Wirberichteten kürzlich an dieser Stelle von den 51 Lagern und Gefängnissen, die General von Falkenhausen in fünfjähriger Gefangenschaft durchwandert hat. Inzwischen wird dieser Rekord vorübergehend erhöht. Falkenhausen befindet sich für acht Tage auf „Urlaub“, den er in einem Lager bei Fulda verbringt, um seine über 70jährige Frau, die schwer am Krebs erkrankt im Hospital liegt, vielleicht zum letztenmal zu sehen. Mit einem ärztlichen Attest, das diesen Sachverhalt bestätigte, hatte sein Anwalt bei der belgischen Regierung den Antrag auf vorübergehende Beurlaubung gestellt, Es erschienen daraufhin zwei belgische Ärzte, die verlangten, daß Frau von Falkenhausen geröntgt würde. Unter mehrfachen Ohnmachtsanfällen der alten Dame wurde diese Prozedur durchgeführt. Nächster Akts eine halbe Stunde, bevor General von Falkenhausen am 11. Februar das Krankenhaus betrat, wurde dieses von amerikanischer MP umstellt und ihm nur gestattet, im Beisein des belgischen Begleiters und eines uniformierten Amerikaners mit seiner Frau und dem Arzt zusprechen.

Wir hätten gewiß viel zu lernen, was Menschlichkeit und Ritterlichkeit anbetrifft, aber wir fragen uns, ob dies die richtige Form des Anschauungsunterrichts ist – noch dazu im Kreise der zukünftigen Partner eines angeblich besseren, neuen Europas. Vielleicht liegt es an der Bürokratie des technischen Apparates, daß die zweifellos wohlwollende Maßnahme der belgischen Regierung unter so peinlichen Umständen durchgeführt wird. Dann allerdings sollte man die Bürokratie ausrotten, damit die Menschlichkeit eine Chance hat, zu überleben, M. D.