Meist sind die Matineen der Hamburgischen Staatsoper für die Freunde der modernen Musik ein Labsal meist, doch nicht immer. War es am vergangenen Sonntagvormittag auch eine glückliche Idee, Strawinskijs Kammersymphonie in Es (Dumbarton Oaks), die wir schon 1946 in Hamburg unter Schnackenburg hörten, am Anfang und am Ende der Veranstaltung, also zweimal, zu spielen, so zeigte sich daß dieses kühl-graziöse Stück ein allzu kostbarer Rahmen war. Im Mittelpunkt nämlich stand Rilkes „Weise von Liebe und Tod des Cornets“ in der Verseilung von Frank Martin, Diestr Schweizer Komponist, der 1947 bei der deutschen Erstaufführung seiner „Kleinen konzertanten Symphonie“ im Kölner Rundfunk mit Recht viel Beifall fand, ist wirklich zu bedauern, daß er sein Talent an diese „Prosadichtung verschwendete, die im musikalischen Gewand und von einer Alt-Stimme gesungen noch schwerer zu ertragen ist als bei still-stöhnender Lektüre. Der Text ist ja nun einmal das Musterbeispiel von dem, was wir Kitsch nennen. Ein Wunder, daß der Komponist das nicht bemerkte; kein Wunder jedoch, daß seine Musik klüger war als er selbst. Denn an diesen Text gebunden offenbarte sie nichts als glatte Routine im modernen Gewand und klang manchmal wie eine bewußte Parodie. Streckenweit, da man die schwülen Stellen des rosenroten Epos vorausfürchtete, ahnte man auch die entsprechenden Harfenklänge voraus, und bei Gott, sie trafen ein und ließen die ahnungsandächtigen Gemüter erschauern. Und Arthur Gruber dirigierte das alles so exakt und hingegeben, als glaubte er daran J. M.