Selbstverwaltung ist gewiß gut und schön und erstrebenswert – aber man kann sie durch ein Übermaß an Institutionen auch leicht übertreiben. Diesem Fehler verfällt offensichtlich ein Gesetzentwurf über die Selbstverwaltung in der (gesetzlichen) Rentenversicherung, der jetzt in Bonn zur Beratung steht. Man will die Institution des „Versicherten-Ältesten“ auf der ganzen Linie einführen, die es früher bei der Angestellten-Versicherung gegeben hat, heute bei der Knappschaft noch gibt. Ihre Übertragung auf die allgemeine Versicherung würde einen monströsen Apparat schaffen- – allein für eine der großen Landesversicherungsanstalten brauchte man über 3000 dieser „Vertrauensleute“, mit einem monatlichen Spesenaufwand von je 50 DM – und wird dabei doch den erstrebten persönlichen Kontakt zwischen dem einzelnen Rentenempfänger und der ihn betreuenden „Behörde“ nicht herstellen können. Und wie soll der zu erwartende Schriftverkehr zwischen den „Ältesten“ draußen in Stadt und Land einerseits, der Zentrale (also der Landesversicherungsanstalt) anderseits, abgewickelt werden können? Wie denkt man sich ferner die Schulung der „Ältesten“, also ihre Einweisung in die genaue Kenntnis und Beherrschung des so komplizierten Sachgebiets, damit sie. einwandfreie Rechtsauskünfte geben können?

Dieser Weg der Popularisierung versicherungsrechtlicher Einrichtungen ist also kaum gangbar. Ebenso problematisch ist die in einem Bürokratenhirn entstandene Idee, ein Parlament der Versicherten (Versicherungspflichtige plus freiwillig Versicherte) zu schaffen, das bescheiden genug als „Vertreterversammlung“ bezeichnet wird. Wer würde wohl zur Wahl gehen, außer den politisch entsprechend „aufgeklärten“ Anhängern der radikalen Parteien? Warum denn überhaupt der ganze kostspielige Wahlapparat, da es ja ohnedies Berufsorganisationen gibt, deren Vertreter in einen solchen Beirat berufen werden können? So, wie geplant, kann man der „demokratischen Idee“ nicht entsprechen; man kann sie aber sehr leicht empfindlich diskreditieren. Das ist auch die Ansicht der Arbeitnehmervertreter innerhalb des Verbands deutscher Rentenversicherungsträger“; die Arbeitgebervertreter stimmen ihnen dabei rückhaltlos zu. Der Gesetzentwurf, der außerdem den wenig glücklichen Vorschlag enthält, die Geschäftsführung der einzelnen Versicherungsanstalten in die Hände gewählter und ehrenamtlich tätiger Vorstandsmitglieder – mit nur vierjähriger Amtsdauer! – zu legen, anstatt sie (wie bisher) „beamteten“ Personen anzuvertrauen, ist also wieder einmal von der Ministerialbürokratie ohne Fühlungnahme mit den Nächstbeteiligten entstanden. Facit: man will ungenügend bedachte, reichlich weltfremd anmutende Reformen gegen die Meinung der Praktiker durchsetzen. G. K.