Börsenobjektivität ist ein Ding für sich. Hausse und Baisse, echte und unechte Kursbewegung gen sind Zeichen der Wirtschaftsdynamik. Die guten Meldungen aus der Wirtschaft, nicht weniger überraschend gesunde Bilanzen und optimistische Erklärungen bei Hauptversammlungen haben wieder Vertrauen in die Aktie hervorgerufen Sie erzielten in den letzten Monaten kräftige Kursbesserungen. Das alles ist bekannt Wer aber hat Aktien angeboten, wer hat nach ihnen gefragt?

Offiziell hat sich das Ausland nirgends am Kauf beteiligt – ob es mit Strohmännern gearbeitet hat. sei dahingestellt. In Deutschland arbeitende Auslandskonzerne mögen vielfach flüssige Mittel in Aktien angelegt haben. Gekauft haben meist die Betriebe selbst, Kaufleute, vereinzelt auch Angehörige der freien Berufe. Warum? Die Banken nehmen an, daß zum Großteil diese Käufe nur zu kurzfristigen Anlagen erfolgten, um erwartete Kursgewinne „mitzunehmen“. um somit spekulativ größere Lasten, wie Soforthilfeabgabe. Steuertermine und auch Investitionen zu finanzieren

Und wer hat verkauft? Einmal waren es Firmen, die auf diesem Wege Beteiligungen abstoßen wollen, um sich vielleicht an anderer Stelle zu binden. Man kann diese Kapital-Dispositionsveränderungen als kleine Entflechtungen bezeichnen. Weiterhin traten als Verkäufer diejenigen auf, die sich für die Steuer- und Soforthilfezahlungen flüssig stellen mußten oder die Geld für Warenbezüge (und Ausbau ihrer Anlagen) brauchten Schließlich sind Verkäufer diejenigen, die, um es im Schlagwort zu sagen, zu dem geschlagenen Teil unseres Volkes gehören: Leute aus dem Mittelstand und den früheren „gehobenen Schichten“, die bis zur Währungsreform Schmuck, Porzellan, Möbel, Teppiche oder Bilder veräußerten um leben zu können und die heute, bevor der letzte Brillantring an der Reihe ist, ihre noch vorhandenen Effekten an den Markt bringen müssen Die soziologische Umschichtung bei den Vermögensträgern unter uns findet hier eine neue Bestätigung.

Es kommt hinzu, daß Käufer wie Verkäufer einen größeren Markt als noch vor dem Sommer letzten Jahres vor sich haben, weil man jetzt die Sammeldepotwerte handelt und diese durch die Kursbesserungen im Herbst gesellschaftsfähiger geworden sind. Hinter diesen Stücken stehen nicht weniger die realen Werte der Industriegesellschaften; ihr Risiko liegt nur im ungewissen Zeitpunkt ihrer Anerkennung, R.