Frankfurt ist nicht allein eine Stadt des Handels, der Banken und der Industrie, sondern auch eine Stadt der wirtschaftlichen Organisationen. Etwa 70 Wirtschaftsverbände haben sich nach 1945 hier niedergelassen. Seitdem nun Bonn zur Bundeshauptstadt erklärt worden ist, erhebt sich die Frage, ob die Geschäftsführungen dieser Verbände nach Bonn übersiedeln müssen. In der Befehls- und Kriegswirtschaft, als die Wirtschaftsverbände mehr oder weniger als „verlängerter Arm“ der Ministerien fungierten, war es gewiß notwendig, daß die Wirtschaftsgruppen sich am Orte der Ministerien befanden, um in enger Verbindung mit ihren „Befehlsstellen“ zu sein. In der freien Marktwirtschaft werden sich die Verbände aber wieder mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben, nämlich die Wahrung der Interessen ihrer Mitglieder, konzentrieren können, und die Fachverbände werden zweckmäßigerweise dort domizilieren, wo der wirtschaftliche Schwerpunkt der Betriebe liegt, die sie betreuen.

Vor 1933 befanden sich wichtige Fachverbände, wie der Verband der deutschen Schiffswerften in Hamburg, die Vereinigung der Eisen- und Stahlindustrie in Düsseldorf und der Verband der Schmuck- und Silberwarenindustrie in Pforzheim, ohne daß diese Verbände Zweigstellen in Berlin unterhielten. Es genügte, daß der Spitzenverband, der Reichs verband der Deutschen Industrie, in Berlin seinen Sitz hatte, in enger Fühlungnahme mit den Ministerien stand und die Fachverbände über alle Fragen unterrichtete, die auf höherer Ebene zu regeln waren. Auch heute ist wieder eine Spitzenvertretung der Industrie in dem „Ausschuß für Wirtschaftsfragen der industriellen Verbände“ vorhanden, der in enger Verbindung mit der Bundesverwaltung steht. Es wird auch zu überlegen sein, ob fachliche Arbeitsgemeinschaften, die auf Bundesebene tätig sind, mit den Bundesverwaltungen nach Bonn übersiedeln. Die reinen Fachverbände hingegen werden unbedenklich in Frankfurt verbleiben können.

Heute unterscheiden wir drei „Säulen“ der wirtschaftlichen Organisation, nämlich die Industrie- und Handelskammern, die Industrie- und Handelsverbände und die Arbeitgeberverbände. Die 79 Industrie- und Handelskammern des Bundesgebietes finden ihre Spitzenvertretung im „Deutschen Industrie- und Handelstag“, der in Frankfurt domiziliert. Während die Kammern ihre eigentliche Aufgabe in der Vertretung der gesamtwirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder sehen, bringen die Fachverbände das Besondere des betreffenden Wirtschaftszweiges zur Geltung.

Auch die Organisation des Großhandels weist, wie diejenige der Industrie, auf Grund der politischen Bedingtheiten der letzten Jahre, gewisse Uneinheitlichkeiten auf. Den acht Ländern der Vereinigten Wirtschaftsgebiete entsprechend sind Landesverbände des Groß- und Außenhandels gebildet, zu denen die in der französischen Zone vereinigten Verbände hinzutreten werden. Während also auf regionaler Ebene die Landesverbände tätig sind, wurden, ähnlich wie bei der industriellen Gliederung, Fachverbände gegründet, die die fachlichen Sonderinteressen der Groll- und Außenhandelsfirmen wahrnehmen. – Die genossenschaftlichen Großhandelsunternehmungen gehören dem „Zentralverband“ an, der seine Spitze in der „Hauptgemeinschaft des genosserschaftlichen Groß- und Außenhandels“ findet.

Der Einzelhandel ist klarer gegliedert; an der Spitze steht die „Hauptgemeinschaft des Einzelhandels“, deren Mitglieder die in den einzelnen Ländern gebildeten Landesverbände sind, die sich wiederum in Bezirksverbände, Kreisverbände, Ortsvereinigungen und – fachlich – in Landesfachgemeinschaften, Fachvereinigungen und Fachausschüsse (mit dem entsprechenden regionale! Unterbau) gliedern.

Im Rahmen des fachlichen Aufbaus ist auch die Organisation der Handelsvertreter und Handelsmakler zu erwähnen, die ihre Spitze in der „Zentralvereinigung deutscher Handelsvertreter und Handelsmaklerverbände“ findet und sich in den einzelnen Ländern auf Landesverbände stützt

Sowohl das Bankgewerbe, das in der „Arbeitsgemeinschaft der Verbände des privaten Bankgewerbes“ zusammengefaßt ist, als auch das Versicherungswesen, das im „Gesamtverband der Versicherungswirtschaft“ organisiert ist, weisen im Aufbau eine klare und übersichtliche Gliederung auf. Dazu kommt die „Arbeitsgemeinschaft deutscher Sparkassen- und Giroverbände und Giro-Zentralen“ sowie die „Arbeitsgemeinschaf: der Verbände der bevollmächtigten Versicherungsgeneralagenten“.