Die Finanzierung des deutschen Schiffsbauprogramms bereitet allenthalben noch große Sorgen. Die Eigenfinanzierung ist im allgemeinen nahezu unmöglich, mit der Fremdfinanzierung liegt es noch im argen. Um so erfreulicher, daß die Finanzverwaltung geneigt ist, den Schiffsneubau im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen. Die Finanz Verwaltungen der in Frage kommenden westdeutschen Länder sind nach Besprechungen mit den beteiligten Wirtschafts- und Arbeitnehmerkreisen übereingekommen, bestimmte Steuererleichterungen dem Schiffsbau („in großzügiger Weise“) zugänglich zu machen.

Schiffe sollen demnach grundsätzlich als bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens im Sinne der für diese vorgesehenen Bewertungsfreiheit für Ersatzbeschaffung behandelt werden. Das bedeutet, daß neben der bereits durch § 7 d EStG gewährten Sonderabschreibung auf Schiffsneubauten auch die Bewertungsfreiheit nach § 7 a EStG in Anspruch genommen werden kann. Da es sich bei den meisten Schiffsneubauten um Ersatzbauten für vernichtete oder verlorengegangene Schiffe handelt, werden die gesetzlichen Voraussetzungen beider Bestimmungen regelmäßig zusammentreffen. Praktisch kann also hiernach auf Schiffsneubauten im Jahre 1949 und später in der folgenden Weise abgeschrieben werden: Entweder innerhalb von 2 Jahren bis insgesamt 50 v. H. der Herstellungskosten, höchstens 100 000 DM jährlich, und in beiden Jahren bis zu je 15 v. H. der Herstellungskosten oder in jedem der beiden Jahre bis zu je 30 v. H. der Herstellungskosten, nämlich 15 v. H. als Bewertungsfreiheit (§ 7 a) und 15 v. H. als Sonderabschreibung (§ 7 d).

Da der Bau von Schiffen sich vielfach über mehrere Jahre erstreckt, die Finanzierung aber in sukzessiven Teilbeträgen erfolgt, setzt eine wirksame Förderung von der steuerlichen Seite her voraus, daß auch Teilherstellungskosten und Anzahlungen bereits nach den erwähnten Bestimmungen behandelt werden können. Auch hierher wurde Übereinstimmung erzielt. Sowohl die Bewertungsfreiheit nach § 7 a EStG wie auch die Sonderabschreibung gemäß § 7 d können daher auch schon für Teilherstellungskosten in Anspruch genommen werden. Dabei soll die Bewertungsfreiheit gemäß § 7 a schon für das zweite Halbjahr 1948 gewährt werden.

Das sind sicher recht erfreuliche Ergebnisse. Man kann mit Befriedigung feststellen daß eben auf Seiten der Finanzverwaltung die Notwendigkeit einer kräftigen Unterstützung des deutschen Schiffbaues im gesamtwirtschaftlichen Interesse auch unter Verzicht auf hohe Steuerleistungen klar erkannt ist. R. A.