen Unternehmer, deren Interessen besonders gelagert und durch die ausgesprochen nachteilige steuerliche Behandlung gefährdet seien. – Die Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände waren schwach vertreten. R. E. L.