Frankfurt gehört zu den am meisten zerstörten Städten Deutschlands und hatte nach Kriegsende 13 Millionen Kubikmeter Trümmer zu beseitigen. Die Stadtverwaltung ist vielfach angegriffen worden, weil dies zunächst nicht so schnell geschah, wie viele und insbesondere auch die Besatzungsmacht es erwartet hatten. Aber die Frankfurter Umgebung ist dicht besiedelt, und so scheiterten anfangs alle Pläne, weil man nicht wußte, wohin mit dem Schutt...

Als jedoch der Gedanke auftauchte, aus den Trümmern neue Steine zu machen, hat die Stadt diese Idee sofort aufgegriffen und noch im Jahre 1945 die „Trümmer - Verwertungs - Gesellschaft m. b. H.“ gegründet; ihr gehören, neben der Stadt als maßgebendem Gesellschafter noch drei große Privatfirmen an.

Diese Form der Organisation, die unabhängig von der städtischen Verwaltung arbeitet, hat sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen. Dank der Haltung der Stadt, die ihr in finanzieller Hinsicht die nötige Bewegungsfreiheit gab, konnte die Gesellschaft mit der einem Privatunternehmen eigenen Freiheit und Initiative an die Lösung der Probleme herangehen. Es wurde eine Aufbereitungsanlage mit angeschlossenem Betonwerk errichtet, in dem die Trümmer zu neuen Baustoffen verarbeitet werden. Dadurch ist auch, was die Baustoffbeschaffung für den Wiederaufbau der Stadt angeht, eine Grundlage entstanden, wie sie kaum eine andere Stadt besitzt, und es ist jetzt schon ersichtlich, in welch entscheidender Weise dadurch das Baugeschehen in Frankfurt quantitativ und preislich beeinflußt wird.

In technischer Hinsicht ist besonders bemerkenswert, daß in Frankfurt auch der Feinschutt, dessen Verwendbarkeit im allgemeinen als problematisch galt, völlig verarbeitet werden kann. Das geschieht (nach Art der Aufbereitung minderwertiger Erze) durch ein Sinterverfahren, das die in Frankfurt ansässige Lurgi-Gesellschaft entwickelt hat. Die Verarbeitung erfolgt zum großen Teil an Ort und Stelle in dem der Aufbereitungsanlage unmittelbar angeschlossenen Betonwerk, das Steine verschiedener Art herstellt. Der Ausstoß hat bereits mehr als 300 Kubikmeter täglich erreicht und soll später auf das Doppelte gesteigert werden. Mit der gesamten Produktion der Anlage können dann täglich etwa 40 Wohneinheiten von je 200 cbm umbautem Raum erstellt werden.

Um die gesamten Frankfurter Trümmer zu verarbeiten und gleichzeitig Frankfurt damit wieder aufzubauen, wäre ein Zeitraum von 25 Jahren erforderlich. Ob einmal irgendwelche Umstände eintreten werden, die an diesen Zahlen etwas ändern könnten, läßt sich schwer sagen, und es wäre müßig, darüber heute Betrachtungen anzustellen. Jedenfalls ist in wirtschaftlicher Hinsicht die Planung darauf abgestellt, daß die Anlagekosten wesentlich früher abgeschrieben sein werden.

Diesem Enttrümmerungsverfahren der Stadt Frankfurt, das übrigens vielfach angefochten wurde, liegen sehr sorgfältige Berechnungen zugrunde. Angesichts der ersten jetzt zutage getretenen Erfolge ist die Kritik dann auch verstummt, und viele fremde Besucher der Anlage, auch aus dem Ausland, bezeugen das große Interesse, das die Fachwelt den Maßnahmen der Stadt entgegenbringt. Die Stadt ist jetzt in der Lage, die Konjunktur auf dem Baustoffmarkt entscheidend zu beeinflussen, und die Produktion der „TVG-Steine“ hat bereits wesentlich zur Senkung der Baukosten beigetragen.