Daß die viel verschriene Technik, richtig angewandt, auch unschätzbare positive, aufbauende und nicht bloß destruktive Dienste leisten kann, wird jetzt auf einem Gebiet bewiesen, auf dem man gemeinhin gerade die Technik als den verschworenen Feind alles lebendigen Lebens anzusehen geneigt ist: auf dem Gebiet der Musik. Wie die mechanische Reproduktion der Musik (Grammophon, Radio, Film) eher das Gegenteil von dem bewirkte, was man befürchtete, nämlich eine Steigerung des „Musikbedarfs“ in die Breite – womit notwendigerweise allerdings auch eine gewisse Nivellierung des Musikverständnisses Hand in Hand ging –, so kann auch ihr wirtschaftlicher Mehrertrag durchaus sinnvoll „gelenkt“ werden, wenn er nur von der im Grunde einzig „richtigen“ Stelle in Empfang genommen und verwaltet wird, nämlich von den Musikern selbst, deren Arbeit ja erst die mechanische Wiedergabe ermöglicht. Ein interessantes Beispiel hierfür bietet die schon vor längerer Zeit ins Leben gerufene G. m. b. H. „Symphonia, Wiener Symphoniker-Tonaufnahme“, der sämtliche 134 Mitglieder dieses Orchesters vom Konzertmeister bis zum Orchesterdiener gleichberechtigt angehören. Sie ist nun nach mehrjähriger Aufbauarbeit im Besitz eines umfangreichen, aus drei Aufnahmeräumen bestehenden und mit den modernsten Aufnahmeapparaten ausgestatteten Studios, das in der Lage ist, „Musik auf Zeit“ aller Art in Form von Magnetophonbändern Sendern oder Schallplattenfirmen zur Herstellung von Platten anzubieten oder deren direkte Bestellungen auszuführen. Im Gegensatz zu den zahlreichen Unternehmungen dieser Art in den USA, ohne die die dortigen Radionetze die Ausfüllung ihrer Programmzeiten gar nicht mehr bewältigen können, handelt es sich hier um ein genossenschaftliches Unternehmen, dessen Erträgnisse dem schwer um seine Existenz ringenden Orchester direkt zugute kommen, auch seinen Pensionisten, die Gesellschafter bleiben und auf diese Weise eine zusätzliche Altersversorgung erhalten. Nicht die Aufrechterhaltung eines Mammut-Bürobetriebes, sondern einer „Mammut-G. m. b. H.“ praktischer Musiker ist das Ziel dieses im besten Sinne „zeitgemäßen“ Unternehmens, dessen Gesellschafter bereits verlockendste Auslandsangebote ablehnten und lieber bei ihrem Orchester bleiben. Ein nachahmenswertes Beispiel tätiger Selbsthilfe. H. R.