Die Herren Richter in Köln wollen nicht nach Berlin“, erklärte Bundesjustizminister Dr. Dehler auf einer Berliner Pressekonferenz, als er gefragt wurde, wie es denn mit der Verlegung des Obersten Bundesgerichtes von Köln nach Berlin stehe. Man könne nicht von einem jeden verlangen, daß er ein Held sei, fügte er hinzu. Auch seien die technischen Schwierigkeiten nicht unerheblich, die einer Verlegung des Obersten Bundesgerichtes entgegenständen.

Das sind erfreulich offene Worte. Anscheinend hat das Berliner Klima gegenüber der Bonner Stickluft bei Dr. Dehler reinigend und erfrischend gewirkt. Und so wollen wir ihm denn gern zustimmen, wenn er sagt, jeder deutsche Politiker auch Dr. Adenauer – müsse einmal nach Berlin kommen, um den dortigen Standpunkt kennenzulernen. Dr. Reuter, der Berliner Oberbürgermeister, hat kürzlich erklärt, wenn er Bundeskanzler wäre, würde er den Sitz der Regierung sofort nach Berlin verlegen. Demgegenüber ist es in der heutigen Bundesregierung leider nötig, daß der Bundesjustizminister seine Kollegen ermahnen muß, einmal aus der Etappe an die Front zu fahren. Doch ist es zweifelhaft, ob eine solche Reise immer gute Resultate bringen Würde. Die Fahrten des Bonner Berlin-Ausschusses haben diesen Beweis bisher nicht erbracht. Nicht jede Frontreise aus der Etappe führt zu so guten Erkenntnissen, wie es die von Dr. Dehler sind. Tgl.