R. K. N. Zürich, Mitte Februar

Zur Linderung der auch in der Schweiz vorhandenen Wohnungsnot hat die Genfer „Société anonyme pour encourager la construction d’appartements“ einen originellen Weg gefunden, Heute befriedigt die Wohnbautätigkeit auch in der Schweiz wegen des zu geringen Ertrags des Kapitals und zu großem Risiko die Nachfrage bei weitem nicht, Zahllose Mietinteressenten wären bereit eine Wohnung zu kaufen. Das schweizerische Recht kennt aber ein Wohnungs- oder Stockwerkeigentum nicht, und so wurde folgende Rechtsform gewählt: Eigentümerin des Hauses wird eine Aktiengesellschaft, und der Erwerb einer Wohnung geschieht durch Kauf einer bestimmten Zahl von Namensaktien, die den Aktionären neben den üblichen Rechten den Anspruch auf die Benützung einer bestimmten Wohnung geben. Will der Aktionär die Wohnung nicht selbst benutzen, vermietet sie die Gesellschaft für ihn; sein Benützungsanspruch wird dann in einen Mietzinsanspruch umgewandelt.

Da die Aktien übertragbar sind, ist durch sie nicht nur eine Mietmöglichkeit sondern auch eine Kapitalanlage gegeben, die um so günstiger ist, als Kanton und Gemeinde ihrerseits zur Ermutigung der Bautätigkeit das Gebäude für 20 Jahre von Kantons- und Gemeindesteuern befreit haben. Man erwartet sich in Kreisen der schweizerischen Bauwirtschaft von dieser neuen Form der Baufinanzierung eine wesentliche Linderung der Wohnungsnot, beträchtliche Impulse für das Baugewerbe und interessante Kapitalanlage-Möglichkeiten für Kleinsparer.