Wenn etwas bei den nunmehr beginnenden englisch-deutschen Handelsbesprechungen zu gewissen Hoffnungen berechtigt, so ist es die Tatsache, daß beide Vertragspartner über das Ergebnis des vorjährigen Abkommens enttäuscht sind. Man wird also versuchen müssen, es diesmal besser zu machen.

In Großbritannien hat es überrascht, daß deutscherseits die festgelegten Wertgrenzen sowie das uns eingeräumte Überziehungsrecht bei weitem nicht voll ausgenutzt wurden. Man kritisiert das Verhalten einiger deutscher Fachstellen, die nach britischer An Sicht bei Ausschreibungen für bestimmte Produkte den Pfundblock nicht genügend berücksichtigt hätten. Tatsache ist, daß der swing von 7,5 Mill. auf dessen Erhöhung gegenüber dem früheren Betrag von nur 1,5 Mill. £ man so große Hoffnungen gesetzt hatte, nicht ausreichte, um einen Salden-Transfer in Dollars zugunsten der deutschen Außenhandelskasse zu verhindern. Der britische Unmut über diesen unerwarteten Dollarverlust ist völlig begreiflich.

Die Ursachen dieser Entwicklung auf den einfachen Nenner einer deutschen „Nichterfüllung“ bringen zu wollen, hieße jedoch den Sachverhalt verkennen. Einmal ist die Zurückhaltung beim Kauf der Produkte des Sterlingblocks auf die (vor der Pfundabwertung) viel zu hohen Preise, verglichen mit anderen Lieferländern, zurückzuführen gewesen. (Die letzten Monate weisen denn auch schon ein ganz anderes Bild auf.) Zum anderen ist die zweifelhafte Natur des uns aufgedrängten, nicht von uns gewünschten Überziehungsrechts seinerzeit bereits hier (vgl. „Die Zeit“ Nr. 35 vom l. Sept. 1949) gekennzeichnet worden, Schließlich aber ist das deutsche Guthaben, wie inzwischen wohl durch die beiderseitigen Sachverständigen festgestellt sein dürfte, nicht auf den Warenverkehr zurückzuführen, sondern auf frühere Belastungen Großbritanniens, die das Pfundguthaben auf dem Konto der Bank Deutscher Länder hervorriefen. Es ist mittlerweile stark zusammengeschmolzen.

Auf deutscher Seite hat man nun allerdings auch mit einigen Kümmernissen aufzuwarten;

Erstens weiß niemand – weder der deutsche Exporteur noch der englische Importeur –, welche deutschen Erzeugnisse nun eigentlich nach Großbritannien, den Dominions und den Kolonien verkauft werdet! können, das heißt für welche Waren die Importlizenz gewährt wird. Hierüber sind offizielle Auskünfte nicht zu erhalten, und das Ganze trägt den unbehaglichen Charakter des Zufälligen und Mysteriösen.

Zweitens; Jeder Antrag auf Gewährung einer Einfuhrlizenz für ein deutsches Produkt begegnet den hochgezogenen Brauen der amtlichen britischen Stellen, besonders aber der Importkontrolleure in den Kolonien, Protektoraten und Mandaten, als ob man damit ein anstößiges Ansinnen an sie richte. Der Grund ist immer wieder die nicht wegzuleugnende Tatsache, daß sich der beiderseitige Zahlungsverkehr zwar in Pfund abwickelt, diese jedoch durch die viel beschriene Dollarklausel die harte Natur des Dollars annehmen können. Was läge also näher, als daß man sie endlich abschaffte? Dann wäre das Dollarodium bei dem beiderseitigen Waren- und Dienstleistungsverkehr sofort beseitigt, und keiner der Partner brauchte sich von Monat zu Monat besorgt um seinen Saldo zu kümmern.

Drittens: In diesem Zusammenhang erscheint nun gerade auf deutscher Seite eine Hemmung. Man befürchtet nämlich das Entstellen eines Pfundguthabens, dessen Verwertbarkeit. recht begrenzt ist: nicht von deutscher Seite, sondern von den Ländern, die in der letzten Zeit ein derartiges Guthaben ansammeln konnten – Schweden, Italien und Frankreich gehören dazu –, wird der Vorwurf erhoben, daß die englische Regierung dem ersten, Schrittder Pfundabwertung nichtden zweiten habe folgen lassen, nämlich, für eine größere Konvertierbarkeit des Pfundes zu sorgen. Damals hätten, alleWirtschaftsbeobachter eine solche konstruktive Wirtschaftspolitik erwartet. Nichts derartiges jedoch sei geschehen. Die Pfundguthaben stellten also eine Art Zwangsanleihe an Großbritannien dar, und ihre Auflösung könne höchstens durch die verzwickten Methoden eines Kaufs von Waren aus dem Dollarraum zu. entsprechend höherem Kurs und eines Weiterverkaufs im Sterlingblock zu entsprechend höheren Preisen erfolgen. Sapienti sat est!