Vor zwanzig Jahren, am 8. Februar 1930, starb eine Malerin, deren Name kaum über Hamburg hinaus bekannt geworden ist, die aber zu jenen in Deutschland so seltenen malerischen Begabungen gehörte, denen es gelang, den ganzen Reiz der farbigen Atmosphäre ihrer Umgebung, der Gegend also, in der sie aufgewachsen waren und lebten, einzufangen und darzustellen: Dorothea Maetzel-Johannsen. Sie stammte von der Ostküste Holsteins, wo die Farben blühend und von einer gedämpften Buntheit sind, und wo eine dunstige Luft jene Weiche der Konturen hervorruft, die seit Jahrhunderten ein Kennzeichen aller Kunst des Ostseeraums gewesen ist. Sie hat sich dann, umgeben von der ganz anders gearteten, farbig härteren und alles Formale schärfer darstellenden Atmosphäre des westlichen, der Nordsee zugekehrten Holsteins als Malerin ausgebildet, ohne von Lehrern und Vorbildern abhängig zu sein. Sie war in den zwanziger Jahren in Paris – und aus all diesen Eindrücken, die doch so sehr verschieden sind, hat sie für sich eine Harmonie der Farbe gefunden, die in der spröden Malerei Deutschlands sonst nicht ohne weiteres erreicht worden ist. Sie hatte das Glück, in einer Zeit zu leben, als man in Hamburg noch Geld für Wandmalerei ausgab. So hat sie die Supraporten in der Vorhalle zum Vortragsraum der Hamburger Kunsthalle geschaffen, die in der Nazizeit ein verständnisvoller Museumsbeamter vor der Vernichtung rettete; allerdings konnte er nicht verhindern, daß ihre Bilder aus der Galerie als entartet entfernt worden sind. Sie hat auch die schönen figürlichen Wandbilder für das Hamburger Jugendheim in Lüneburg gemalt, und die Vorstudien für diese Arbeit gehören zu dem Besten, was sie geschaffen hat. Alles, was sie malte, war unbekümmert, schwebend und leicht und ohne eitles Streben, wirken zu wollen. Daher kommt es, daß jedes ihrer Bilder in sich geschlossen und von einer überzeugenden und befreienden Harmonie ist. Martin Rabe