Wolfgang Kellner, „Die Wirtschaftsführung als menschliche Leistung“; Georg Westermann Verlag, Braunschweig-Berlin-Hamburg, 1949; 882 Seiten, 36 DM brosch., 40 DM gebunden.

Wie bei einem Gesetz, hat man auch bei einem Buch nach dem Adressaten zu fragen, an den es gerichtet ist Die Frage „für wen?“ scheint völlig unabweisbar, wenn in einer Zeit knappen Kapitals und dürftiger Einkommensverhältnisse der wissenschaftlich Gebildeten ein Werk von 882 Seiten vorgelegt wird, um eine These zu beweisen, für die man Zweifelnde mit einer knappen Abhandlung gewinnen und zu deren Anerkennung man dogmatisch Gebundene auch mit mehreren Folianten nicht überreden könnte: Der Verfasser sucht klar zu machen, daß die Tätigkeit des Unternehmers zu allen Zeiten eine für die Gestaltung der Wirtschaft unerläßliche schöpferische Leistung war, daß es ein Zeichen verkrampften Denkens ist, immer wieder Unternehmer mit Kapitalist gleichzusetzen oder zu verwechseln, daß wir einer Seelenkunde des Unternehmers bedürfen, für diesen wichtigsten Beruf den geeignetsten Typus auszuwählen, Kellner erläutert seine Auffassung mit einer Fülle von Belegen aus der Wirtschaftsgeschichte, der Soziologie, der Psychologie und der allgemeinen Literatur und bewegt sich, in einem durchaus angenehmen Stil, in einer Fülle von Umwegen, die man mit Boehm-Bawerk als „produktiv“ bezeichnen könnte, wenn nicht Aufwand und Leistung in einem schwer zu versöhnenden Mißverhältnis stünden. Denn wer soll dieses Buch, mit seinem ausgebreiteten Apparat von Literaturnachweisen und Anmerkungen, lesen? Für den Studenten, der es nicht kaufen, aber in seiner Bibliothek entleihen kann, enthält es ein Übermaß von Stoff und Kontroverse, das er ohne sachkundige Führung in Werken von Max Weber, Schumpeter, Stackelberg und selbst Sombart findet. Der Unternehmer oder der hohe Verwaltungsbeamte, der mit der These des Buches ohnehin einverstanden sein mag, bedarf zur Glaubensstärkung nicht einer solchen Summa öconomica.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Das Buch ist als gedankliche Leistung beachtlich. Es enthält lehrreiche und anziehende Beobachtungen auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Kulturgeschichte, der Staats- und Betriebsführung, es setzt sich in selbständigen Urteilen mit der führenden Literatur auseinander, und für den erfahrenen Sozialwissenschaftler ist es wie eine Wanderung durch altbekannte Gegenden mit einem neuen und oftmals anregenden Führer. Trotzdem scheint das Buch in seiner vielschichtigen Anlage verfehlt, und auch der Verlag, der für das schöne Druckbild verantwortlich ist, hätte dem Verfasser wohl einen größeren Dienst erwiesen, wenn er auf eine für den Konsumenten erreichbarere, straffere Form der Darstellung bedacht gewesen wäre.

Eduard Rosenbaum (London)

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Unter dem Titel „Holz-, Schaum- und Gasbeton“ hat Obering. E. Kaiser, (13a) Fürth, Fichtenstraße 23, im Eigenverlag eine interessante Broschüre herausgebracht, die sich umfassend mit dieser Schnellbauweise der Zukunft beschäftigt. Es werden erprobte Verfahren zur Herstellung von Wandplatten. Tafeln und Formsteinen den Architekten, Baumeistern und Siedlern geboten. In der deutschen Bauliteratur dürfte diese Broschüre das einzige Werk sein, das sämtliche gebräuchlichen und erprobten Bindemittel, abgesehen von Zement und Gips, behandelt (kart. 2,50 DM).

In einer ausgezeichneten Arbeit hat Prof. Dr. habil. Hermann Groß, wissenschaftlicher Dezernent am Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, jetzt einen Beitrag zur Aufteilung der IG.-Farbenindusrie A.G. veröffentlicht Ein Vergleich der drei Kernwerke der IG. mit den großen Chemiewerken der Welt gibt einmal eine plastische Vorstellung über das relative Ausmaßder deutschen Chemie innerhalb der Weltchemie und zum anderen zeigt er die wirkliche materielle Rangordnung unserer gerade auf diesem Gebiet so oft als diskriminierend bezeichneten und überschätzten Konkurrenzstärke. lt.