Deutsche Erstaufführung in Stuttgart

Routinierte, wirkungssichere Unterhaltung bieten die französischen Autoren G. A. de Caillavet und Robert de Flers, die mit Stücken wie „Das schöne Abenteuer“ und „Der König in Paris“ ja seit langem dem deutschen Theater bekannt sind, auch mit ihrem sogar von der Comédie Française gespielten „Monsieur Brotonneau“. Er wurde jetzt unter dem Titel „Der rechtschaffene Sünder“ in der Bearbeitung von Horst Budjuhn und in dessen Inszenierung mit Willy Reichert in der Hauptrolle vom Stuttgarter Schauspielhaus zur deutschen Erstaufführung gebracht.

Das alte Thema des Dreiecks wird hier paradoxerweise an dem spießbürgerlichen Prokuristen Herrn Brotonneau abgewandelt, der nicht nur der Kopf und die versteckt gütige Seele eines Pariser Bankhauses ist, sondern bis dato auch ein Mann der pedantisch genauen Ordnung in allem war. Bis in den dritten und letzten Akt hinein geschieht das mit unbekümmerter possenhafter Komik. Die Situationen werden kräftig und unverblümt, doch verhältnismäßig harmlos ausgenützt. Deshalb wirkt die gesellschaftskritische Note des Schlußteiles recht aufgesetzt. Auch die leichte Bitterkeit des Endes mit Herrn Brotonneaus Resignation kommt etwas unvermittelt. Die Widersprüchlichkeit der verschiedenen Elemente des Stückes könnte allein von einer Aufführung verdeckt werden, die von vornherein auf einen leichten schwebenden, ironisierenden Ton gestellt ist. Budjuhns Inszenierung blieb der Sache in dieser Hinsicht manches schuldig. Doch klatschte das rasch amüsierte ausverkaufte Haus tüchtig und feierte vor allem Willy Reichert an der Stätte seiner frühen großen Erfolge.

Hermann Dannecker