Die Bundespost hat mit ihrer beabsichtigten Anleihe noch weniger Glück als die Bundesbahn, die immerhin eine Genehmigung, wenn auch nur sehr wenig Geld erhielt. Der ursprüngliche (wohl nicht genügend mit den beteiligten Ressorts abgesprochene) vorschnell veröffentlichte Vorschlag, wonach alle Fernsprechteilnehmer 200 D-Mark und alle Anschlußaspiranten 300 DM in Form 5 1/2-prozentiger Schuldbuchfordenungen mit zehnjähriger Laufzeit zeichnen sollten, ist auf einhellige Ablehnung gestoßen, auch im Kabinett. Die Bank Deutscher Länder, die im Kapitallenkungsausschuß bei der Genehmigung von Anleihen ein gewichtiges Wort mitzureden hat, war auch nicht erbaut von dem Plan ...

Für die Bank standen juristische Bedenken voran. Zwischen der Post und dem Fernsprechteilnehmer besteht ein Vertrag, wonach die Post die Fernsprecheinrichtungen kostenlos zur Verfügung stellt und für die Benutzung (einschließlich Abnutzung) Gebühren erhebt. Dieser Vertrag würde durch die geplante Anleihe verletzt werden, was eins Sanktionierung durch ein entsprechendes Gesetz notwendig machen würde.

Wenn die Frage dieser Neuanschlüsse – wie es ja heißt – tatsächlich nur eine Geldfrage ist, so ist allerdings nicht einzusehen, worum die Post auf diesen schon seiner Art nach dubiosen Weg verfiel. Hier handelt es sich doch um eine ganz klare Vorfinanzierung von Anlagen, die sich vom Augenblick ihrer Fertigstellung an prompt amortisieren, so daß überhaupt kein Risiko vorliegt, und eine Vorfinanzierung bei der an sich gesunden Lage der Post keine Schwierigkeiten machen sollte. Der Verdacht, daß die „Schaffung neuer Anlagen“ nur einen Vorwand für die Finanzierung anderer Objekte – wie z. B. das Bonner Netz und die dortigen Fernleitungskabel – darstellt, deren Refinanzierung sehr viel problematischer ist, liegt also leider nahe. Die Post hat – im Gegensatz zur Bahn – immer noch ein Monopol, Es verträgt sich schlecht damit, den Monopolcharakter zu Zwangsanleihen bei der Bevölkerung, die ausschließlich auf dieses Monopol angewiesen ist, zu mißbrauchen. R. E. L.