Von Olaf Gulbransson

Vor vierzig Jahren, am 1. Februar 1910, starb fünfundvierzigjährig Otto Julius Bierbaum, einer der liebenswürdigsten und unkonventionellsten Schriftsteller der Zeit nach der Jahrhundertwende, der Wiederentdecker des Bänkelsangs und der galanten Gelegenheitsdichtung („Deutsche Chansons“), aber auch der erste, der die Reize der Autoreise herausfand und beschrieb. In der Erinnerung lebt seine mollige Gestalt so nach, wie sie Olaf Gulbransson 1902 abgebildet hat. Wir haben den Zeichner gebeten, einiges zur Entstehung dieses Blattes zu sagen, und er hat für uns außerdem aus freien Stücken nach dem Gedächtnis ein Porträt von Bierbaums schöner Frau Gemma gezeichnet.

Es war 1902 im Herbst. Ich hatte den Otto Julius gerade kennengelernt und saß und zeichnete ihn an unserem ersten Tag.

Wir haben uns gleich gut vertragen.

Ich sagte: „Otto Julius, ich habe kein einziges Buch von dir gelesen.“

„Das macht nichts“, sagte er.

„Aber wenn ich nun wahrscheinlich auch nie eins lesen werde?“