Es scheint, als wäre den Staatsmännern der Welt bei ihrem Bemühen, nationale Souveränitäten zu verleihst, wiederherzustellen oder zu erlangen, kein allzu großes Glück beschieden. Indien wurde blutig geteilt, Deutschland erhielt statt feiner Regierung gleich deren zwei, Israel blamierte durch seine Konstituierung die Vereinten Nationen, und die Innenpolitik Vietnams erschöpft sich einstweilen in der Bekämpfung von Aufständischen, Jetzt ist Indonesien an der Reihe. Vor knapp vier Wochen begrüßte die Weltpresse die Souveränitätserklärung der ehemaligen Kolonie als neuen Schritt auf dem Wege zur Gleichberechtigung der Völker. Heute ist die Unabhängigkeit der jungen Republik schon wieder bedroht. Raymond Paul Pierre Westerling, seines Zeichens Ex-Hauptmann des Königlich-Niederländisch-Indischen Heeres und Islamist aus Überzeugung, Gatte einer Engländerin, Sohn einer Türkin und eines holländischen Vaters, hat mit seiner Privatarmee in Stärke von 10 000 Mann den Vereinigten Staaten von Indonesien den Fehdehandschuh hingeworfen.

Schlechte Beispiele verderben gute Sitten. Und also könnte Westerling vor jedem Tribunal der Welt zu Recht auf mildernde Umstände plädieren. Denn er tut nur, was ihn die Menschheit in der vergangenen Hälfte des Jahrhunderts lehrte. Er ist überzeugt, daß fait accomplis den Vorrang vor jedem Vertrag genießen, er glaubt, daß die grausamste Kampfesweise die wirksamste ist, und er vergißt nie, auf Pressekonferenzen zu erklären, daß er und seine Leute für die Freiheit streiten.

Ein „zweiter Skorzeny“, ein „moderner Condortieri“, ein „neuer Lawrence“, so künden die Schlagzeilen der Presse, die von den erfolgreichen militärischen Aktionen Westerlings auf Insulinde berichten. Und doch scheint dem Rebellen ein ruhmloses Schicksal vorherbestimmt. Denn er hat Pech gehabt. Wäre er Kommunist oder bekämpfte er auch den Kommunismus –: in jedem Fall stände eine Hälfte der Welt hinter ihm. So aber wird er verfemt bleiben bis an sein bitteres Ende. Rebellen ohne Weltanschauung haben keine Chancen mehr, C.