Wer die Horcher an seine Wand bestellt, darf sich nicht wundern, wenn sie – außer ihrer eigenen Schande – auch das hören, was er lieber für sich behalten hätte.

Sich Indiskretionen zu wünschen, der vorwitzigen Neugier Einblicke zu gestatten – diese Gebote wurden dem Filmschauspieler anempfohlen, um sich im Konkurrenzkampf zu behaupten. Es wird nicht geradezu verlangt, daß er (oder sie) sich in jener Neugier sonnt und jeden Winkel der Existenz preisgibt. Aber viele haben es gern getan und die Schwelle nicht bemerkt, wo die Publicity aufhört, eine Methode zur Belebung des Umsatzes zu sein und anfängt, ein Moloch zu werden, der jede Regung des privaten Lebens verschluckt.

Würden sie sonst auf Umfragen nach ihrer „Lieblingsbeschäftigung“ antworten? Eine harmlose Frage, wie es scheint. Aber sie ist heimtückisch. Sie unterscheidet niederträchtig zwischen Arbeit und Beschäftigung. Filmen ist Arbeit, also wohl – so deutet die Frage an – im Grunde etwas Unliebsames. Ein Künstler, dem die Kunst wichtig ist, macht die Unterscheidung nicht. Er hat nicht neben seiner Kunst eine Lieblingsbeschäftigung, und wenn er, um sich zu entspannen, Patiencen legt, so geht es keinen etwas an.

Die Aufsaugung der privaten Sphäre, die Einmischung öffentlicher Stellen in das persönliche Leben dies einzelnen ist, wie man weiß, in den totalitären Systemen bis zur Vollkommenheit getrieben. Weit dahinter steht die Welt des Films nicht. Nur sind die Filmleute nicht bloß armselige Opfer eines solchen Systems, sondern haben es selbst über sich verhängt. Die Entprivatisierung, die Aushöhlung der Persönlichkeit ist ihr eigenes Werk.

Das ist eine Kollektivschuld, die sich biswelen an einem einzelnen bestraft. Ingrid Bergnun, denen privatestes Leben jetzt in der weitesten Öffentlichkeit durchgehechelt wird, hat sich niemals der Öffentlichkeit ungeniert aufgedrängt wie manche ihrer Hollywooder Kolleginnen, zum Beispiel Rita Hayworth, von deren Scheidungen und Eheschließungen man alles aus der Presse erfahren sollte und deren Niederkunft mit der traditionellen Indiskretion fürstlicher Wochenbette beschrieben wurde. IngridBergman ist durch eine Krise gegangen wie Millionen andere Frauen, die froh sind, daß sie Gelegenheit haben, bei sich selbst damit fertig zu werden. Sie muß es erdulden, daß man ihren „Fall“ meldet, kommentiert, beurteilt, moralische oder sentimentale Konsequenzen daraus zieht – als sei sie nicht Ingrid Bergman, sondern die Figur eines Films, in dem sie die Hauptrolle spielt.

Kunst und Leben zu nivellieren, damit fängt es an. Das Ende ist... C. E. L.