Übrigens: Hat nicht der moderne Luftkrieg und die gewaltige Zerstörungskraft der neuesten Bomben die Seefestungen illusorisch gemacht? Dennoch verfügt Kronstadt nach wie vor über die gewaltige Feuerkraft von nicht weniger als 256 Geschützen, darunter zehn überschwere Batterien zu je vier 45,5 Zentimeter, und auch die Befestigungen, die sich an der estländischen Küste bei Kiviöli, dem Zentrum der für die Kriegsmarine wichtigen Ölschiefer-Industrie, nordwestlich von Narva beginnend, bis Reval hinziehen, haben eine größere Anzahl schwerer Batterien. Doch ihre Abwehrwirkung ist problematisch. Reval selbst und Baltischport haben je vier Batterien zu 15 Zentimeter aufzuweisen. Libau verfügt über vier stationäre Geschütze zu 18 Zentimeter und sechs Batterien zu 13 Zentimeter, während in Pillau drei Batterien mittelschwerer Langrohrgeschütze zu 13 Zentimeter postiert sind. Auch die deutsche Ostseeküste wird mehr und mehr befestigt. Auf weite Strecken darf sich kein Zivilist an der Küste blicken lassen. Stacheldrahtverhaue und sowjetisches wie polnisches Militär sorgen dafür, daß kein „Unbefugter“ in die Nähe kommt.

Vor allem auf die Sicherung des Luftraumes sind die Sowjets bedacht. In großer Zahl sind seenahe Landflugplätze geschaffen worden, im Baltikum und in Finnland, ebenso in Ostdeutschland. Moderne Düsenjäger-Verbände sind Verhältnismäßig seenah in Rechlin (Mecklenburg) stationiert, wo ehemalige deutsche Fliegeroffiziere und Ritterkreuzträger mit der Leitung der Instandsetzungsarbeiten an den einstigen Versuchsanlagen beauftragt wurden. Auch der Flugplatz Markgrafenheide bei Rostock ist längst schon im Ausbau. Der aktive Jagdschutz könnte, jedenfalls mit Düsenjägern, heute schon von allen rings um die Ostsee gelegenen Flugplätzen aus sehr schlagkräftig in Erscheinung treten. Ebenso wären die seenah stationierten Bomberverbände zu groß angelegten Offensivoperationen in der Lage, Nicht umsonst auch hat die deutsche Ostzonen-„Regierung“ einen Kredit von 80 Millionen Ostmark für den Bau eines großen Wasserflughafens bei Wismar bewilligen müssen. Die Bevölkerung rings um Rerik mußte das Gebiet räumen, um für sowjetische Flugplätze Raum zu schaffen. Zugleich sind fast alle einstigen deutschen Wasserflugzeughäfen an der Küste zwischen Rügen und Dievenow wieder belegt – diesmal von sowjetischen Maschinen. Zu gleicher Zeit haben deutsche Kriegsgefangene bei Kolberg Abschußbasen für Raketen bauen müssen. Daß Spezialisten der ehemaligen ’deutschen Versuchsstation von Peenemünde heute im Dienst der Sowjets arbeiten, ist ebenfalls bekannt.

Was nur die Eingeweihten in der Ostzone wissen, ist dies: Aus dem Räume von Kolberg und Deep werden versuchsweise unentwegt Raketen nach der Insel Oesel abgeschossen, wo kein Mensch mehr wohnt. Es ist nicht schwer, sich auszurechnen, wo die Raketen landen würden, gäbe man ihnen statt dessen eine westliche Richtung –: im Westen Westdeutschlands... ...