Ante Pawelitsch, 1941 bis 1945 kroatischer Staatschef, der nach dem Zusammenbruch spurlos verschwunden war, hat jetzt aus seinem Landhaus bei Buenos Aires ein erstes Lebenszeichen gegeben. In einem Kalender, der dort in kroatischer Sprache erscheint, veröffentlicht er einen Artikel, worin er den Standpunkt einnimmt, daß „sein Werk“, nämlich der kroatische Staat, den Zusammenbruch überdauert habe: er bestehe innerhalb der jugoslawischen Föderation weiter.

Das Wiederauftauchen von Pawelitsch und besonders die von ihm vertretene These haben unter den jugoslawischen Emigranten große Aufregung hervorgerufen. Kroatische Zeitschriften in Amerika, auch solche, die von früheren Mitarbeitern und Anhängern von Pawelitsch herausgegeben werden, greifen ihn heftig mit dem Argument an, daß von einem Fortbestehen des kroatischen Staates unter der kommunistischen Gewaltherrschaft Titos (der freilich selbst Kroate ist) gar keine Rede sein könne. Die serbische Emigration ihrerseits sieht in dem Artikel eine Bestätigung für ihre Auffassung, daß die Zusammenarbeit der von Pawelitsch geführten Ustaschi mit den Kommunisten, deren Ziel die Zerstörung Jugoslawiens gewesen sei, niemals aufgehört habe; sie weist darauf hin, daß Tito nach dem Kriege einen ehemaligen Ustaschi-Offizier zum ersten jugoslawischen Gesandten in Buenos Aires gemacht und die kroatische Emigration in Argentinien mit seinen Agenten durchsetzt habe. Dennoch scheint es ziemlich ausgeschlossen, daß zwischen Pawelitsch und Tito eine Annäherung stattfinden könnte. Wenn sonst nichts, dann stehen zwischen ihnen doch die Schatten von Hunderttausenden ihrer Opfer, Um so geheimnisvoller sind die Absichten, die Pawelitsch mit seinem Wiederauftreten verfolgen mag; zumal da er genug Anlaß hätte, nicht von sich reden zu machen. H. A,