Der an der Technischen Hochschule in Dannstadt arbeitende junge deutsche Konstrukteur Günther C. Kämpf hat nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ein „Fliegendes Auto KA-2“ konstruiert, das in der Luftfahrt- und Automobilfachwelt als die bisher beste Konstruktion auf diesem Gebiet bezeichnet wurde. Kämpf hat nicht, wie die in den USA arbeitenden Konstrukteure, den Versuch gemacht, das Flugzeug mit einem Automobil zu koppeln, sondern angeregt durch die Vorkriegserfolge der Hubschrauberkonstruktionen von Professor Focke – den neuartigen Weg beschritten, einen Hubschrauber mit den Fahreigenschaften eines Automobils auszustatten. Mit einem neuartigen „Aggregattriebwerk“ ausgerüstet – das dem Piloten je nach dem Verwendungszweck als Hubschrauber oder Auto die Ein- und Ausschaltung verschiedener Zylinderaggregate erlaubt – beträgt der Kraftstoffverbrauch bei der Verwendung als Straßenfahrzeug und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometer nicht mehr als zwölf Liter, während die „KA-2“ im Fluge eine errechnete Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h erreicht, wobei auch hier trotz erhöhter Leistung des Motors der Benzinverbrauch auf 100 km nicht über 15 Liter liegt.

Die Manövrierbarkeit der „KA-2“ ist in der Luft noch größer als am Boden. Nicht nur senkrechter Start und senkrechte Landung sind möglich, sondern auch „Stehenbleiben“ in der Luft, beliebiger Vorwärts-, Rückwärts-, Seitwärts- und Schrägflug bei vollkommener Sicherheit, denn wenn tatsächlich einmal der Motor versagen sollte – was bei einem Aggregattriebwerfe praktisch ausgeschlossen erscheint –, landet die „K A – 2“ mit Hilfe ihres großen Rotors wie ein Fallschirm.

Der Preis der „KA-2“ soll in Serienfabrikation nicht mehr als 15 000 DM oder 3500 $ betragen. Fünf Personen können bequem befördert werden. Die Ausbildung in der Bedienung des fliegenden Autos wird allerdings zwei Monate in Anspruch nehmen. Deutsche Automobilexperten sehen in der „KA-2“ eine der aussichtsreichsten deutschen Erfindungen, wenn es gelingt, die Konstruktion dem deutschen Markt zu erhalten. Im Augenblick nämlich ist eine Herstellung der „KA-2“ in Deutschland ebenso verboten wie die Herstellung jeglichen Luftfahrtgerätes. Eine Sondergenehmigung durch die Hohen Kommissare konnte bisher ebensowenig erreicht werden, wie ein ausreichender Patentschutz, so daß bisher nur wenig Fachleute Einblick in die Berechnungen und Konstruktionszeichnungen erhielten. Kurt W. Streit