Vor kurzem wurden die Verhandlungen zwischen Italien und dem Treuhandschaftsrat der UNO über Somaliland beendet. Der Vertrag, der den Italienern auf zehn Jahre die Treuhänderschaft überträgt, ist am 4. Februar vom italienischen Parlament gebilligt worden. Bei der Abstimmung haben die Kommunisten und einige Abgeordnete der Linken scharf gegen das Mandat Stellung genommen mit der Behauptung, die italienischen Truppen würden zu einem „gefährlichen Abenteuer“ in den Tod geschickt.

F. G. Rom, im Februar

Fünftausend italienische Soldaten stellen im Hafen von Neapel zur Einschiffung nach Somalia bereit, Regierungsfunktionäre, Polizei, Kaufleute und einige der Farmer, die nach Kriegsende von den Engländern repatriiert worden waren, werden ihnen folgen. Die Aufgaben, die sie erwarten, sind nicht leicht. Der Nationalismus der eingeborener Mohammedaner ist. – wie die ständig von der bewaffneten „Partei der Jungsomalier“ provozierten Zwischenfälle beweisen – noch keineswegs gedämpft. Und man muß annehmen, daß der nationalistische Dreck unter den wohlwollenden Augen der rivalisierenden Anliegerstaaten Abessinien und England eher zu- als abnimmt, je mehr sich das Ende der Trusteeship nähert. Ein anderes Problem ist die Grenzfestlegung mit Abessinien, ein Problem, das nie gelöst worden ist: alle erinnern sich des tragischen Grenzzwischenfalles von Ual-Ual, der Mussolini den Vorwand zum Angriff gegen den Negus lieferte. Im Genfer Trusteeship-Übertragungsstatut sind Italien weitgehende souveräne Rechte in der Ausübung seiner Treuhänderschaft zugesprochen worden und unter ihnen als bedeutendstes die Einrichtung von Militärbasen –, zur gleichen Zeit aber hat man der italienischen Verwaltung eine internatiomale Kommission zur Seite gestellt, die sich aus Vertretern Kolumbiens, Ägyptens und der Philippinen zusammensetzt. und den italienischen Beamten manchen Knüppel zwischen die Beine werfen wird; die unmißverständlich feindselige Haltung des philippinischen Delegierten gegenüber Italiens Besatzungsstatut-Vorschlägen war der erste Vorgeschmack.

Angesichts aller dieser Schwierigkeiten muß man sich fragen, warum Italien so hartnackig darauf bestand, die Treuhänderschaft über ungefähr 1,4 Millionen verhältnismäßig primitiver Eingeborener zu übernehmen und über deren zwar weites, aber minimal kultiviertes und vorherrschend unfruchtbares Gebiet. Vor dem Kriege deckten die Einnahmen Somalilands nicht einmal ein Drittel der Verwaltungsunkosten, und auch in Zukunft wird es eine schwere finanzielle Last für den italienischen Staat darstellen, zumal sich infolge der zeitlichen Begrenztheit der Besatzung irgendwelche größere Kapitalinvestitionen nicht lohnen. Die Rückkehr Italiens nach Afrika war eine Frage des Prestiges. In ihr fanden sich alle Parteien zusammen, von den nationalistischen Neo-Faschisten Almirantes bis zu Togliattis Kommunisten; nur vereinzelte Sozialdemokraten und Mazzini-Republikaner erhöhen getreu ihrer antikolonialen Parteitradition ihre warnende Stimme: „Kein“ Pfennig und keinen Soldaten für Afrika!“ Unbeachtet des italienischen Blutes, das in Nordafrikas teuren vergossen worden ist – von Adua 1896 über Libyen 1911 und Abessinien 1935 bis Tobruk –, liehen nur wenige dieser Stimme ihr Chr.

Die Tatsache, daß die Linksextremisten, die in allen Fragen eine konsequente und oft blinde Opposition gegen di Gasperi betreiben, sich in der Frage der Kolonien auf die Seite des nationalen Prestiges gestellt haben, ist einer näheren Betrachtung wert, In all den Monaten, in denen der diplomatische Kampf Sforzas um die Kolonien oft genug dramatische Aspekte annahm, teilten die Sozialkommunisten den Groll des Landes gegen London: die extremistische Presse verstieg sich dabei sogar zu Angriffen gegen die eigene Regierung, die sich bereit zeige, „die afrikanischen Basen an den Yankee-Imperialismus zu verschachern“. Inzwischen hat sich der Ton gewandelt. Als im Genfer Disput über das Recht Italiens, Militärbasen in Somalia zu errichten, der Vertreter der Dominikanischen Republik unterstrich, der letzte Krieg habe, bewiesen, daß „die Verteidigung Europas in Afrika begann“ und Italien habe die Pflicht, an die Verteidigung des ihm anvertrauten Somalia zu denken, rührte er damit an das Thema des „Kalten Krieges“ in Nord- und Ostafrika. Wie wichtig auch dem Kreml diese Gebiete sind, beweist die unverhältnismäßig hohe Zahl von Funktionären in der Sowjet-Botschaft von Addis Abeba und die Anwesenheit von mehr als 400 russischen Ärzten in der Hauptstadt des Negus. Togliatti hat den Ton geändert, als er von Militärbasen in Somalia hörte, und es ist nicht ausgeschlossen, daß er in den allernächsten Tagen entdeckt, daß die KPI ja immer gegen den Kolonialismus war. Togliattis Innenpolitik ist ein Teil der Außenpolitik des Politbüro. Die italienischen Militärbasen aber werden die Kreml-Agenten in Addis Abeba dazu anspornen, ihre Wühltätigkeit unter den Somaliern zu verstärken. Die Kommunisten des eigenen Landes im Rücken, die Moskauer Agenten vor den Toren der Kolonie, wird die italienische Besatzung die schwierige Aufgabe haben Europa in Afrika zu verteidigen und gleichzeitig die Eingeborenen darauf vorzubereiten, später einmal Afrika gegen Asien zu verteidigen.