Filmuraufführung in Düsseldorf

Düsseldorf, im Februar Wenn man Eduard Künneke heißt und 65 Jahre alt wird, sollte man glauben, in der Öffentlichkeit kaum übersehen werden zu können. Aber obwohl er im Lexikon als einer der drei bedeutendsten Operettenkomponisten der Gegenwart verzeichnet stellt –: wenn nicht gerade der Uraufführung eines mit „Melodien von Eduard Künneke“ ausstaffierten Films der Komponistengeburtstag als Premierenattraktion sehr gelegen gekommen wäre, so wäre der musikalische Autor des „Vetter aus Dingsda“, der „Lieselotte“, der „Glücklichen Reise“ und manches anderen Ohrenschmauses kaum in das publizistische Rampenlicht gerückt worden. Es ist ziemlich still um Künneke geworden. Eine seiner letzten Operetten, „Die große Sünderin“, wurde vor Jahren noch in der Berliner Staatsoper uraufgeführt, und Sänger vom Range Helge Roswaenges und der Tiana Lemnitz dafür aufgeboten, Nach dem Kriege nahm man sich des jüngsten Kindes seiner Muse im Rheinland an, aus dem er stammt. (Sollte vielleicht doch Emmerich, sein Geburtsort dicht an der holländischen Grenze, wo die musikalischen Traditionen nicht gerade tief im niederrheinischen Blute stecken, auch daran schuld sein, daß der große, zündende Funke so selten in Künnekes geschmackvoller Operettenmelodik aufspringt?) „Hochzeit mit Erika“ wurde zwar im Düsseldorfer Opernhause uraufgeführt. Aber ein Erfolg im Sinne der großen Operettentradition, die Künneke fortzusetzen versuchte, ist auch dieses Opus nicht gewesen. Auch zur Oper, von der Künneke als Schüler Bruchs ausgegangen ist und zu der er zurückdrängt, führte ihn die „Erika“ nicht.

Wohl aber ist zur allgemeinen Überraschung ein Film daraus geworden. Eine Düsseldorfer Produktionsgesellschaft, die Euphono, die mit ihren ersten beiden Filmen („Majora wird gesucht“ und „Madonna in Ketten“) nicht viel Freude hatte, scheute sich nicht vor dem schwachen Libretto, Sie hat für eine „volkstümliche Filmoperette“ sogar ein ganz brauchbares Drehbuch herstellen lassen und es dem gewiegten Regisseur Eduard von Borsody übergeben, der das übliche Klischee auflockerte und durch Rummelplatzatmosphäre und ein rührendes „Erfinder“-Schicksal (Kurt Großkurths vielversprechendes Debüt als Filmkomikerl) den holden Operettenunsinn in filmische Hausmannskost verwandelte. Eine „Filmoperette“, wie die Euphono meint, ist dieser Operettenfilm allerdings nicht. Künneke hat sich mit einlagenartigen Nummern begnügt, die freilich unter Brüdern klingende Münze sind. Eine richtige Filmoperette, von der Musik her aufgebaut und mit den Zaubermöglichkeiten des Films ins Traumland des heiteren Nichts zerstäubend – wäre das aber nicht wirklich eine Aufgabe, des 65jährigen „bedeutenden Operettenkomponisten“ würdig und eine Chance für den um seine Eigenständigkeit verlegenen deutschen Nachkriegsfilm? J. J.