J. B., Wien, Anfang Februar

In Prag hat man für 1950 einen neuen Finanzplanbeschlossen. „Er soll“, so sagt man offiziell, „den Wirtschaftsprozeß in Geld ausdrücken und zur Rationalisierung der Wirtschaft von der Geldseite her beitragen. Er soll eine Kontrolle durch die tschechische Krone ermöglichen.“ – Diese Meldung bedeutet nichts weniger als das Eingeständnis, daß die bisherige (Güter-) Planung versagt hat. Es war die Planung nach Mengen mit Gewicht, Meterzahl oder Stückzahl, mit der Folge, daß die Walzwerke lieber starke Profile herstellen als schmale, weil sie damit die Ablieferungsvorschrift in Tonnen leichter erfüllen herstellen Nun kann man auch ermessen, erfüllen von den Erfolgsmeldungen zu halten ist, die die Textilerzeugung beispielsweise nach Metern gemessen haben, einerlei, ob Popeline oder Sackleinwand .. Eine weitere Folge der rohen Mengenplanung war die Qualitätsverschlechterung, jetzt kehrt man also zum Geld als Wertmesser zurück. Die Preise sollen derart festgesetzt werden, daß sie „im Einklang mit den Wertmesser des Planes“ stehen, die Kosten decken und die Rentabilität der Unternehmen verbürgen: Preis-\und Plan-Politik zu vereinen, heißt das Geld zu planen Man zentralisiert hierfür das Geldwesen und führt Steuern ein, die je nach Plan-Dichtigkeit der Ware gestaffelt werden.

Im einzelnen: es dürfen die Unternehmen selbst einander weder direkt noch indirekt finansieren. Die Geldbedürfnisse müssen über die betriebsbanken und Investitionsbanken gehen. Die Fakturen sind innerhalb von vierzehn Tagen zu bezahlen.

Den Unternehmen hat man zudem Höchstgrenzen für den Kassenbestand vorgeschrieben. Leiter ist vorgeschrieben, welche Zahlungen noch bar erfolgen müssen oder dürfen, denn das Ziel ist, möglichst den gesamten Geldverkehr über die Banken zu leiten und dadurch die Kontrolle zu verdichten. Jeder Betrieb darf nur mit einer Investitionsbank und einer Betriebsbank in Verbindung stehen. Die Investitionsbanken ihrerseits dürfen nur Kredite für Investitionen gewähren, die im Investitionsplan vorgesehen sind. Und Betriebskredite wieder müssen durch Wirtschaftsverträge gedeckt sein. Die Unternehmen dürfen ferner keine Geldvermögen ansammeln, die nicht für den laufenden Betrieb erforderlich sind. Man kannte also fast von einer Rehabilitierung des Geldes sprechen, und der Generaldirektor der Nationalbank Dr. Chmela erklärt: „Auch der Sozialismus kennt die Geldwirtschaft und das Geld ist der gemeinsame Nenner, auf den die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit gebracht werden kann.“ Zu dieser Erkenntnis hat man jedenfalls vier Jahre gebraucht...

Und wie soll jetzt der Investitionsplan an der ’Wirtschaft orientiert werden, um Plan und Wirklichkeit nun konkret näherzubringen? Man spricht davon, daß die Unternehmen Voranschläge machen müssen, die dann bei den höheren Planungseinheiten (den Zentraldirektoren) gesammelt und den Banken weitergegeben werden. So soll die Grundlage für den Gesamtplan geschaffen werden, nach dem die Nationalbank dann Kredite und Emissionen beschließt. Eine Abstimmung mit dem Staatsbudget bilde die letzte Stufe dieser Finanzplanung.

Daß man dabei wieder und weiter „probiert“, kann zwischen den Zeilen gelesen werden, wenn etwa amtlich erklärt wird: „Der Finanzplan wird jetzt zum erstenmal zusammengestellt wenn er vielleicht noch nicht allen Anforderung gen entsprechen wird, so werden doch bei der Zusammenstellung wertvolle Erfahrungen übel Planungsmethoden und Planungstechnik gemacht werden, die bei der Ausarbeitung der weiteren Pläne berücksichtigt werden können“

Kritik und Selbstkritik nach leninistischem Muster werden also weiter bestehen bleiben Und wirtschaftlich wird der Staat Hauptbuchhalter jedes Einzelbetriebes werden: wie elastisch...!