Am dürren Holz der systemstaatlich gesteuerten sowjetischen Theater- und Filmproduktion werden, wie oft gemeldet, laufend der Formalismus, der Kosmopolitismus und das Westlertum erledigt. Jetzt ist am bisher grünen Holz, im Moskauer Künstlertheater, der Bühne Stanislawskis, ein Produkt uraufgeführt worden, das an sturer Direktheit alles Gewohnte iberbietet. Der Autor Michalkow läßt den von der „Prawda“ wegen Formalismus angegriffenen Komponisten Ilja Golowin in seiner Niedergeschlagenheit durch einen Panzergeneral trösten, der ihm erzählt, wie seine Leute im Kriege aus liegengebliebenen Skizzen des unglücklichen Formalisten ein „Tankistenlied“ gemacht haben, das zum Schlager der Truppe wurde. Das bekehrt den Musiker. Er gelobt, fortan nur noch sangbare Melodien zu schreiben.

Das „Tankistenlied“ für dies Stück hat Aram Khatschaturian geschrieben, der sich im vorigen Jahre selbst die Vorwürfe des Zentralkomitees zugezogen hatte. Dieser Umstand und die Grobheit der Fabel lassen zwei Schlüsse zu: entweder ist die Ausrichtung der sowjetischen Kunst nunmehr an ihrem äußersten Extrem angelangt – oder das Ganze ist ein Versuch von Künstlern, die noch nicht alle Ironie verloren haben. Die Parteipresse bezeichnet die Aufführung als einen ,großen Sieg“. Aber das könnte auch beweisen, daß sie nichts gemeldet hat. cel.