DIE ZEIT

Moskaus Offensive gegen Frankreich

Der kürzeste Weg von Moskau nach Paris führt über Peking, Tokio und Calcutta.“ Am Quai d’Orsay wird man gewiß an dieses berühmte Wort Lenins gedacht haben, als die unglaubliche Nachricht eintraf, daß der Kreml seinen anamitischen Agenten, den Bandenführer Ho-Chi-Minh, der nicht einmal einen festen Wohnort geschweige denn eine Hauptstadt hat, als legale Autorität in jenem Teil Französisch-Indochinas anerkannt hat, der heute Viet-Nam heißt.

Was kann gegen die Arbeitslosigkeit geschehen?

Wir haben jetzt im Gebiet der Bundesrepublik rund zwei Millionen registrierte Arbeitslose. Die meisten Anzeichen sprechen dafür, daß diese Zahl im Laufe der nächsten Wochen bis zum Ende des Winters noch beträchtlich steigen könnte.

Württembergs geliebter Herr

Als Reinhold Maier, Ministerpräsident von Württemberg-Baden, im Oktober seinen 60. Geburtstag feierte, priesen seine Landsleute mit viel schönen Reden die echt schwäbische Redlichkeit, den nüchternen Idealismus und schlichten Fleiß ihres großen Sohnes.

Nürnberg revidiert sich selbst

Einen Tag vor der Urteilsverkündung im letzten Nürnberger Prozeß, dem sogenannten Wilhelmstraßenprozeß, erklärte das amerikanische Gericht, es werde angesichts der Menge und Unübersichtlichkeit des behandelten Stoffes in den USA erneut Zusammentreten, um das Urteil nach der Verkürzung noch einmal zu überprüfen.

DIE WOCHE

Präsident Truman befahl, mit der Herstellung der Wasserstoffbombe zu beginnen. In Washington wurde bekanntgegeben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten hoffe, diese Bombe bereits im kommenden Jahr erproben zu können.

Somalia – eine Prestige-Kolonie

Vor kurzem wurden die Verhandlungen zwischen Italien und dem Treuhandschaftsrat der UNO über Somaliland beendet. Der Vertrag, der den Italienern auf zehn Jahre die Treuhänderschaft überträgt, ist am 4.

Karl Seitz †

Als der junge sozialdemokratische Abgeordnete Karl Seitz in seiner Jungfernrede im niederösterreichischen Landtag der christlich-sozialenMehrheit übel zusetzte, rief ihm ein Gegner zu: „Daß ihr, die G’scheitern seid, wissen wir ja, aber wir sind die Mehrern.

Das Ballett aus Monte Carlo

Es sind zu wenig Zeugen unter uns, die aus eigner Anschauung wissen, wie es um die Ballettkunst im heutigen Rußland bestellt ist.

Notizen

Zur 200, Wiederkehr des Todestages von Johann Sebastian Bach hat der deutsche Bach-Ausschuß einen Wettbewerb für Organisten, Cembalisten, Pianisten, Geiger und Sänger ausgeschrieben.

Verspieltes Leben

In dem modernsten Kino Hamburgs, in dessen heißem Südsee-Namen „Bali“ sich ganz profan die Bahnhofslichtspiele verbergen, gibt es – nach amerikanischem Muster – in der letzten Reihe Doppelsitze für Liebespaare.

65 Jahre Künneke

Düsseldorf, im Februar Wenn man Eduard Künneke heißt und 65 Jahre alt wird, sollte man glauben, in der Öffentlichkeit kaum übersehen werden zu können.

Golden Boy

Wenn auf der Bühne des „Deutschen Theaters“ in Berlin (diesmal in den Kammerspielen) ein amerikanischer Autor gespielt wird, geschieht es aus politischen Gründen.

Der Cornet in Tönen

Meist sind die Matineen der Hamburgischen Staatsoper für die Freunde der modernen Musik ein Labsal meist, doch nicht immer. War es am vergangenen Sonntagvormittag auch eine glückliche Idee, Strawinskijs Kammersymphonie in Es (Dumbarton Oaks), die wir schon 1946 in Hamburg unter Schnackenburg hörten, am Anfang und am Ende der Veranstaltung, also zweimal, zu spielen, so zeigte sich daß dieses kühl-graziöse Stück ein allzu kostbarer Rahmen war.

Der Swift unserer Zeit

einem bewegten Leben George Orwell im Alter von 46 Jahren. In ihm verliert der englische Sozialismus eine seiner prägnantesten und eigenwilligsten Gestalten.

Der letzte Grad

Am dürren Holz der systemstaatlich gesteuerten sowjetischen Theater- und Filmproduktion werden, wie oft gemeldet, laufend der Formalismus, der Kosmopolitismus und das Westlertum erledigt.

Herr Becker im Hades

Äakus (Totenrichter): „Ich habe dich rufen lassen, Charon, um von dir Rechenschaft zu fordern über den schlechten Geschäftsgang.

Einsiedler und Weltmann

Wenn es Gott nicht gäbe, müßte man ihn erfinden“, hat Voltaire gesagt. Descartes, den Philosophen, hat es wirklich gegeben; trotzdem hat man ihn später eigens erfunden – zu Voltaires Zeiten, als den Optimisten der Vernunft, den ersten aufgeklärten Freigeist, kurz: als den Schöpfer des Rationalismus, der moderlen Weltauffassung.

Eine deutsche Malerin

Vor zwanzig Jahren, am 8. Februar 1930, starb eine Malerin, deren Name kaum über Hamburg hinaus bekannt geworden ist, die aber zu jenen in Deutschland so seltenen malerischen Begabungen gehörte, denen es gelang, den ganzen Reiz der farbigen Atmosphäre ihrer Umgebung, der Gegend also, in der sie aufgewachsen waren und lebten, einzufangen und darzustellen: Dorothea Maetzel-Johannsen.

Das Urteil der Mutter

Die berühmte englische Journalistin hat als Berichterstatterin an allen Verhandlungen gegen Landesverräter teilgenommen, die in England nach dem Krieg abgeurteilt wurden.

Kaisers neuer Rekord

Daß bei einer Uraufführung mehrfach begeisterter Applaus bei offener Szene einsetzte, ist heutzutage etwas so Seltenes, daß man es vorweg erwähnen muß.

Demontage des Theaters?

In der anklagenden Frage: Demontage des Theaters? gipfelte eine von Empörung geheizte Rede, die Erich Otto, der Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, in Köln vor mehreren tausend Mitgliedern hielt.

Der Zweifler

Eine Sammlung von Briefen Descartes’, die in dieser Form in deutscher Sprache zum erstenmal veröffentlicht wird (Descartes: Briefe 1629 bis 1650, herausgegeben von Max Bense, übersetzt von Fritz Baumgart, Staufen-Verlag, Köln und Krefeld), wird dem an der Philosophie interessierten Publikum willkommen sein.

Das Tausendjährige Reich

Wilhelm Fränger gehört zu einer sehr deutsehenGelehrtengruppe, die in dem Geheimnis, das jedes Kunstwerk seiner Natur nach umgibt, einen unmittelbaren Hinweis auf Geheimlehren zu entdecken glaubt.

Höhere Löhne, größere Abschreibungen

Dr. Kurt Pentzlin (Hannover) überrascht seine Freunde nicht nur mit der Ankündigung zweier Buchpublikationen („Rationelle Produktion“, Verlag Karl Bäsch, Kassel, und Verlag C.

Engpaß Stahl

Mit einer Stahlproduktion von 906 000 t hat der Januar ein Rekordergebnis und die Fortsetzung der seit November allgemein erwarteten Entwicklung in der Auftragslage der deutschen Eisen- und Stahlindustrie gebracht.

Haberfeldtreiben

Kürzlich hieß es in der Tagespresse, ein Sprecher der Hohen Kommission habe sich gegen eine deutsche Steuerreform erklärt, mit der Begründung; dergleichen sei hervorragend unzeitgemäß in einem Moment, da in den USA die Steuern erhöht werden müßten.

Schmalz muß billiger werden

Schmalz ist, wie alle anderen (tierischen und pflanzlichen) Fette „draußen“, in den großen Überschußgebieten, billiger als in Deutschland.

Nur symbolisch

Während der Pariser OEEC-Konferenz ist in den letzten Januartagen „Uniscan“ aus der Taufe gehoben worden. Die Außenminister der drei skandinavischen Staaten und Englands Schatzkanzler unterzeichneten eine Vereinbarung, wonach man sich gegenseitig zu Vorschlägen des Inhalts verpflichtet, wie „alle vier Regierungen laufende Zahlungen ohne Einschränkung zwischen den vier Ländern genehmigen“ können.

Mut zum Optimismus

Die Diplomaten der Großmächte haben der Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsvertrages ein wenig nachgeholfen, meint man in Brüssel.

Traktat über Über-Organisation

Die Bundesregierung hat dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Errichtung einer „Bundesstelle für den Warenverkehr“ vorgelegt, die sich mit der zentralen Bearbeitung von Einfuhr, Ausfuhr und Interzonenhandel, also mit dem Außenhandel beschäftigen soll.

Leicht übertrieben

Selbstverwaltung ist gewiß gut und schön und erstrebenswert – aber man kann sie durch ein Übermaß an Institutionen auch leicht übertreiben.

,,Economist“ reagiert mit Schadenfreude

Daß manchen Kreisen Großbritanniens die Erfolge unserer Wirtschaftspolitik nicht passen, ist verständlich. Es gilt für sie also, diese Politik da zu diskreditieren, wo sie ihre stärkste Stütze findet, nämlich in den USA.

Betriebssteuer-Pläne

Wichtigstes Ziel der augenblicklichen Bemühungen, die die im Jahre 1905 gegründete „Centrale für Gesellschaften mit beschränkter Haftung Dr.

Verbraucher wird Kunde

Was da alles zum Vorschein kam! Sämtliche Etappen, die die Wirtschaft seit der Geldneuordnung zurücklegte, wurden, sozusagen im Zeitraffer, noch einmal vorgeführt: da war der Leinwandschuh in denkbar schlechter Verarbeitung, da war das kniefreie Kleid, der New Look erster, zweiter, dritter Ausgabe, da waren Stoffe aller Qualitäten, Geschirr in jeder Form – der Winter-Schluß-Verkauf zeigte die „Dispositionssünden“ des Handels.

Die unsterbliche Verschwörung

Wenn man den Augenblick deuten kann, an dem der jugoslawische König Alexander in Marseille den Schüssen der Ustaschi zum Opfer fiel, dann so: es war der Katastrophentag in der Geschichte des jungen Staates.

Tätigkeit macht glücklich

Prägt die Stadt ihren Bürgermeister oder der Bürgermeister die Stadt? Dr. Kolb ist kein Frankfurter Kind, ist Rheinländer, sogar Bonner, was neuerdings in Frankfurt nicht unbedingt eine Empfehlung ist.

Der Frankfurter fuhr vierspännig

Mancher Pilger zum vergangenen Goethe-Jahr hatte sich das Wiedersehen mit Frankfurt nicht so traurig gedacht. Zwischen Goethe-Haus, Römer und Dom – bis 1943 die wohlerhaltene Stadt großer Vergangenheit – dehnt sich noch heute eine einzige Kraterwüste, überragt von den zerfetzten Rümpfen der Klöster und Kirchen, Museen und Archive.

Am großen Hirschgraben

Thornton Wilder hat soeben die Tantiemenaus der Dramatisierung seines Romans „The bridge of St. Luis Rey“ dem Freien Deutschen Hochstift für den Aufbau des Goethe-Hauses überwiesen.

Säulen der Wirtschaftsorganisation

Frankfurt ist nicht allein eine Stadt des Handels, der Banken und der Industrie, sondern auch eine Stadt der wirtschaftlichen Organisationen.

Frankfurter Merkwürdigkeiten

In Frankfurt am Main ist eine prominente Straße verschwunden, die prominenteste, die es hier gab; das ist sehr merkwürdig, weil es erst in der bomben losen Nachkriegszeit geschah.

Frankfurt als Bankplatz

Der Verfasser, Dr. Walter Hofmann, der als Direktor der Frankfurter Bank mit den speziellen Bankaufgaben Frankfurts ebenso vertraut ist wie als Herausgeber der „Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen“ mit den Fragen des westdeutschen Kreditwesens, erweitert seine Betrachtung in Richtung auf ein standortmäßiges Plädoyer für die Stellung Frankfurts als Geldplatz, mit dem wir allerdings keine neue wirtschaftspolitische „Hauptstadtfrage“ auslösen wollen.

Städtische Wirtschaftsförderung

Frankfurt steht unter dem Eindruck, daß durch die Entscheidung von Bonn neue Fronten abgegrenzt sind, und daß es damit vor eine bedeutsame Wende der Kommunalpolitik gestellt ist.

Devise Sauberkeit

Wenn – wie im Fall Mouson – das Schwergewicht einer 150jährigen Tradition manche Schwierigkeiten vielleicht schneller beseitigen konnte, so mußten andere Firmen mit all den Schwierigkeiten sehr kämpfen, die ein Wiederaufbau aus Trümmern nun einmal mit sich brachte.

Der Standort bindet und befruchtet

Die klassische Lehre vom Standort einer Industrie hat August Friedrich Mouson wohl noch nicht gekannt. Sein Entschluß, in Frankfurt zu bleiben, wo er 1798 eine kleine Seifensiederei übernommen hatte, mag eher persönliche Gründe gehabt haben.

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