Kürzlich hieß es in der Tagespresse, ein Sprecher der Hohen Kommission habe sich gegen eine deutsche Steuerreform erklärt, mit der Begründung; dergleichen sei hervorragend unzeitgemäß in einem Moment, da in den USA die Steuern erhöht werden müßten. – Unmittelbar danach konnte man lesen, ein Sprecher der Hohen Kommission habe die geringe Aktivität der Bundesregierung gegenüber dem Problem der Arbeitslosigkeit getadek und eine baldige Steuersenkung empfohlen, um so die Investionstätigkeit zu ermuntern, also die Beschäftigtenzahl zu steigern,

Woher dieser Widerspruch? Offenbar fehlt es da, im Stabe der Hohen Kommissare, ein wenig an Koordination... Und mancher, der dort tätig ist, erliegt wohl der Versuchung, ab und zu ein wenig Politik auf eigens Faust zu treiben und die eigenen privaten Ansichten (oder die seiner politischen Freunde) in den geliehenen Mantel der Amtsautorität einzukleiden. Das gibt dann mitunter recht groteske Bilder: besonders dann, wenn deutsche Politiker oder Presseleute sich beglückt – weil ahnungslos über die ihnen zugeteilte Rolle – am Spiel beteiligen.

Also diesmal ging es zünftig zu; diesmal kamen sie sogar sorgfältig vermummt und mit geschwärzten Gesichtern vor Blüchers ERP-Ministerium, um eine rechte Katzenmusik wegen des bewußten Memorandums, das an die OEEC gegangen war, aufzuführen ... Daß BBC-London und die „Financial Times“ das Memorandum so grob ausschlachteten., wie sie nur konnten, und dabei kein gutes Haar an der deutschen Wirtschaftspolitik ließen, genügte noch nicht. Der Vertreter der „Financial Times“ in Frankfurt verkaufte seinen Aufsatz noch einmal, und zwar an die „Rundschau“, die ihn erfreut nachdruckte, wieder mit dem Vermerk (den schon die britischen Kommentare getragen hatten): dies seien Informationen aus USA-Kreisen der Hohen Frankfurt sion. Der Autor ist also, wie man in Frankfurt weiß, Paul Sehring alias Julius Löwenthal, der Deutschlandexperte für die Labour-Partei. Dasselbe Konzept, ausgewalzt in eine ganze Artikelserie, erschien dann in der Stuttgarter „Deutschen Zeitung“, also der ehemaligen „Wirtschafts-Zeitung“.

Das war nun das Signal für die Oppositionspresse, in hellen Haufen zu den Haberern zu stoßen. Erschien bei den Stuttgartern die Kritik noch unter dem leicht tadelnden Titel „Ein fragwürdiges Programm“, so schlug die Kieler „Volkszeitung“ schon ganz anders auf die demagogische Pauke: „Ein Jahr nutzlos vertan“, so heißt der gleiche Aufsatz da, und triumphierend wird festgestellt, daß die „Wirtschafts-Zeitung“, die grundsätzlich („wie Erhard“) auf dem Boden des freien Marktwirtschaft stehe, ein solch „vernichtendes Urteil“ über seine Wirtschaftspolitik abgebe.

Waren brave Bursche drunter,

Wie nur kamen sie,

Dieses Brüder, nimmt mich Wunder,