Die deutsche Elektroindustrie hat sich in raschem Aufstieg innerhalb der leisten Jahrzehnte zu einem wesentlichen Faktor des wirtschaftlichen Lebens entwickelt. Sowohl auf der Starkstrom- als auch auf der Schwachstromseite griff sie in alle wesentlichen wirtschaftlichen Vorgänge ein. Sie leistete maßgebliche Beiträge zur Fortentwicklung der Technik in Elektrizitätswirtschaft, Industrie, Landwirtschaft und im Verkehrs- und Gesundheitswesen. Die Vielseitigkeit des Erzeugungsprogrammes gab dieser Industrie eine wichtige Schlüsselstellung und damit auch eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Großzügige Forschungsarbeiten und auf beste Qualität ausgerichtete Fertigungsmethoden verliehen den Erzeugnissen der deutschen Elektroindustrie Weltruf, so daß sie einst der größte Elektroexporteurauf dem Weltmarkt war. Diese Entwicklung der Vorkriegszeit ist durch den Krieg und seine Folgen leider für lange Zeit zum Stillstand gekommen.

Durch die politische Entwicklung wurde unsere Elektroindustrie deshalb besonders schwer getroffen, weil etwa 50. v. H. ihrer Kapazität ausschließlich in Berlin und bei einer Reihe von maßgebenden Unternehmen in der Ostzone lag. Diese Anlagen sind teilweise durch Feindeinwirkung erheblich zerstört, zum großen Teil sind sie im Sommer 1945 demontiert worden Andere Werke wurden in sowjetische Aktiengesellschaften oder in volkseigene Betriebe umgewandelt. Es soll hier besonders anerkennend hervorgehoben werden, daß die Elektroindustrie der Berliner Westsektoren sich aus den primitiven Anfängen des Jahres 1945 recht positiv entwickelt hat, so daß ihr heute wieder – wenn auch nicht mit früher vergleichbar – maßgebliche Kapazitäten zur Verfügung stehen.

In den westlichen Besatzungszonen muß man mit einem Kapazitätsverlust von etwa 20 v. H. durch Kriegseinwirkung rechnen, die jedoch durch Wiederherstellung im allgemeinen ausgeglichen sein wird. In der französischen Zone haben allerdings auch auf dem Gebiet der Elektroindustrie Demontagen stattgefunden, die 80 bis 90 v. H. der Kapazität erfaßten.

Es galt daher, in den vergangenen Jahren die Anlagen der Elektroindustrie der drei Vestzonen sowie der Westsektoren Berlins in ihrer Kapazität so auszustatten, daß sie den aus dem Binnenmarkt und auch aus der Exportnotwendigkeit heraus gestellten Anforderungen gewachsen ist.

Was die Konsumgüterindustrie anlangt, die etwa einen Anteil von 30 v. H. der Kapazität ausmacht, so konnten sich die hierunter fallenden Industriezweige im wesentlichen bereits bis zur Währungsreform ausbauen. Ausgenommen blieb die Glühlampenfabrikation, die infolge des Verlustes der im Osten gelegenen Anlagen sehr erheblich neu aufgebaut werden mußte – ein Prozeß, der inzwischen zum großen Teil abgeschlossen ist.

Anders liegen die Verhältnisse in den Sparten unseres Industriezweiges, die Investitionsgüter erzeugen, also speziell der Anlagenbau auf dem Gebiet des Starkstromes und Schwachstrom Die Anforderungen, die der Kraftwerksbau und das Nachrichtenwesen an die Elektroindustrie stellen, erfordern einen weitgehenden Ausbau der bisher vorhandenen Kapazität,

Aus den vorerwähnten Gründen kommt der Frage der Ausstattung der Elektroindustrie mit langfristigen Krediten eine besondere Bedeutung zu. Der Kreditmittelbedarf ist seinerzeit von der VfW mit etwa 170 Mill. als forderlich anerkannt worden. Er genießt im Hinblick auf die Notwendigkeit des Ausbaues der Kraftwerke, der Vervollständigung des Nachrichtenwesens und der Ausstattung der Grundstoffindustrien mit den entsprechenden elektrotechnischen Erzeugnissen besondere Priorität. Diesem Umstand ist von der Verwaltung bzw. der Wiederaufbaubank dadurch Rechnung getragen worden, daß im Rahmen der bisherigen Tranchen die Elektroindustrie mit etwa 33 bis 35 v. H. der Zuteilungen von langfristigen Krediten an die Gesamtindustrie berücksichtigt worden ist.