Von Julius Schnorr

Die Bedeutung Frankfurts als Stadt der Internationalen Messen schildert der Direktor der Frankfurter Messen, Dr. Schnorr.

Schon 750 Jahre liegt die Zeit zurück, da sich die Kaufleute zum erstenmal auf der Frankfurter Messe zusammenfanden. Nachdem 1240 Kaiser Friedrich II. der Freien Reichsstadt ihr erstes Messe-Privileg verliehen hatte, wurde die Frankfurter Messe für lange Zeit die einzige deutsche Großmesse und Frankfurt der erste Handelsplatz des Kontinents. Diese historischen Tatsachen, die in vielen Jahrhunderten die Gesichtszüge des alten Frankfurt als „des Heiligen Römischen Reiches Messe- und Handels-Emporium“ geprägt haben, gehören zu den Grundlagen der heutigen Frankfurter Messen.

Die jetzigen Mustermessen unterscheiden sich in vielem von den alten Warenmessen. Vieles hat sich natürlich geändert, sowohl in der Organisation als auch im Geschäftsgang des Marktes. An die Stelle der alten Gewölbe und Stapelhäuser, der Speicher und Ausspannhöfe sind moderne Ausstellungshallen mit unmittelbaren Anschlüssen an die Speditions- und Güterverkehrseinrichtungen der heutigen Zeit getreten. Und dennoch können die geschäftlichen Vorgänge der heutigen Messen in der alten Handelsstadt Frankfurt auf mancherlei menschliche und kaufmännische Verbindungen zurückgreifen, die noch auf den alten Messen zustande kamen. Und gar manche Kaufmannsfamilie, deren Vorfahren ihre Wagenzüge auf dem Weg nach Frankfurt brachten, schickt heute ihre Warenmuster mit der Eisenbahn, mit Fernlastern oder mit dem Flugzeug zu den wiedererstandenen Messen. Im „Frankfurter Messe-Schema vom Jahre 1775 – heute sagt man Messe-Katalog – finden sich siebzehn Firmen aus Belgien, Frankreich, Italien und der Schweiz, deren Nachfahren noch heute aus den gleichen Orten als Aussteller zur Frankfurter Messe kommen. Es finden sich auch 72 deutsche Produktionszentren im „Meß-Schema“, die wiederum mit den gleichen Warengruppen (Keramik, Porzellan, Solinger Waren und Textilien) am heutigen Frankfurter Messeangebot beteiligt sind.

Ihren Ursprung haben diese bis zum heutigen Tag lebendig gebliebenen Auslandsbeziehungen zum Teil in der starken fremdländischen Zuwanderung, die das weltoffene Frankfurt während des 14. und 15. Jahrhunderts aus Italien, Spanien und Frankreich, während der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Frankreich, den Niederlanden und England, am Ausgang des 18. Jahrhunderts aus Frankreich gastlich aufnahm. Diese „Eingeplackten“, die etwa ein Drittel der damaligen Gesamtbevölkerung ausmachten, zogen viele ihrer ausländischen Freunde auf die Frankfurter Messen, aber sie schufen ebenfalls aus ihren Familienzusammenhängen wirtschaftliche Dauerbeziehungen von Land zu Land, die noch den heutigen Messen zugute kommen.

Auch Frankfurts ausgezeichnete verkehrsgeographische Lage ist eine förderliche Voraussetzung. Der alte Verkehrsstern der „Frankenfurt“, in den sich die Salz-, Eisen-, Holz-, Wein- und Textil-Straßen des Kontinents überschnitten, dieser alte Kreuzungspunkt der Kaufmannsstraßen und der Thum- und Taxisschen Postlinien ist mittlerweile überlagert worden von den Kreuzungen der großen Nordsüd- und Ostwest-Eisenbahn-Durchgangsstrecken mit der Wasserstraße des Main-Donau-Kanals, von dem Luftlinien-Verkehrsstern des Weltflughafens, der die Besucher aus Übersee und Europa zuerst nach Frankfurt bringt, und von der Kreuzung der Autobahnen am „Kilometer Null“ des deutschen Autostraßen-Netzes. Die Fülle bester Verkehrsmöglichkeiten nach und von aller Welt, erleichtert also das Zusammenströmen der nach dem Markte drängenden Kräfte.

Nicht umsonst also hat der Großmarkt Frankfurt auch nach dem Kriege wieder eine wichtige Rolle für die Neuordnung, Belebung und Erweiterung des deutschen Außenhandels übernommen. Die Export- und Importumsätze auf der Frankfurter Messe sind mit jeder Veranstaltung größer geworden, und auch im Nachgeschäft ergaben sich für die Teilnehmer sehr zufriedenstellende Erfolge. Als Aussteller wie als Einkäufer traten Geschäftsfreunde aus dem Ausland mehr und mehr in Erscheinung. Hatten auf der ersten Nachkriegsmesse im Herbst 1948 nur 46 ausländische Firmen ausgestellt, so waren es im Frühjahr 1949 schon 310, und für die kommende Frühjahrsmesse haben sich über 1000 Auslandsaussteller mit über 10 000 qm Ausstellungsfläche aus 16 europäischen und überseeischen Ländern angekündigt. Die Zahl der ausländischen Einkäufer und Interessenten hat sich von 1200 bei der ersten Messe auf 4000 bei der Frühjahrsmesse 1949 erhöht und läßt für die kommende Messe nach den vorliegenden Anfragen einen noch größeren Zustrom erwarten.