In dem modernsten Kino Hamburgs, in dessen heißem Südsee-Namen „Bali“ sich ganz profan die Bahnhofslichtspiele verbergen, gibt es – nach amerikanischem Muster – in der letzten Reihe Doppelsitze für Liebespaare. Sie werden auch in dem jetzt dort laufenden Camera-Film „Verspieltes Leben (Ulyssa)“ auf ihre Kosten kommen. Weiter vorn ist das nicht so leicht. Zwar hat der Film ein großes Thema, das man – und das ist stets ein gutes Zeichen – mit einem Satz umreißen kann: Wie die Menschen durch Leichtsinn und Gedankenlosigkeit ihr Leben vertun (seit 1914 bis...) Aber auch dies Thema ist vertan worden, mit freundlichen Banalitäten, leeren Dialogen, Unsensibilität, viel zu lang ausgespielten lauten Szenen. Es fehlen Prägnanz, Charme, Geschmack, ach, es fehlt viel. Ein paar originelle Überblendungen von filmischer Qualität genügen nicht, auch nicht eine ausgesuchte Besetzung bis in die Chargenrollen hinein. Man hätte Brigitte Horney für ihr erstes Wiederauftreten in einem deutschen Nachkriegsfilm einen überzeugenderen Start gewünscht. EM