Prägt die Stadt ihren Bürgermeister oder der Bürgermeister die Stadt? Dr. Kolb ist kein Frankfurter Kind, ist Rheinländer, sogar Bonner, was neuerdings in Frankfurt nicht unbedingt eine Empfehlung ist. Dennoch hat er sich stets für Frankfurt als Bundessitz eingesetzt, mehr als manchem eingesessenen Frankfurter lieb war. Dr. Kolb war gern bereit, dem Frankfurter Vertreter der „Zeit“ die Probleme Frankfurts darzulegen.

Welche Konsequenzen hat die Stadt Frankfurt aus der Bonner Entscheidung gezogen?“ Der Oberbürgermeister erwiderte: „Diese Angelegenheit ist für die Stadt Frankfurt erledigt. Wenn wir damals unsere Vorschläge zur vorläufigen Unterbringung der Bundesorgane in Frankfurt unterbreitet halben, bis Berlin wieder in seine alten Rechte eintreten könne, dann geschah es im Interesse des deutschen Steuerzahlers, der vor unnützen Ausgaben bewahrt werden sollte. Unser Blick ist auf die Zukunft gerichtet, und wir werden jetzt stärker noch, als es bisher geschehen konnte, uns jenen Aufgaben zuwenden, die Frankfurt als Wirtschaftszentrum des süd- und westdeutschen Raumes und als international bekannte und angesehene Finanz-, Handels- und Wirtschaftsstadt zu erfüllen hat.“

„Was ist bisher für den Wiederaufbau geschehen?“

„Unser erstes Werk war die Wiederherstellung der zerstörten Mainbrücken. Sie sind alle elf wieder fertig, eine Leistung, auf die wir stolz sind. Brücken sind mehr als Verkehrsmittel, sie sind auch Symbole. Vor dem Wiederaufbau aber steht die Trümmerbeseitigung. Wir haben es dabei schwieriger beispielsweise als Hamburg, das seine Trümmer zur Aufschüttung, etwa zum Ausfüllen von Kanälen, verwenden kann. So ergab sich fast zwangsläufig der Weg der Trümmerverwertung. Wir holen die Steine aus dem Schutt.“

„Das Bild des Wiederaufbaus in Deutschland ist sehr unterschiedlich. An manchen Stellen dominieren die Geschäftshäuser, an anderen die Wohnungen, Was wird in Frankfurt gebaut?“

„Wohnungen und Raum für die Wirtschaft“, spricht Dr. Kolb. „Von 177 000 Wohnungen vor dem Kriege blieben nur 44 000 erhalten. 55 000 wurden total, 23 100 mittelschwer und etwa 54 000 leicht beschädigt. Mitte 1949 hatten wir schon wieder – einschließlich der beschlagnahmten 4 500 Wohnungen – 125 000 Wohneinheiten. Im neuen Jahr wollen wir – durch gemeinnützigen und privaten Wohnungsbau – 10 000 neue Wohnungen erstellen. Leider können wir bei den öffentlichen Gebäuden, wie den Krankenhäusern, Schulen, Museen, Kirchen, Theatern, keine entsprechenden Wiederaufbauleistungen vollbringen, weil hier die Finanznot hemmend im Wege steht Wenn Frankfurt auch 42 Prozent des gesamten hessischen Steueraufkommens bestreitet, so fließen doch nur wenige Prozent in die eigenen Kassen der Stadt. Kollege Brauer in Hamburg hat es besser. Trotzdem werden wir in diesem Jahr auch das Schauspielhaus wiederaufbauen, was unseren Etat mit 2 Millionen DM belasten wird, eine Summe, die im Bauprogramm 1949 insgesamt für Sicherungsmaßnahmen an 41 Volksschulen, 7 Mittelschulen, 8 höheren Schulen, 6 Berufsschulen, das städtische Krankenhaus und für die Instandsetzungsarbeiten in den Flüchtlingslagern und Heimen noch nicht erreicht worden ist.“

„Sie sprachen auch von Raum für die Wirtschaft.“