Drei Tage, nachdem Präsident Truman die Herstellung der Wasserstoffbombe als ein Monopol der Vereinigten Staaten verkündet hatte, wurde Klaus Fuchs, einer der führenden englischen Atomphysiker, wie ihn der Staatsanwalt nannte, verhaftet, weil er seit 1942 laufend Atomgeheimnisse an die Sowjets verraten hat. Am fünften Jahrestag der Konferenz von Jalta, in der man noch einmütig die Welt verteilt hatte, ist das ein harter Schlag,

Es ist etwas Unheimliches an diesem Ereignis, das plötzlich den Hintergrund unserer heutigen Existenz beleuchet, der viel erschreckender ist als die vordergründige Tat eines Landesverräters: das Gefühl „Verräter unter uns!“ Jeder kann es sein, der Nächste, der Vorgesetzte, der vertraute Untergebene? Wer kennt die geheimen Gedanken und inneren Bindungen der Menschen in einer Welt, in der die Doktrin und alle Fragestellungen sich immer mehr radikaleren und politische Entscheidungen die Kraft und Verbindlichkeiten religiöser Bekenntnisse erlangen.

Und noch eins: Was soll eigentlich aus einer Welt werden, die in ihrer technischen Organisation so kompliziert geworden ist, daß das eigentliche Schicksal der Völker gar nicht mehr in der Hand der Regierung liegt, die man zu diesem Zweck auf kostspielige und komplizierte Weise wählt, sondern in der Hand einiger Spezialisten, die vielleicht jenseits ihrer staunenswerten Begabung Narren oder mindestens Toren sind? Früher mußte der Herrscher eines Landes eine Persönlichkeit sein, und jeder konnte sehen, ob er klug und tapfer oder dumm und feige war. Und gegebenenfalls konnte man ihn auch stürzen. Die unumschränkten Herrscher unserer Zeit aber sind die Techniker und Spezialisten. Sie kommen zur Macht, weil sie über mehr Gehirnwindungen verfügen als der normale Sterbliche. Niemand kann sie stürzen. Man kann sie nur mit einem Polizeikordon umgeben und mit Scheinwerfern anstrahlen. Und dann, gerade wenn das ehrfürchtig staunende Publikum meint, jetzt wär’s soweit, dann geht Klaus Fuchs (und er war nicht der erste) hin und verrät seine Magie an den feindlichen Stamm, denn er denkt ja in höheren Kategorien, die den armseligen Normaldenkern nicht zugänglich sind. Dff.