Zur Intensivierung ihrer Exportpläne hatte die Offenbacher Lederwarenindustrie im Oktober 1949 den Versuch unternommen, ihrer Aktivität mit einer Ausstellung eine breitere Basis zu geben, Der Versuch gelang. Bei Abschlüssen in Höhe von 1,5 Mill. DM hatte man 15 v. H. dieser Summe als Exportabschlüsse buchen können. Und nun hat die Industrie die nach der Hochflut der Weihnachtsaufträge – der Auftragseingang war wider Erwarten groß – eingetretene Stille dazu benutzt, eine weitere Fachmesse durchzuführen. An ihr nahmen rund 155 Firmen der Lederwaren- und Kofferindustrie teil.

Auch diese Ausstellung diente der Förderung des Exportes. Man ist sich in den Fachkreisen der Industrie längst darüber klar, daß Westdeutschlands Inlandsmarkt allein niemals die Gesamtproduktion der Lederwaren- und Kofferindustrie aufnehmen kann. Ihm fehlt durch die Abschnürung der Ostzone etwa ein Drittel des früheren Absatzgebietes. Hinzu kommt, daß sich die Zahl der Betriebe gegenüber – der Vorkriegszeit von rund 1100 auf etwa 1500 erhöht hat, während die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer mit 30 000 der Zahl der Vorkriegszeit entspricht. Weitsichtige Unternehmer haben daher seit langem mühevolle Versuche unternommen, den einstmals sehr guten Kontakt mit der Auslandskunde schaft erneut zu schaffen. Bestanden anfangs noch modische und qualitätsmäßige Schwierigkeiten, so entsprechen jetzt die Musterkollektionen der westdeutschen Lederwarenindustrie in jeder Hinsicht den Geschmacksrichtungen der einzelnen Auslandsmärkte.

Dies dürfte auch die Ursache für das (wenn auch sehr langsame) Ingangkommen der Exporterfolge sein. 1938 hatte das Auslandsgeschäft einen Umsatz von 23,5 Mill. RM. 1947, als die Liste der Exportländer der Lederwarenindustrie noch äußerst bescheiden war, konnten nur Waren für 370 000 $ exportiert werden. Die Schweiz lag damals mit 330 000 $ an der Spitze. Es folgten Schweden mit 18 000 und die USA mit 15 000 Mit geringen Positionen waren Belgien und die Niederlande vertreten. 1948 hatte man das Ergebnis des Vorjahres fast verdoppelt. Es wurden Waren im Werte von 730 000 $ exportiert. Wieder stand die Schweiz an der Spitze. Es waren aber Südafrika, Venezuela, Kanada und sogar Griechenland hinzugekommen. Eine weitere Steigerung des Lederexportes konnte im vergangenen Jahr erreicht werden. In ihm belief sich das Auslandsgeschäft immerhin auf 1,2 Mill.

In Offenbach setzt man erhebliche Hoffnungen in die Liberalisierung des zwischenstaatlichen Handels. Viele günstige Exportgeschäfte wurden in der Vergangenheit und werden auch in der Gegenwart noch von den Schwierigkeiten bei der Erteilung von Importlizenzen und durch die Kontingentierung der Einfuhren verhindert. Nachteilig wirken sich ebenfalls die ungünstigen Zollsätze aus, die in manchen Ländern für Lederwaren oft 20 bis 30 v. H. betragen. Oberhaupt ist die Preisfrage heute für den Export von Lederwaren das Problem erster Ordnung. Infolge der Kursänderungen haben sich die Preise für Fertigleder in den Dollarblock-Ländern um etwa 20 v H. erhöht. Und auch in England sind die Preise nach der Abwertung für Rohware und selbst für Fertigleder um 20 bis 30 v. H. angestiegen. In diesem Zusammenhang darf man die Tatsache nicht übersehen, daß die Preise für Leder aus deutschen Gerbereien immer noch weit über dem Weltmarktpreis liegen. Die Verwendung deutschen Leders für die Anfertigung von Exportartikeln kommt also kaum in Betracht, zumal der Bedarf der Industrie nur zu 40 v. H. aus der deutschen Produktion gedeckt werden kann. 60 v. H. des Rohmaterials müssen grundsätzlich eingeführt werden,

Willy Wenzke