Erzählung von Rudolf Hagelstange Als er, wie an jedem Letzten des Monats, das illustrierte Heft für die Manteltasche faltete, dachte er daran, daß er es hier, am Kiosk des Invaliden, zum letzten Male gekauft haben dürfte. Er überlegte, ob er darüber ein Wort verlieren solle; aber der Invalide hatte schon das kleine Fenster der Bude wieder heruntergelassen. Seuthe bog in die Seitenstraße, betratden Nebeneingang des Museums und! tat, was er seit vierzig Jahren zu tun gewohnt war. Den Mantel freilich behielt er heute an. Es hatte keinen Sina, für nichts und niemanden zu frieren. Er ging durch die Säle, zog fünf Schritte vor dem Raum, in dem die alte Vase stand, den Schlüssel aus der Tasche und befreite das Gefäß von der schützenden Hülle, deren metallene Teile in einem Nebengelaß abgestellt wurden. Er ordnete mit einigen Handgriffen die Vorhänge, rückte den einzigen Stuhl etwas (ins Licht und entfaltete die eben erstandene Zeitung.

Die Art, sich ihres Inhaltes zu bemächtigen, war immer die gleiche: zunächst blätterte Seuthe das Heft flüchtig durch und überprüfte es ;a!irf Besonderheiten, so wie man beim Kirschenessen immer die größten und dunkelsten zuerst herausgreift. Dann ging er das Heft einimal Blatt für Blatt durch, betrachtete jedes Bild uwd las jede Unterschrift, untersuchte sodann die heitere Seite auf Neuheiten und nahm danach kurze, aber nicht gerade flüchtige Einsicht in Anzeigen und Reklame. Und zum Schluß, meist, nachdem er noch einmal den anziehendsten Bildern seine Aufmerksamkeit gewidmet hatte, las er den Roman oder die Erzählung.

Die Suche nach Besonderem brachte heute kein nennenswertes Ergebnis. Die Bildthemen schienen immer die gleichen; nur die Gesichter und Schau