Die Diplomaten der Großmächte haben der Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsvertrages ein wenig nachgeholfen, meint man in Brüssel. Ob mit oder ohne Hilfestellung; der Vertrag ist endlich paraphiert, und die Hohe Kommission scheint nichts dagegen zu haben. Man ist also einen Schritt weitergekommen auf dem Weg zur guten Nachbarschaft und zur wirtschaftlichen Annäherung – mit der vorläufigen zeitlichen Begrenzung des Vertragsinhalts auf ein halbes Jahr, damit die französische Industrie, nach den Worten des verantwortlichen Franzosen, Hervé Alphand, die Möglichkeit hat, „den Stand der deutschen Konkurrenz kennenzulernen.“ Zollfreiheit behält man sich – klarer ausgedrückt – also noch vor. Wenn in Zukunft die Wirtschaftsgespräche nur um Zölle geführt zu werden brauchen, kann man zufrieden sein.

Der Vertrag läßt einen Warenaustausch, aufs Jahr berechnet, von fast 600 Mill. $ zu, so, daß Deutschland von den ERP-Ziehungsrechten, die es Frankreich zu gewähren hat, freikommen kann. Man unterscheidet von französischer Seite freie, erlaubte (aber kontingentierte) und verbotene Importe. Westdeutschland genehmigt nicht die Düngemitteleinfuhr und wendet im übrigen die bekannten Freilisten im vollen Umfang an. Den Reiseverkehr behandelt man beiderseits, was Devisen anbetrifft, bis zu 500 DM oder 50 000 ffrs freizügig und fakturiert, allgemein in Franken und D-Mark. Die Dollarklausel ist also einmal mehr gefallen.

Auf die Austauschtechnik kommen wir noch zurück. Schon jetzt läßt sich sagen, daß alle Hoffnung besteht, Frankreich künftig an erster Stelle unter den deutschen Abnehmerländern zu sehen. W-n.