Mit dem Fund der Überreste der historischen Stätte, an der der biblische König Salomo seinen größten Seehafen baute, hat die moderne Archäologie erneut bewiesen, wie genau die historischen topographischen Angaben der Heiligen Schrift sind. – An einem Nebenarm des Roten Meeres, am traditionellen Schnittpunkt der Interessen dreier Erdteile, liegt die Stätte des seit rund dreitausend Jahren verschollenen Seehafens des Königs Salomo, Ezeon Geber. Das Verdienst, den genauen Platz und die Überreste dieser historischen Stätte aufgespürt zu haben, gebührt den „American Schools of Oriental Research“.

Als der Amerikaner Nelson Glueck im Jahre 1936, von Jerusalem kommend, mit seiner Kamelkarawane am uralten Mound Teil el Khdeifeh, halbwegs zwischen dem östlichen und westlichen Ufer des Golfes von Akaba anlangte, war er überzeugt, daß sich an dieser Stelle, entsprechend der biblischen Beschreibung, der verschollene berühmte Hafenplatz befinden müsse. Auf seine Spur hatte eine ebenso bedeutsame Entdeckung geführt. Weil in Palästina kein Eisen oder Kupfer gefunden wurde, zweifelte man lange an der Richtigkeit einer Prophezeiung, die den Juden ein Land versprach, dessen Steine aus Eisen und Berge aus Kupfer seien. Bis die Amerikaner im Wüstental des Wadi Araba, welches das Tote Meer mit dem Golf von Akaba verbindet, auf seiner ganzen Länge Eisen- und Kupfervorkommen feststellten. Aufgefundene Ruinen von Arbeiterbehausungen, kleine Schmelzöfen und große Schlackenhaufen zeigten, daß hier in vorgeschichtlicher Zeit, besonders während der Regierung König Salomos Bergbau betrieben worden war. Die seit rund 250Q Jahren verlassenen Minen versprechen auch heute noch eine beträchtliche Ausbeute. Analysen ergaben, daß das Erz 58,7 v. H. Eisen und 10,3 v. H. Kupfer enthält. Der historische Salomo muß einer der ersten und reichsten Kupferkönige der Weltgeschichte gewesen sein.

Gründliche Ausgrabungen in den Jahren 1936 bis 1943 am Teil Kheleifeh brachten als unterste Schicht die Ruinen dieser Industriesiedlung ans Tageslicht. Erstaunlich und unverständlich war zunächst, daß die Werkanlagen mitten im Bereich der Sandstürme lagen und einige hundert Meter abseits von den Süßwasserquellen, die sich östlich davon an der Stelle des heutigen Akaba befinden. Aber schon das erste freigelegte Gebäude enthüllte den tieferen Grund. Seine Außenwände besaßen nämlich zwei Reihen von Öffnungen, und die Mauer enthielt ein System von Luftkanälen. Die Lehmziegelwände zwischen den Öffnungen trugen die grüne Farbe, die schwefelhaltige Gase beim Durchstreichen hinterlassen. Es war in der Tat ein regelrechter Schmelzofen nach dem Bessemer-Prinzip, das erst vor einem Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Der 3000 Jahre alte Bessemer-Ofen ist nämlich auf den beständig wehenden Wind, der durch das langgestreckte Tal des Wadi blies, angewiesen.

Da einige Kupferminen unmittelbar am Seeufer lagen, ergab sich, daß die heutige Küstenlinie fast genau so verlief wie zu Salomos Zeiten. Der große Städtebauer bewies auch hier seine erstaunliche Weisheit. In den geschickt angelegten Werkanlagen verarbeiteten seine Leute die reiche Ausbeute der benachbarten Minen zu Geräten und Waffen. Über den Hafen vollzog sich ein reger Handelsaustausch gegen Spezereien, Gewürze und andere Schätze Arabiens und der Küstenländer. Außerdem war Ezeon Geber eine wichtige Festung, die diesen strategisch bedeutsamen Kreuzungspunkt beschirmte. Und auch heute hat das alte Ezeon Geber seine Bedeutung nicht verloren: Ibn Saud und Transjordanien machen ihre Ansprüche auf den Hafen Akaba geltend, England hat hier wichtige Interessen, und der neue israelische Staat will auf einen Zugang zum Roten Meer nicht verzichten. W. R.