Schmalz ist, wie alle anderen (tierischen und pflanzlichen) Fette „draußen“, in den großen Überschußgebieten, billiger als in Deutschland. Die niedrigeren Preise der Importe kamen aber auf dem Inlandsmarkt bisher deshalb nicht zur Geltung, weil vom Importeur ein „Abschöpfungsbetrag“ – 80 Pfennige je Kilo – eingeben wurde, um die Ware preislich auf das Inlandsniveau „heraufzuschleusen“. Das hat („Die Zeit“ berichtete schon mehrfach darüber) zu allerlei Mißhelligkeiten geführt, weil nämlich der Exporteur „draußen“ in der Lage war, einen größeren oder kleineren Teil dieser Abschöpfungsquote in die eigen; Tasche zu leiten, indem er die Ware zu einem künstlich erhöhten Preis in seinen deutschen Geschäftspartner lieferte.

Der eine Effekt des Systems, die Aufrechterhaltung der „überhöhten“ Inlandspreise für Fett, wurde so zwar erzielt, zur Freude der Bauern. Aber der andere Zweck der Maßnahme blieb unerfüllt; nämlich die Speisung eines Fonds dessen Mittel dazu beitragen sollten, die – im übrigen aus der Steuerkasse zu zahlenden – Zuflüsse für die künstliche Verbilligung von Brotgetreide (und anderen Lebensmitteln, die ‚draußen“ teurer sind, als bei uns) möglichst liedrig zu halten. Um das böse Spiel der ausländischen Lieferanten zu verhindern, entschlossen ich die beteiligten Ressorts, Ernährung und Finanz, nun wieder Einfuhrzölle zu erheben, um dis bewußte Preisdifferenz auf diesem Wege direkt abzuschöpfen. Mit Kopfschütteln las man; Der Schmalzzoll von 100 DM (je Doppelzentner) sei wieder „in Hebung getreten“. Es gab Proeste – von vielen Seiten. Darauf ermäßigte das Finanzministerium den 100-DM-Zoll, der ja auch ein ausgesprochener Kampf- und Autarkieteil aus Zeiten des tausendjährigen Reiches war, im 40 DM. Aber: wenn seinerzeit für die Wiedereinführung des Satzes von 100 DM immerhin eine gewisse (wenn auch dubiose) Rechtsgrundage gegeben war, so gilt für den heute erhobenen Zoll eindeutig, daß er gesetzwidrig ist. (Die Analogie mit gewissen Vorgängen auf dem „anderen“ Ölmarkt, dem für Mineralöl nämlich, liegt nahe.)

Nun wurde inzwischen der Butterpreis erhöht – mit der Begründung, daß der Inlandspreis unter dem Auslandspreis liege. Das muß wohl ein Irrtum gewesen sein ... Denn noch hat man nichts davon gehört, daß sich unsere Exporteure (oder ausländische Importeure) für Ausfuhrgeschäfte in deutscher Butter interessiert hätten: Geschäfte, die man sich nur wünschen könnte, weil sie unsere Devisenbilanz verbessern und zu einer natürlichen Preisangleichung führen würden. Wenn der dänische Bauer, und der Verbraucher dort, billiges Schmalz und billige Margarine essen, um dafür die teure Cutter nach England zu verfrachten; wieviel mehr hätten wir Anlaß, das gleiche Geschäft zu machen, das einem besiegten und verarmten Land wohl anstellen würde! – Es muß also verlangt werden, daß der Finanzminister nicht Zölle einhebt, die ungesetzlich sind, und daß zum Ausgleich für die verteuerte Butter nun die anderen Fette ohne zusätzliche Verteuerung hereinkommen – wenigstens ab 1. Juli. Eine Übergangsregelung bis dahin wird sich ja schaffen lassen.

Ab 1. Juli aber, und das sollte man schon jetzt klarstellen, müßte die Regelung doch wohl so aussehen, daß mit dem Fortfall der Verbilligungszuschüsse für Getreide, wenn also die Getreidepreise den Anschluß an den Stand „draußen“ gewinnen, auch für die sonstigen Lebensmittelpreise, ohne jede „Schleuse“ in Form von Zöllen oder sonstwie, der gleiche Anschluß hergestellt wird. Bei billigem Fett ist die gleichzeitige Verteuerung von Weizenbrot und Kuchen auch sozial zu verantworten; Roggen wird, da reichlich vorhanden, ohnedies kaum merklich im Preis steigen. An die Weiterzahlung der Lebensmittelsubventionen für das neue Erntejahr aber ist ja schon aus finanzwirtschaftlichen Gründen nicht mehr zu denken, J. P. H.