Seit voriger Woche verhandelt in Paris jener Mann über das Schicksal der Saar, vor dem Bundeskanzler Dr. Adenauer unverhohlen warnte, als er das Saarvolk aufforderte, „auf seine Regierung achtzugeben“: Ministerpräsident Johannes Hoffmann, genannt „Joho“. Obwohl die zu erwartenden Abkommen der Konferenz, die den wirtschaftlichen Anschluß an Frankreich noch enger und die politische Autonomie der noch noch vollkommener gestalten werden, den deutschen Friedensvertrag in keiner Weise präjudizieren sollen, hat die französische Regierung doch schon offen zugegeben, sie wünsche, daß die jetzt erzielten Regelungen später – unverändert übernommen würden, „joho“ hofft das gleiche. Und er hat allen Grund dazu. Denn, wenn es ihm nicht gelingt, die Pariser Ergebnisse dereinst in den Friedensvertrag hinüberzuretten, würde dies wahrscheinlich das Ende seiner seltsam verschlungenen Karriere bedeuten, deren Anfänge fast ein Vierteljahrhundert zurückliegen ...

Damals, 1928, übernahm Johannes Hoffmann die „Saarbrückener Zeitung“, ein Organ der Zentrumspartei. Seine Mitgliedschaft in dem einflußreichen katholischen Studentenverband, aus dem auch Brüning und Pünder hervorgingen, mag ihm den Weg geebnet haben. Im Saargebiet geboren, an den Universitäten Freiburg, Innsbruck und Berlin ausgebildet, hatte er sich zuvor im Weltkrieg das EK I und anschließend bei Scherl in Berlin die nationalen journalistischen Sporen verdient. Als Chefredakteur in Saarbrücken aber führte er bald einen harten politischen Kampf. Genau wie heute die Zuneigung zu Frankreich, so überwog damals die Abneigung gegen Hitler seine Gefühle für Deutschland. Er stemmte sich mit Händen und Füßen gegen den Anschluß. 1934 brachte ihm das seine abenteuerliche Flucht ein, die er in Luxemburg – wo seine Frau in der NS-Frauenschaft arbeitete – als Herausgeber der „Neuen Saarpost“ startete, die ihn als Radiosprecher nach Paris führte and auf der er schließlich, nach einem kurzen Aufenthalt in einem Kloster Südfrankreichs, als Butler beim kanadischen Gesandten – einem Quebec-Franzosen – in Rio de Janeiro Sicherheit fand. 1945 kehrte er zurück, begann das Spiel von neuem und hatte mehr Glück. Er wurde Ministerpräsident und vermögend,

Die Kurve seines politischen Aufstiegs ist die Kurve der saarländischen Autonomie. Hoff mann begann 1945 als Führer der Christlichen Volkspartei seine Politik gegen Deutschland. Als Präsident der Verfassungs-Kommission sorgte er für eine Verfassung des „autonomen, demokratisch und sozial geordneten und wirtschaftlich an Frankreich angeschlossenen Saarlandes“, Und als er 1947 auf Grund zweifelhafter Wahlen zum Regierungschef Avancierte, da war die Abtretung der Saar von Deutschland de facto besiegelt, Was „Joho“ in jenen ersten Jahren mit viel Intrige und französischer ‚Hilfe einfädelte. das sucht er jetzt mit ebensoviel Rücksichtslosigkeit und französischer Hilfe zu verewigen. Jede deutsche Strömung ist in den Untergrund verbannt.

Er ist hart im Nehmen, der „Joho“. Er kann seine Farbe wechseln wie ein Chamäleon; heute verrät er der schwedischen Presse, daß er „Deutschland und die deutsche Politik satt habe“, morgen einem deutschen Interviewer, er sei doch eigentlich „Deutschlands Interessenvertreter an der Saar“. Und er ist geschickt, sehr geschickt sogar. Es scheint, als sei Dr. Adenauers Warnung an das Saarvolk nur allzu berechtigt gewesen, Hoffentlich kam sie nicht zu spät. „Joho“ ver-

handelt in Paris... C. J.